Ein Gespenst geht um in Europa

Der Gedanke an ein einheitliches, wirtschaftlich prosperierendes und friedliches Europa war das Resultat aus zwei Katastrophen. Der I. Weltkrieg hatte dem Kontinent gezeigt, welche Verheerungen die Industrialisierung verursachen kann und der II. Weltkrieg, um wieviel schlimmer das noch sein kann, wenn eine rassistische Ideologie mit im Spiel ist. Diejenigen, die sich seitdem für Europa engagierten, das über die friedliche Koexistenz von unabhängigen Staaten hinaus ging, hatten zumeist ein neues Ideal im Auge. Die Diversität der auf dem Kontinent existierenden Nationen wies darauf hin, dass behutsam bei einem solchen Prozess vorgegangen werden muss, und das war den Pionieren bewusst.

Die Vereinheitlichung der Währung mit dem Euro beendete das politische Denken der Verantwortlichen und stellte sehr schnell das Primat der Ökonomie her. Dass zu diesem Zeitpunkt noch ein Geist herrschte, der auch staatlicherseits in die Weltfinanzkrise führte, machte die Sache nicht besser. Seitdem herrschen im Bündnis die Zahlenmenschen. Ihr Interesse richtet sich auf neu zu schaffende Märkte und Renditen. Dieser politische Schichtwechsel hat zur Dauerkrise der EU geführt. Das, was sich heute als EU präsentiert, hat keinen Charme und keine Anziehungskraft. Es wird zunehmend eine Tortur für die einen, eine Spielwiese für machttaktische Manöver für die anderen und eine Stück Fleisch für die Karnivoren, die dabei sind, zu filetieren was zu filetieren ist.

Trotz der täglichen Propaganda dringen nun auch Berichte nach Deutschland, wie es um Griechenland wirklich steht. Das Land, das von autorisierten wie nicht legitimierten Bürokraten als eines auf dem richtigen Weg bezeichnet wird, steht essenziell am Abgrund. Massenarbeitslosigkeit, Masseninsolvenz, Massenflucht der Talente und dramatische Selbstmordraten sind das Ergebnis der Politik von Schuldeintreibern für die spekulativen Banken. In Spanien und Portugal sieht es vom Trend ähnlich aus.

In der Ukraine tobt ein Krieg, für den die EU aufgrund einer Politik des Junktims mit verantwortlich zeichnet. Sie unterstützte eine nicht durch demokratische Wahlen legitimierte Fraktion der Opposition, um den Doppelbeschluss von EU- und NATO-Beitritt zu erreichen. Da war eine neue Qualität, vermengte es doch die Interessen Europas mit denen eines nordatlantischen Militärbündnisses. Und es machte deutlich, dass Europa, das friedliche, prosperierende Europa, ohne Russland gedacht wurde. Der gegenwärtige Konflikt zeigt, dass das ein Fehler war.

Die vielen Neuen in der EU, die aus dem einstigen Einflussgebiet der UdSSR kamen, waren zum Teil sehr früh bereit, den europäischen Gedanken mit militärstrategischen Überlegungen, die sich gegen Russland richteten, zu vermengen. Polen vorneweg. Dort, wo Judenwitze noch völlig normal sind und man mal eben vergisst, die Befreier zum 70. Jahrestag nach Auschwitz einzuladen, standen die ersten NATO-Raketen, die Richtung Russland zeigen. Belgrad, Ende der neunziger Jahre nach Bruch des Völkerrechts bombardiert, wird nun gedroht, sich gegen Russland wenden zu müssen, will man dort in die EU. Und Poroschenko, der Oligarch aus der Ukraine, droht gerade Griechenland, wer Hilfe wolle, müsse gegen Russland sein.

Leider ist es so, dass aus dem Schatten der EU ein Gespenst geworden ist, das nun durch Europa zieht und ziemliches Unheil anrichtet. Was, so stellt sich die berechtigte Frage, geschieht momentan eigentlich, um ein Europa zu realisieren, in dem die Nationen einem friedlichen, kulturellen und wirtschaftlichen Austausch nachgehen und positiv auf andere Regionen der Welt wirken? Leider nichts. Stattdessen werden ganze Völker geschröpft und Kriegsallianzen geschmiedet. Die jetzt Verantwortlichen haben den positiven Gedanken Europas an die Wand gefahren.

Advertisements

4 Gedanken zu „Ein Gespenst geht um in Europa

  1. gerhard

    Die Souveränität der einzelnen Staaten Europas und deren kulturelle Vielfalt (und letztendlich wichtige Elemente der Demokratie) wurde in Form der Währungsunion für eine kapitalistische, globalisierte Einheitswirtschaft geopfert. Das ist die grausame Realität und es bleibt die nächsten Wochen und Monate spannend, wo das noch hinführt…
    Viele Grüße,
    Gerhard

  2. guinness44

    Die Befreier kamen im Rahmen des Hitler-Stalin-Paktes auch etwas früher.

    Warum waren die Polen, Balten etc so froh die Befreier los zu werden und machen sich jetzt Sorgen, dass sie wieder kommen, um andere Befreier zu schützen?

    Man kann über die EU meckern was man will aber der Erfolg gibt ihr Recht. Man schaue sich doch an wie sich Länder wie Spanien, Portugal und auch Griechenland im Rahmen ihrer Mitgliedschaft entwickelt haben. Im Osten genauso. Profitiert haben davon Länder wie Deutschland und Frankreich, obwohl sie angeblich der Zahlmeister sind. Warum tritt denn keiner aus, wenn es so schlecht ist? Selbst die Briten reden nur und machen nichts.

  3. Herbert Muss

    Im übrigen stellt sich auch die Frage, ob es kulturelle Gründe gibt, weshalb in Deutschland der wirtschaftlichen Prosperität, die Suizidrate 3x Größer ist als in Griechenland (18,6 zu 5,9 pro 100.000 Einwohner, Männer,Zahlen vor der Krise), ein Land der Krise. Selbst wenn die Suizidrate in Griechenland, aufgrund der wirtschaftlichen Krise sich verdoppelt haben sollte auf 12, ist sie trotzdem niedriger als in Deutschland, das keine Krise durchlebt.

  4. Reactionär

    Der Gedanke, Europa zu einen, zieht sich durch die europäische Geschichte genauso, wie der Panhellenismus der Antike. Spätestens seit der Absetzung von Romulus Augustulus im Jahre 476 durch Odoaker war der ‚Reichsgedanke‘ eine wesentliche Triebkraft des europäischen Denkens überhaupt, welches ihren ersten Höhepunkt unter Karl dem Großen hatte und schließlich in der Gründung des HRRDN ihren vorläufigen Höhepunkt fand.

    Die EU ist nichts weiter als eine ‚modernisierte‘ Version uralten Strebens. Man braucht dazu keinen modernen Behuf.

    Im Übrigen hat der Peloponnesische Krieg, der über dreißig Jahre durch das antike Griechenland tobte, ganz ähnliche Gedanken unter den Griechen befördert, wie sie heuer durch Westeuropa grassieren. Die Resulte dieses Denkens führte auf direktem Weg zur gewaltsamen Einigung Griechenlands unter Philipp II. von Makedonien und dem anschließenden Raubzug seines Sohnes Alexander durch die damals bekannte Welt.

    Geschichte lässt sich nicht auf die letzten 100 Jahre reduzieren und ihre wirklichen Ergebnisse karikieren eigentlich immer das Wollen der Sterblichen. Das die EU Frieden in Europa zu garantieren vermag, ist eine Illusion, deren Bogen sich vom Kosovo Krieg bist zum Ukraine-Konflikt zieht. Wenn wir nicht aufpassen, sitzen wir schon morgen wieder in Bombenkellern

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.