Hier Radio Monopol! Hier Radio Monopol!

Es hört sich an wie ein Journal der Spekulation. Da ist die Rede von den wohl von X gesteuerten Kräften. Mutmaßlichen Infiltranten. Maßgeblich Beteiligten. Von mit Wahrscheinlichkeit zur Verantwortung zu ziehenden Kreisen im Hintergrund. Von außen gesteuertem Mob. Von agens provocateurs ohne Auftrag. Von gekauften Elementen. Von einer planlos agierenden Opposition. Von vermeintlichen Sprechern. Von deplatziert wirkenden Kritikern. Von infamen Infiltranten. Von humorlosen Subjekten. Von Claqueuren. Von gekauftem Jubel. Und vielem mehr.

Was anmutet wie eine Regieanweisung zu einem Ganovenstück, einer Dreigroschenoper der Postmoderne, sind Versatzstücke aus der täglichen medialen Berichterstattung in der Bundesrepublik Deutschland. Das, was als verbrieftes demokratisches Recht zu einem Herzstück des Antitotalitarismus in diesem Lang gereift war, hat sich in seiner Nonchalance gegenüber dem Wahrheitsgehalt seiner eigenen Verlautbarung in einen Groschenroman aus der Feder des Massenjournalismus herabgearbeitet.

Zwei Dinge sind es, die intrinsisch für die qualitative Talfahrt der vornehmlich öffentlich-rechtlichen Berichterstattung verantwortlich gemacht werden müssen. Zum einen die Schlampigkeit in der Recherche und die willenlose Zustimmung zur propagandistischen Zielsetzung. Und zum anderen die nur durch Hybris zu erklärende Unterschätzung der zu unterrichtenden Leser- und Hörerschaft.

Beides ist fatal. Indem nicht mehr nach dem Wahrheitsgehalt einer Nachricht gesucht wird und nur dann eine Meldung freigegeben wird, wenn der Sachverhalt nach bestem Wissen und Gewissen recherchiert wurde und die Autorenschaft mit dem eigenen Namen bürgt, wird nach dem Wunsch der Mächtigen das Tatsächliche zu einem Opfer der tendenziösen Spekulation. Das ist dramatisch und schlägt der eigenen Geschichte dieses Landes böse ins Gesicht. Dass es trotzdem Menschen gibt, die sich auf dieses Spiel nicht einlassen wollen, muss als die einzige Lehre archiviert werden, die hierzulande noch aus der totalitären Vergangenheit gezogen wird.

Nicht die aus Steuergeldern der Republik finanzierten Medien mit ihrem öffentlich-rechtlichen und demokratischen Auftrag, sondern die von letzteren entweder ignorierte oder diffamierte Opposition haben die Qualität, die demokratische Prozesse erfordern. Es ist an der Zeit, die politischen Konsequenzen aus dem Desaster der öffentlichen politischen Berichterstattung zu ziehen. Denn nicht nur die Ideologisierung dessen, worüber berichtet wird, hat die Grenze des Akzeptablen überschritten, sondern auch das Ausmaß und der Stellenwert dessen, worüber nicht berichtet wird. Oppositionelle und kritische Aktionen im In- und Ausland werden schlichtweg ignoriert, Volksentscheide innerhalb der EU ausgeblendet, kriminelle Handlungen assoziierter Regierungen unterschlagen, Massenbewegungen gegen die offizielle Politik der EU totgeschwiegen. Die Dimension, mit der manipuliert wird, kann nicht mehr geduldet werden.

Angesichts der zunehmend doktrinären Entwicklung der öffentlich-rechtlichen Medien, die jährlich mehr als acht Milliarden Euro verschlingen, wäre deren Auflösung eine sehr praktische und vernünftige Forderung. Mit dieser Summe könnte passgenau die Infrastruktur erneuert werden. In Zeiten des Internets könnte die Freigabe aller Frequenzen zu einem sehr produktiven Wettbewerb derer werden, die gewillt und in der Lage sind, gute Nachrichtensendungen und noch bessere Unterhaltung zu produzieren. Staatsmonopole waren noch nie eine Lösung. Staatsmonopole in Deutschland waren immer ein Fluch. Deshalb ist es an der Zeit, dem Spuk, in dem Staatsagenten die öffentliche Meinung generieren, ein Ende zu bereiten. Dass es ohne die Qualität der öffentlich-rechtlichen nicht ginge, ist eine Legende, die in den letzten Wochen endgültig zerstört wurde. Ein Blick nach Israel wäre auch angebracht. Dort werden die Öffentlichen gerade abgeschafft. Wegen der schlechten Qualität und ständiger Kollusion. Konsequenz ist eine demokratische Tugend.

Advertisements

18 Gedanken zu „Hier Radio Monopol! Hier Radio Monopol!

  1. hildegardlewi

    Eine diplomatische Ausrede. Im Augenblick tun sehr viele Einzelne sehr viel und sehr mutig. Damit muß man nicht hausieren gehen.
    Nicht jeder, aber viele tun was sie können. Jeder auf seine Art eben.
    Mich zum Beispiel haben die Stücke von Frisch schon immer bewegt, und in „Biedermann und die Brandstifter“ hat sogar mein Sohn in einer Schulaufführung großen Beifall gefunden, und trotz meiner Bewunderung für einen großen Geist ist mir sein Seelen- und Privatleben absolut schnuppe.

      1. hildegardlewi

        Möchtest Du, daß ich die scherzhaften Seiten an Dir entdecke? Ich wäre ja schon froh über ein paar humorige bzw. auch mal philosophische. Immer sparsam, aber nie inhaltsschwer. Meistens – ohne. Zumindest, was unseren „Gedankenaustausch“ betrifft. Vielleicht willst Du das ja auch gar nicht, nur wenn ich dumme Sprüche mache oder Fragen stelle, fühlst Du Dich bedrängt. Das möchte ich nun aber auch nicht.

  2. Nitya

    Facebook ist voll mit Aufforderungen wie „Empört euch!“, „Wehrt euch!“ und dergleichen. Ich habe auch alle möglichen Beschimpfungen dort gefunden wie etwa: Die Deutschen sind feige, Sesselfurzer, konsumgeil und anderes. Jetzt frage ich mal mit Wolf Biermann: „Aber nützt uns das?“

    Ich finde die Antwort von Gerd auf die Frage, wer diesen Augiasstall gründlich ausmisten solle, „Du, Hildegard! Wer sonst?“ keineswegs zynisch. Ich kann darin auch keine Handlungs-Aufforderung entdecken. Nur die Verantwortung liegt nun mal bei jedem Einzelnen. Das bedeutet nicht, dass es da irgendeine Pflicht des Handelns gibt. Das bedeutet nur, dass sich die Verantwortung aus der Tatsache ergibt, dass wir alle, und das bedeutet eben auch jeder Einzelne, die Folgen seines Handelns oder Nicht-Handelns zu tragen hat.

  3. hildegardlewi

    Facebook wird da wohl nicht reichen, für einen Augiasstall braucht es schon andere Reinungskräfte. Aber ich habe beschlossen, mich zukünftig nicht mehr zu äußern. Damit ist für meinen Teil schon mal ein Kapitel abgeschlossen.

  4. hildegardlewi

    Na, endlich mal was mir wirklich gefällt. Coleman Hawkins ist auch drauf, da habe ich ihn auch gleich rausgekramt und 21 Titel von 1934, aber alle will ich jetzt nicht hören. Ich habe meine ganzen CD’s in den Computer geladen und der sagt, jetzt kann ich neun Tage und elf Stunden pausenlos Musik hören ohne Wiederholungen. Na ja, ab und zu eine Weile, aber ich kann schreiben und lesen, und der Computer macht dazu Musike. Und gleich ist mir wieder wohler zumute. Das ist so meine Musik vorzugsweise. Down Georgia Way. Na, so hat jeder seine Vorlieben. Habe ich schon mal erwähnt, ich sammle Jazz ab 1918. Seit die Bands nicht mehr improvisieren, sondern vieles so kommerziell bearbeitet ist, gefällt es mir nicht mehr so sehr. Na, also Dankeschön. War eine gute Idee.

  5. Gerhard Mersmann Autor

    Das ist eine Szene aus dem Robert Altman-Film Kansas City, sehenswert. Die Darsteller der alten Größen sind die von heute, Roshua Redman, James Carter etc.. Freut mich, dass es dir gefällt!

  6. hildegardlewi

    Lieber Gerd, bei dieser Musik habe ich immer das Gefühl, daß sich die Seele vom Körper trennt und fliegen kann. Ich wollte noch mal den Dialog von gestern lesen, deshalb bin ich noch mal auf diese Seite gegangen und habe jetzt erst gesehen, daß Du noch etwas geschrieben hast. Bei mir ist es nicht angekommen. Das passiert öfter. Also muß man immer zwei mal kontrollieren, einmal hier und einmal bei M 7. Es hätte mir sehr leid getan, wenn ich Deine Nachricht versäumt hätte. Also nochmals Dankeschön, das war ein wunderbarer Einfall. Da hast Du ja jetzt etwas gut, ich werde versuchen, nicht „niggelig“ oder wie das heißt zu sein. Schonzeit sozusagen.
    Aber die Musik ist wirklich – ich finde keinen passenden Ausdruck,
    habe ich bei You-Tube gefunden. Gute Nacht, ich schwebe erst mal noch ein Weichen mit den Klängen unter der Zimmerdecke
    herrum!

  7. monologe

    Jedenfalls soll mal der öffentlich-rechtliche Nachdruck erwähnt werden, mit dem statt der Betreibung von Recherche mittels GEZ „Gebühren“ eingetrieben werden. Dagegen ist die Kirche das reine Lamperl. Wer sich weigert, dem schicken sie den Gerichtsvollzieher ins Haus, Androhung der Einziehung von Vermögenswerten usw., womöglich schicken sie demnächst das Russen-Inkasso? Es gibt – im Netz nachzulesen – viele Fälle von Zahlungsverweigerung eben wegen mangelhafter Leistungen, Nachlässigkeit und propagandistischer Tendenzen, in denen sie rigoros verfahren, die öffentlich-rechtlichen, sodass man weiß, was das heißt: öffentlich-rechtlich. Mir ist ein Fall bekannt, in dem eine WG Widerspruch eingelegt hat, weil ein WG-Bewohner aus soz. Gründen befreit ist, der andere zwar nicht, es gibt jedoch nur einen Raum, in dem sowohl Fernseher, Comp. usw. sich befinden, sodass hier eine Konstellation entsteht, die die Idee von der „Beitragszahlung pro HAUSHALT“ nicht vorsieht – was tut die GEZ? Sie schickt den Gerichtsvollzieher und reagiert nicht auf den Widerspruch. Da dringt die innere Verfassung dieser „Anstalt“ durchaus durch. Es hat was von Steuereintreibung, und vielleicht ließe sich zum Verhältnis dieser Anstalten zur Regierung sagen, dass die eine Krähe der anderen kein Auge aushackt, ungern, und eben nur Anstalten machen, als ob sie in die Hand beißen, die sie füttert.

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.