Eine Ikone, die den Namen verdient

Freddy Cole. Singing the Blues

Es kann alles so einfach sein. Wenn das Können da ist und die emotionale Voraussetzung. Ein wesentlich jüngerer, nämlich Jimi Hendrix, brachte den Blues einmal sehr folgerichtig auf den Punkt: It´s easy to play, but hard to feel. Einer derer, die schon lange in den Geschichtsbüchern des Genres stehen, aber noch längst nicht abgedankt haben, ist Freddy Cole. Geboren 1931 in der Blues-Metropole Chicago, trat er schon im Alter von sechs Jahren auf. Der Pianist und Sänger, nebenbei der Bruder von Nat King Cole, ging seitdem seinen Weg. Er blieb über die Jahrzehnte dem Blues treu. Seine Stationen können Folianten füllen, begonnen hatte er mit Earl Bostic und Groover Washington. Bis heute steht er aus der Bühne und gilt als die reifste Stimme des zeitgenössischen Blues in den USA.

Da liegt es nicht unbedingt fern, dass der nunmehr 83-Jährige Musiker mit einer neuen CD seinem Genre eine Referenz erweist. Unter dem alles sagenden Titel Singing the Blues liegen neue Aufnahmen vor, die ein Stadium der Reife dokumentieren, das seinesgleichen sucht. Ein Mann, der derartig in der Tradition des Genres steht, vergisst natürlich seine Wurzeln nicht. Folglich wird das Album eröffnet mit einem Muddy Water Blues, einer Hommage an denjenigen, der nahezu paradigmatisch aus dem Mississippi-Delta den Weg nach Chicago suchte, um in der nördlichen Industriemetropole seine Marken zu setzen, die bis heute wirken. Das auf diesem Titel Dargebotene ist alles andere als eine romantische Verklärung, sondern eine viel sagende Referenz an den atemlosen Rhythmus des Industriezeitalters, wodurch der Blues als eine Blaupause für den Jazz gesichtet wird.

This Time I´m Gone For Good dagegen konserviert die emotionalen Botschaften dieser immer noch agilen Gattung. Freddy Cole singt das Programm des Gehens, um überleben zu können mit seiner samtweichen sonoren Stimme, die die Unausweichlichkeit dieser Botschaft wie ein Mantra unterlegt. Another Way to Feel wiederum könnte auch in den allen Hotelbars dieser Welt ertönen, einerseits wegen seiner Unverbindlichkeit, teils aber auch als eine intonierte Sehnsucht all derer, die entwurzelt um den Globus rasen. Goin´Down Slow, eine der Hymnen des Blues überhaupt, erfährt durch Coles Interpretation den Status der Altersweisheit, All We Need is a Place, ein Blues im Herzschlagrhythmus, greift das Thema der ungewollten Mobilität wieder auf und macht thematisch deutlich, wie viele der Standards des Blues durchaus in unsere heutigen realen Lebenswelten hineinreichen. Singing the Blues, der Titelsong, zeigt die Raffinesse, mit der der erstklassige Arrangeur Freddy Cole an seine Stücke geht. Das gegen die vokale Melodielinie arbeitende Saxophon verleiht dem Stück einen deutlichen Zugang zum Jazz, nicht wegen der Instrumentierung, sondern wegen der assoziativen Korrespondenz zum Gesang.

Singing the Blues ist mit seinen insgesamt 11 Titeln von seiner Qualität her eine Rarität. Zusammen mit dem Tenor-Saxophonisten Harry Allen, dem Bassisten Elias Bailey und dem Schlagzeuger Curtis Boyd ist es Freddy Cole gelungen, mit der Leichtigkeit des Seins viele bekannte Weisen so zu inszenieren, dass das Altbekannte jeglichen Staub verliert und genau die Aspekte freilegt, die nach wie vor große Aktualität genießen. Musikalisch ist es zudem ein einzigartiger Genuss. Freddy Cole ist eine Ikone, die den Namen verdient.

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2 Gedanken zu „Eine Ikone, die den Namen verdient

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