Zwei Buddies

Die unterschiedliche Wahrnehmung hierzulande hat dazu beigetragen, dass eine sehr deutliche Analogie nicht erkannt wurde und diese Erkenntnis nun, da sie sich aufdrängt, verstörend wirkt. Die Rede ist von den Herren Trump und Macron, die sich gegenwärtig in Washington treffen und sich ständig in den Armen liegen. Während Macron dabei eher etwas unbeholfen und verschämt wirkt, suhlt sich Trump nahezu in der angedeuteten Intimität zweier sehr verwandter Seelen. He´s my real Buddy, heißt es da folgerichtig bei Trump. Und falsch liegt er damit nicht.

Wenn jemand dafür steht, dass er es dem politischen Establishment und der Nomenklatura seines Landes so richtig besorgt hat, dann Donald Trump. Ein Tycoon aus der Baubranche, der auch schon mal in einer Oben-Ohne-Bar einen Deal aushandelt, der eine TV-Serie hat, in der er heuert und feuert, wie es ihm beliebt, der egomanisch durch das soziale Gefüge braust und keine Rücksicht auf irgendwen nimmt, ein solcher Charakter hat es geschafft, alle anderen im politischen Spiel an die Wand zu drücken und in das Amt des Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika zu gelangen. Alle, die das vor drei bis vier Jahren prognostiziert hätten, wären heute unter ärztlicher Beobachtung. Wären da nicht die unzähligen, furchtbaren Enttäuschungen gegenüber dem politischen System und seinen Vertretern im eigenen Land.

Und wenn es jemanden gibt, der es seinem politischen Gegner noch ganz anders besorgt hat als Trump, dann ist es eben dieser Macron. Doch ganz im Gegensatz zu dem Raubein und Banausen Trump gilt Macron als ein humanistisch gebildeter Mensch, der die hohe Form der Rede wie des Umgangs perfekt beherrscht. Doch trotz seiner gewählten Umgangsform ist auch er, wie Trump, ein Vertreter des liberalen Wirtschaftens und jede Form staatlicher Regulierung ist ihm ein Dorn im Auge. Und im Gegensatz zu Trump, der den Durchmarsch lediglich in bestimmten Gremien gemacht hat, was allerdings zum Machtgewinn reichte, hat Macron das gesamte politische System Frankreichs auf einen Schlag komplett ausgehebelt. Mit Macrons Wahlsieg wurde das komplette politische Personal in Frankreich über Nacht ausgewechselt. Es herrschen die Laien. 

Die alte Analogie zwischen beiden Ländern, auf die sich die beiden Präsidenten bei dem jetzigen Treffen berufen, hat tatsächlich einen aktuellen Anlass. Zuerst fand die Revolution in Amerika statt, bevor sie nach Frankreich kam. Und was in Amerika als eine natürliche Folge der Gegebenheiten erschien, war in Frankreich selbst ein brutaler, konsequenter Akt, der einer ganzen Generation die Existenz kostete. Und so war es auch mit Trump und Macron.

Von der Verlaufsform her existiert tatsächlich eine Parallele. Nur von der Wirkung ist es konträr. Beide, Trump wie Macron, stehen für Wirtschaftsliberalismus hier und Schutzzölle dort, für Einmischung überall in der Welt, wenn es um Ressourcen wie Infrastruktur geht und für das praktische Bekenntnis zu kriegerischen Handlungen, wenn der Zugriff auf Ressourcen gefährdet ist oder sich die Chancen der Konkurrenten zu verbessern drohen. 

Warum die deutschen Eliten Herrn Trump so hassen, lässt sich schnell entschlüsseln, wenn man betrachtet, wie sehr dieser auf das Ressentiment der Proletarier setzt. Und warum sie im Gegensatz dazu den Herrn Macron so lieben, ist in seiner vermeintlichen Eleganz und Gewandtheit zu suchen. So sind sie nun einmal, die Deutschen, bei denen das schöne Sprichwort diese Einschätzung zu beglaubigen scheint, dass die Welt vornehm zugrunde ginge. Das wird sie auch tun, mit Buddies wie diesen!

 

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