I never smoke weed with Willie again….

Willie Nelson. Band of Brothers

the party was over before it began. Sein Name ist Programm. Mit nunmehr 81 Jahren hat er alles gesehen und erlebt, was sich ein Mensch nur vorstellen kann. Der Mann ist eine Ikone. Nicht nur, weil er sich in seinem Leben nicht hat brechen lassen, sondern auch, weil er immer gezeigt hat, dass Menschen dennoch zerbrechlich sind. Er steht für Protest und Libertinage, für Gesetzlosigkeit und verbriefte Rechte, für einfache Musik und unvergessliche Momente. Er steht für die USA, wie sie weit über ihre Grenzen hinaus viele Generationen haben positiv prägen können. Vielleicht ist er der Inbegriff des anderen Amerika, das der einfachen Beziehungen und Wahrheiten, des leben und leben lassens, der Toleranz und Freiheit. Auf seinem Banjo, mit dem er auf die unzähligen Demonstrationen ging, an denen er bis heute teilgenommen hat, steht die die einfache Wahrheit: This Machine Surrrounds Hate And Forces It To Surrender. Ja, ohne ihn wäre unsere Welt ärmer.

Willie Nelson hat wieder einmal ein Album herausgebracht. Es trägt den Namen Band of Brothers. Wie, so könnte gefragt werden, sollte es auch sonst heißen. Willie Nelson hat immer nur das artikuliert, worauf es ihm ankam. Und heute, in einer Zeit, in der nicht nur die amerikanische, sondern die ganze Welt auf dem Kopf steht, da hat er natürlich darauf verwiesen, worauf wir, die wir den Frieden und eine bessere Welt wollen, konzentrieren müssen. Auf die Bande untereinander, auf die Solidarität. Einen Finger kann man brechen, fünf Finger bilden eine Faust! Keine Mode, kein Trend, keine luftige Idee hat es je vermocht, diesen Mann von seinem Weg abzubringen. Diese Verlässlichkeit hat ihm seine weltweite Resonanz beschert. Ob texanischer Farmer oder europäischer, metropolitaner Intellektueller, ob LKW-Fahrerin aus Missouri oder Wirtin in Den Helder, Willie Nelson hat sein Publikum, weil er zu den wenigen gehört, auf die man sich verlassen kann und weil man ihm glaubt.

Band of Brothers selbst bildet folglich auch den Mix, den man von Willie Nelson erwartet. Es handelt von seinen Erfahrungen als Tramp (Whenever You Come Around, I´ve Got a Lot of Traveling to Do), der immer unterwegs ist, von den Liebschaften, die er in seinem langen Leben schon hatte,(Wives and Girlfriends, Send Me a Picture, Used to Her, I Thought I Left You), von dem Leben als Musiker (Guitar in the Corner, The Songwriters) und natürlich von der tragischen, komischen und nicht zu leugnenden Existenz des Rebellen (Bring It On, Band of Brothers, Crazy Like Me, Hard to Be an Outlaw). Das Spektrum ist nicht überraschend, sondern genau das, wofür Willie Nelson steht.

Von Ludwig van Beethoven soll der Spruch stammen, dass die Macht der Musik die des Komponisten sei. Er vermöge es, die Zuhörerschaft in Stimmungslagen zu versetzen, gegen die sie sich nicht wehren könnte. Wenn es jemand versteht, die Gefühle herüberzubringen, die aus dem Leben eines Rebellen entstehen, dann ist es Willie Nelson. Nelsons einfache Wahrheit liegt in der Triade von Text, Musik und persönlicher Authentizität. Willie Nelson vermittelt einfache Botschaften. Das ist nicht trivial, es ist aber selten, dass an der mehr als durchsichtigen Struktur nicht kritisiert werden kann, weil es sich um nahezu existenzielle Wahrheiten handelt, die kulturgeschichtlich immer mehr überlagert werden von seichten Halbwahrheiten. Willie Nelsons Band of Brothers vermittelt Wahrheiten, die allzuoft rar geworden sind. Und es wirkt wie Medizin.

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2 Gedanken zu „I never smoke weed with Willie again….

  1. Stefan

    Willie Nelson, the red headed stranger, ist ebenso für mich einer der ganz Großen in der Musik. Mich hat er in die Country-Musik hineingeführt und ist ein standhafter Begleiter geworden. Er ist auch der Begründer seiner eigenen Musik, dem Outlaw Country. Seine Lebensgeschichte ist voll mit Höhen und Tiefen. Und nach vielen Jahren, endlich wieder ein Album mit Eigenkompositionen. 1949 hatte er seinen ersten Song publiziert. Was für ein Leben und Karriere! Was ich bislang gehört habe, gefällt mir sehr gut. Keine Experimente, keine Überraschungen, dafür Willie Nelson pur in bester Qualität. Und das er den Blues kann, hat er z.B. mit Wynton Marsalis vor einigen Jahren eindrucksvoll demonstriert. Danke lieber Gerd für die Empfehlung und Eloge. Oder um es mit Willie Nelson zu sagen: „Three chords and the truth, that´s what a country song is.“ So simpel, so faszinierend, so gut kann Musik sein.

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