Von Football Clubs und unbezwingbaren Seelen

Invictus. Regie Clint Eastwood

Clint Eastwood ist schon seit Jahrzehnten ein exzellenter Regisseur. Spätestens mit Bird, einem Film über den Bebop-Saxophonisten Charlie Parker, hat er deutlich gemacht, dass unterschiedliche hermeneutische Ebenen in einen Erzählstrang eingebunden werden können, ohne zu irritieren. Dazu gehört ein immenses Wissen um das Medium Film ebenso wie große Empathie für die Rezeptionsfähigkeit unterschiedlicher Erfahrungswelten. Zuletzt zeigte Clint Eastwood mit Gran Torino, einem Film, in dem er wohl zum letzten Mal selbst eine Rolle übernahm, wie sehr er dieses anspruchsvolle Genre beherrscht. Mit dem Film Invictus, einer Erzählung über das weiße südafrikanische Rugbyteam nach der Machtübernahme des ANC, ist Clint Eastwood wiederum ein großartiger Film gelungen.

Vordergründig geht es dabei um das bis auf eine Ausnahme ausschließlich weiße Rugbyteam Südafrikas, das nach der Wahl Nelson Mandelas die Weltmeisterschaft aus einem fürchterlichen Formtief heraus im eigenen Land bestreiten soll. Selbstverständlich sind die Schwarzen, deren Liebe dem Fußball gilt und die Rugby als ein Synonym für die Apartheid begreifen, alles andere als begeistert, als ihr neuer Präsident sich ausdrücklich hinter das Rugbyteam stellt und die Verantwortung mit übernimmt für den zu erwartenden Erfolg oder Misserfolg. Mandela folgte dabei der Logik, dass das Land einen Neuanfang ohne Ressentiment machen musste und es ein unverzeihlicher Verlust gewesen wäre, die weiße Sportgemeinschaft einem rassistischen Ressentiment zu opfern.

In dem Film gelingt es Mandela, dessen Persönlichkeitsprofil nur ein Morgan Freeman nahekommen konnte, zum einen das Misstrauen des weißen Mannschaftskapitäns, dargestellt durch Matt Damon, zu überwinden und zum anderen die schwarze Community von seinem Weg der Versöhnung zu überzeugen, was bekanntlich mit dem völlig unerwarteten Weltmeistertitel endete.

Neben der primären Handlung findet sich aber die Auseinandersetzung innerhalb des ANC, in dem bekanntlich die Football Clubs um die Präsidentengattin Winnie Mandela eine zunehmend fanatische Rolle spielten und die zum Teil mit ihren Aktionen ins kriminelle Milieu abglitten, was letztendlich auch zu der Trennung des Präsidenten von seiner Frau geführt hatte. Dahinter verbirgt sich das Paradigma einer erfolgreichen Revolution und ihres Umganges mit den Bezwungenen. Mandela wählte den Weg des zivilisierten Umgangs und Respekts, was nicht immer verstanden wurde.

An dem Zitat, dass Fußball ein Spiel für Gentlemen sei, das von Hooligans gespielt würde und es sich bei Rugby um ein Spiel für Hooligans handele, in welchem Gentlemen wirkten, versteckt sich die Dialektik des Themas. Der Filmtitel Invictus hingegen ist einer Gedichtsammlung des viktorianischen Poeten William Ernest Henley entlehnt, in der Mandela in seiner jahrzehntelangen Haft gelesen hat und der Autor Gott in aufrührender Weise für seine unbezwingbare Seele dankt. Einfach großes Kino!

Advertisements