Weihnachtsfeier

von Charles Bukowski

Meine Tochter sah aus wie eine junge
Katharine Hepburn bei der Weihnachtsfeier
ihrer Schule; da stand sie mit den anderen
in dem langen Kleid, das ich ihr gekauft
hatte, und lachte und strahlte und sang.

Sie sieht aus wie Katharine Hepburn
sagte ich zu ihrer Mutter, die links
von mir saß.
Sie sieht aus wie Katharine Hepburn
sagte ich zu meiner Freundin, die
rechts von mir saß.
Die Großmutter meiner Tochter saß
noch einen Stuhl weiter; zu ihr
sagte ich nichts.

Als Schauspielerin fand ich die Hepburn
nie besonders; aber ihre Ausstrahlung
gefiel mir. Klasse.
Jemand, mit dem man im Bett
vor dem Einschlafen noch eine
Stunde reden konnte.

Ich kann meiner Tochter ansehen,
dass mal eine schöne Frau aus ihr wird.
Wenn ich alt bin, wird sie mir vermutlich
mit einem lieben Lächeln die
Bettpfanne bringen.
Und wahrscheinlich wird sie einen
massigen Fernfahrer mit Plattfüßen
heiraten, der jeden Donnerstagabend
mit den Jungs kegeln geht.

Aber darum gehts jetzt nicht.
Es geht um heute.

Ihre Großmutter ist ein Habicht in
Menschengestalt. Ihre Mutter eine
psychotische Linksliberale mit einer
Liebe zum Leben.
Ihr Vater ist ein Arschloch.
Meine Tochter sah aus wie eine
junge Katharine Hepburn.

Nach der Weihnachtsfeier gingen wir
zu McDonald´s und aßen was und fütterten
die Spatzen. Weihnachten war in einer
Woche. Darum machten wir uns weniger
Gedanken als neun Zehntel der Stadt.
Das war unsere Sorte Klasse.
Wer Weihnachten ignoriert, hat etwas
begriffen.
Aber ein glückliches
Neues Jahr wünsch ich
euch allen.

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Ein Gedanke zu „Weihnachtsfeier

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