Spannung im Maschinenraum

Noch ist die Saison nicht beendet. Dennoch lässt sich ein Resümee ziehen. Da ist die Meisterschaft von Bayern München, das sich mit seiner Politik wie nie zuvor zu einem Monopol generierte. Der sportliche Erfolg für diese Position ist nicht so, wie von den dortigen Protagonisten erwartet. Die Meisterschaft wurde unangefochten gewonnen, doch der universale Anspruch erlitt wieder einmal eine Niederlage. Mit dem Ausscheiden im DFB-Pokal gegen den Konkurrenten der letzten Jahre, Borussia Dortmund, erlitt man eine symbolisch bedenkliche Schlappe und vom CF Barcelona wurde man im Halbfinale der Champions League wie schon im Vorjahr von Real Madrid böse deklassiert. Nun, nach diesem Fazit, klingt es nahezu mimosenhaft, wenn Karl-Heinz Rummenigge mangelnden Respekt der Öffentlichkeit vor dem Meistertitel vorwirft. Wer alle Superlative für sich reklamiert, darf sich nicht wundern, dass sich Spott breit macht, wenn sie nicht erreicht werden.

Die befürchtete Langeweile in der Liga bezog sich allerdings nur auf den Titel. Der Kampf um die internationalen Plätze war dennoch spannend und das Abstiegsszenario entschädigte mit seiner Dynamik für die Tristesse an der Tabellenspitze. Dass letztendlich zumindest mit Paderborn und Freiburg eher gesetzte Kandidaten tatsachlich abstiegen, hat viele enttäuscht. Paderborn war ein Underdog, der sportlich nicht mithalten konnte, aber von der Haltung her faszinierte, Freiburg, seit Jahren Sympathieträger, wurde oft benachteiligt, wehrte sich grandios und zahlte zum Schluss doch dafür, dass es immer den Charakter eines Durchlauferhitzers für Talente hat, weil die finanziellen Mittel bescheiden bleiben. Der Verein verdient großen Respekt, weil er in der Lage ist, sehr gut mit dieser Identität zu leben und sich wieder aufrichten wird.
Ganz anders sieht es mit den großen Traditionsclubs Stuttgart und Hamburg aus. Stuttgart erhält mit dem Klassenerhalt die letzte Möglichkeit, sich noch einmal neu zu erfinden. Denn die Struktur, vor allem mit einem Honoratiorenvorstand, der eine Strategie für die Zukunft bis dato verhinderte, bedarf einer Reform. Vor einer ähnlichen Aufgabe steht der große HSV. Sollte er sich gegen den Karlsruher SC in der Relegation durchsetzen, muss eine radikale Veränderung ebenso her wie bei einem tatsächlichen Abstieg.

Borussia Dortmund hat den Schock der sportlichen Krise überwunden und es sieht so aus, dass ein weitsichtig denkender Vorstand das Schiff wieder auf Kurs bekommen wird. Anders hingegen bei dem Reviernachbarn Schalke 04, wo wieder einmal Köpfe rollen, weil das Ziel nicht erreicht wurde, aber das sich nicht anschickt, die Abhängigkeit von einem Fleischindustriellen, der wie auf einer Auktion im Kühlhaus herumschreit und den Patriarchen spielt. Das besticht dann doch die Besonnenheit, mit der man in Mönchengladbach mit richtigem Personal an langfristigen Konzepten arbeitet.

Wolfsburg, das analog zu Leverkusen mit Konzerngeld gestopft ist, hat in dieser Saison in vielerlei Hinsicht die Position Dortmunds eingenommen. Dass der FC Bayern nun erneut versucht, die Leistungsträger von Wolfsburg abzuwerben, entspricht der Jahrzehnte alten Strategie, erst einmal die Mitkonkurrenten zu schwächen. Der Ausgang ist relativ gewiss und insofern dürfen wir damit rechnen, dass es bei der Meisterschaft in der nächsten Saison wieder langweilig wird, es sei denn, in München selbst hätte man das strategische Gen in Bezug auf die Weiterentwicklung der eigenen Formation verloren. Vieles spricht dafür, dass auf der Brücke weiter über die Flaute geklagt wird, während die Spannung im Maschinenraum steigt. Warten wir es ab.

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6 Gedanken zu „Spannung im Maschinenraum

  1. ohneeinander

    Die Macher der Sportschau und vom Aktuellen Sportstudio haben eine übertriebene Dramatik in den Abstiegskampf gebracht. Na ja, wenn es schon von der Spitze der BuLi nichts spannendes zu berichten gibt 😉

  2. Bludgeon

    Pö.
    Soccer!
    What is he goody for?
    Absolutely nothing!
    Say it again!

    Fussball ist die Möhre für die Schwerenöter!
    Arbeitslose, Maurer, Staubsaugervertreter,
    lockt man damit sicher von der Barrikade,
    fesselt sie statt dessen an der Ballustrade.

    Das Bier, der Schal, Bengalos, Abenteuer!
    Zuhause dann gibts von der Alten Dauerfeuer!
    Die Hände fest verkrallt im Stacheldraht
    Trainertipps brüllt der Schwachmat!

    Soccer!
    What is he goody for?
    Absolutly nothing!
    say it again!

  3. gerhard

    Diesem Meistertitel verweigere ich jeglichen Respekt. was ist ein Titel wert, der ohne Konkurrenz eingefahren wird? International ist der Verbrecherverein dankenswerter Weise nach wie vor nur 2. Wahl, und das darf auch gerne weiter so bleiben.
    Viele Grüße,
    Gerhard

  4. mallorno

    Der Konkurrenz die Spitzenleute abkaufen, auf der Bank versauern lassen und dann große Töne spucken wenn man Meister wird. Wie sangen es die Tote Hosen so schön: Ich würde nie zum FC Bayern geheeeen.

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