Eine Tragödie der Phantasielosigkeit

Wenn aus Kritik kein positiver Lösungsweg entsteht, dann hat sie irgendwann ihren Charme eingebüßt. Die Kritik an der EU-Politik gegenüber den Ländern Portugal, Irland, Griechenland und Spanien, die von den Zynikern in Brüssel und aus den Banketagen mit einem Kürzel belegt wurden, das ihre eigene Dürftigkeit mehr dokumentiert als die Armut der benannten Länder, diese Politik ist ein sehr beredter Fundus über die Logik und Konsequenz der herrschenden Wirtschaftspolitik. Und, um nicht lange Spannung erzeugen zu wollen, es ist eine Politik der Kolonisierung. Länder mit ihren eigenen Identitäten und Ökonomien, die ihre eigenen ökonomischen Portfolios hatten, wurden globalen, hoch effektiven und komplexen Wirtschaftsunternehmen zum Fraß vorgeworfen. Das geschah weder durch einen Einmarsch noch durch Okkupation, sondern durch die Einführung einer Währung, den Konsequenzen Abbau von Protektionismus und das Anfüttern durch Kredite. Das Ergebnis liegt in diesen Ländern vor. Griechenland hat den Staatsbankrott, Portugal ist das Armenhaus und der Hinterhof Europas, das es auch schon vorher war, Spanien verliert gerade seine Zukunft und in Irland, das sich nach Angaben der Euro-Spekulanten erholt hat, hat auf diesem Wege eine weitere Volksenteignung hinter sich.

Doch was könnten Strategien sein, die die Raubfischnummer a la Brüssel ersetzen könnten? Die Frage ist nicht so leicht zu beantworten, aber einen Versuch ist es wert. Und da ist es vonnöten, die Illusion per se der finanzkapitalistischen Götterdämmerung zu beerdigen. Es gibt keinen schnellen Reichtum und auch keinen schnellen Wohlstand. Das, was aus dieser Hinsicht entsteht und Bestand haben soll, muss durch eigene Leistung erworben und in vielerlei Hinsicht unterstützt und gesichert werden. Für Länder, die zumeist eine agrarische Struktur haben, kleine Segmente von Industrieproduktion und ein unterschiedliches Ausmaß, aber volkswirtschaftlich eminent wichtigen Tourismus aufweisen, ist es elementar, sich zu fragen, wohin sie sich entwickeln wollen. Und die Fragen, die sich dem anschließen, sind eher einfach zu beantworten. Aus Griechenland einen Industriegeländen machen zu wollen ist ebenso verwegen wie die ewige Schimäre vom weltweiten Dienstleister Irland. Auch im digitalen Zeitalter hat virtueller Service seine Grenzen. Nicht nur besagte Länder, sondern auch alle in der Reihe stehenden Aspiranten sind gut beraten, wenn sie die Branchen und Segmente, die funktionieren, erhalten wollen und sich nichts in den Kopf setzen lassen, was unrealistisch ist.

Vieles spricht dafür, dass die vielen Länder der EU besser damit führen, wenn ihre Ökonomien, deren Zielsetzungen allerdings nie identifiziert wurden, geschützt würden vor dem großen Zugriff der Giganten vor allem aus Deutschland und Frankreich. Stattdessen ist deren Liquidierung die Vorbedingung überhaupt, um mit der EU ins Geschäft zu kommen. Noch bevor der Euro als Währung Einzug erhält, sind die nationalen Dienstleister und Produzenten weg vom Fenster und je schneller, desto mehr wird in Brüssel das Erreichen von Kriterien gelobt.

Europäische, solidarische Politik bedeutet Sicherheit, nicht Expansion, bedeuten Freiheiten und Rechtszustände, die für alle gelten, nicht Toleranz gegenüber Intoleranz. Europäische, solidarische Wirtschaft bedeutet die Förderung der jeweiligen nationalen Besonderheiten und Potenziale, nicht die Liquidierung all dessen und die Etablierung einer Monoökonomie, die alles dominiert, in Abhängigkeit versetzt und in der Tragödie der Phantasielosigkeit endet. Von alledem spricht das offizielle Brüsseler Europa nicht. Und genau das dokumentiert, dass das offizielle Brüssel nicht Europa ist.

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8 Gedanken zu „Eine Tragödie der Phantasielosigkeit

  1. thomrosenhagen

    Du beschreibst zutreffend die Auswirkungen der Etablierung einer „Monokultur“ – wobei der Begriff selbst ein Eklatanter Widerspruch in sich selbst ist. „Einheitsbrei“ wäre vielleicht passender aber verharmlosend… „Uniform“? Und das setzt auch keine Phantasie voraus…

  2. almabu

    Brüssel, seine EU-Politiker und Lobbyisten, ist eine reine Wirtschaftsnummer! Die Bürger Europas, deren Bedürfnisse und Anliegen werden dort nicht repräsentiert, bzw. sind unterrepräsentiert. Sie stehen derzeit einfach nicht auf der Agenda, standen es vielleicht nie?

    Was MAN (nicht die Maschinenfabrik Augsburg Nürnberg!) tun müsste, wäre es in Deutschland die SPD, die Linke und die Gewerkschaften politischer, kämpferischer zu machen und einander näher zu bringen, was derzeit kaum in kleinsten Dosierungen erkennbar ist! Auf europäischer und globaler Ebene müsste man eine Art Wirtschaftsethik einführen, die sich religionsübergreifend begreift und die global akzeptiert werden müsste. Die sogenannte „freie, unkontrollierte Wirtschaft“ ist zu beenden, Punkt!

    Länder waren historisch entweder überwiegend autarke Selbstversorger, oder sie hatten wertvolle Rohstoffe oder andere Handelswaren, die es wert waren, teils über weite und gefährliche Entfernungen transportiert zu werden oder sie lagen an geographisch interessanten Schlüsselpositionen und Verkehrswegen. Handel, Export & Import sind zumindest seit der Steinzeit dokumentiert, ihre Ursprünge liegen im Dunkel der Geschichte. Diese „wirtschaftliche Kommunikation“ erfüllte auch eine wichtige Funktion in Bezug auf Wissen, Geographie und Geopolitik. Leider war dieses Wissen um Armut, Reichtum und deren ungleichmäßigen Verteilung auch stets eine Ursache von Konflikten, Kriegen und eine der Basen von Steuer- und Mauterhebungen 😉

  3. Reactionär

    Reichtum und Armut bilden eine dialektische Antinomie, deren Bedeutung allein am angelegten Maßstab hängt. In einer Welt, in der jener Widerspruch ausschließlich an monetärer Gleichheit gemessen wird, ist das oben angerissene Problem nicht zu lösen.

    Der Sozialismus, so ein Bonmot aus vergangener Epoche, mache alle arm. Der Kapitalismus in diesem Sinne offensichtlich auch. Von einer schwindsüchtigen Minderheit Superreicher einmal abgesehen.

  4. guinness44

    Warum wollen dann so viele Länder in die EU? Siehe Serbien, etc.

    Warum geht es den Ländern, die in die EU gekommen sind so viel besser als vorher? Man schaue sich an wie Spanien, Portugal, Griechenland, etc von der EU profitiert haben. Man schaue sich an wie auch die „großen“ Länder profitiert haben.

    Es gibt soviel über die EU zu meckern. Jeder kann hier etwas beitragen. Aber die EU ist ein sehr großer Erfolg.

    Noch zum Thema „mit Krediten abgefüttert“: vorweg, ich glaube nicht an diese These, aber selbst wenn sie stimmen sollte, dann hätten doch die entsprechenden Regierungen das Geld zu Investitionsprogrammen, etc nutzen können. Im Laufe der Zeit gab es doch immer wieder PASOK, Sozialdemokraten, etc Regierungen in Griechenland, Spanien, etc. Die hätten doch mit sozialer Politik die Überlegenheit zeigen können und die Kapitalisten aus Berlin hätten noch dafür gezahlt. Stattdessen wurde es der eigenen Klientel in den Allerwertesten gepustet, so wie in Deutschland die Klientel von CSU, CDU, FDP, SPD und Grüne es ihrer Klientel in den Hintern gepustet haben.

  5. almabu

    WER nimmt da eigentlich WEN auf den Arm?
    Schäuble macht Deutschland größer! Zugegeben, es mag nicht die Absicht des badischen „Cleverle“ gewesen sein, aber er könnte zum ersten deutschen Politiker seit dem Österreicher werden, der Deutschland vergrößert und das auch noch in Übersee! Wenn da nicht uralte Großmachtsträume wahr werden?

    Wolfgang Schäuble hatte am letzten Donnerstag den USA angeboten den Pleitier der EU Griechenland gegen den Pleitier der USA Puerto Rico zu tauschen.

    Die Antwort kam prompt:
    Das Weisse Haus erhielt am Freitag auf einer Website einen Antrag an den US-Kongress Puerto Rico (den reichen Hafen!) endlich an Deutschland abzugeben, wegen dessen reichen, teutonischen Erbes! Der Antrag benötigt 100.000 Unterschriften um als offizielle Petition bearbeitet werden zu MÜSSEN. Die ersten hundert stehen schon unter dem Dokument. Es gibt eine Facebook-Seite „Vereinigung Puerto Rico – Deutschland“, die unter anderem darauf hinweist, dass es direkte Lufthansa-Flüge zwischen Frankfurt und San Juan gäbe und dass Mercedes und BMW die bevorzugten Automarken in Puerto Rico seien.

  6. monologe

    Das kannte man früher als „Am deutschen Wesen soll die Welt genesen.“
    guinness44 – der „Reichtum“ kommt vom Geld, aber es erweist sich, dass mans nicht essen kann, sondern zurückzahlen muss. Das soll man sich dann vom Munde absparen bzw. finden Versteigerungen statt= „Privatisierungen“ , die ja wohl das Einlösen von Geldschulden mit reellen Werten bedeuten, sind also eine sonderliche Art der Geldwäsche. Die Kopngresse der Weißwäscher finden als „Gipfel“ statt, und es sind die Gipfel. Kurioser Weise verlangen die Vollstrecker, sozusagen und um im Bild zu bleiben, von einer Wäscherei, sie solle ihre Waschmaschinen zu Geld (nein, nicht sich, sondern den „Gläubigern“) zu Geld machen. Man kann durchaus irgendwie ideell intuitiv auf „Chicago“ kommen – wenn man noch wissen will, oder weiß, was die Sonn schon gesehen hat.

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