Genug der Worte!

Krisen sind Chancen. Krisen sind keine Katastrophe. Dazu kommen sie zu häufig vor. Etwas, das häufig vorkommt zu einer Besonderheit zu erklären, macht aus dem Dasein einen Sonderzustand. Das ist absurd und es ist nicht klug. Der Zustand allgemeiner Zufriedenheit ist kein allgemeiner Zustand, der von Krisen unterbrochen wird. Bei Betrachtung dessen, was den Individuen wie der Gesellschaft widerfährt, ist der Zustand allgemeiner Zufriedenheit eher eine der selteneren Ausnahmen und Krisen das Normale. Dass der Wunsch ein anderer ist, kann als menschliches Bedürfnis angesehen werden. Das Bedürfnis ist verständlich, denn wer strebte nicht nach Freiheit von Not und Glück. Insofern sind all jene, die sich immer so sehr von den Slogans der Krisenpropaganda verführen lassen, Menschen, die ein verständliches Streben vereint.

Die Wahrnehmung derer, die die Politik der Krisenpropaganda im destruktiven Sinne betreiben, setzt bei dem Wunsch nach allgemeiner Sorgenlosigkeit an. Das ist klug, aber in Situationen großer gesellschaftlicher Anspannung unverantwortlich. Die gestörte Emotion reagiert und arbeitet anders als der herausgeforderte Verstand. Störungen der Harmonie, auch wenn sie nur unterstellt werden, führen zu einer disharmonischen Reaktion. Die Beschreibungen möglicher Lösungen und besserer Zustände aus der Lage, wie sie heute ist, verlangt ein hohes Maß an Anstrengung und Inspiration. Pläne, wie man es anders machen könnte, haben etwas Humaneres als brennende Kinderbetten. So sieht es aus.

Das Phänomen der gestörten Harmonie ist nicht zu unterschätzen, auch wenn es sich um eine illusionäre Wahrnehmung handelt. Tatsächliche Strapazen, die die gewohnten Grenzen jeden Tag überschreiten, können nur diejenigen abtun, die selbst nicht in der Lage sind. Um dieser Krise, ja, es ist eine ausgewachsene Krise, produktiv und vernünftig begegnen zu können, bedarf es nicht nur eines semantischen Modells. Es ist erforderlich, es ist notwendig, aber es reicht nicht aus. Um aus der Krise eine Lösungsgeschichte machen zu können, bedarf es einer guten Lebensführung. Die Maximen dieser Lebensführung sind alt, aber kommen selten zur Anwendung: Gehe mit gutem Beispiel voran, gewähre Freiheiten und fordere Verantwortung, verlange von andren nicht Dinge, die du selbst nicht akzeptieren könntest. Wer das nicht gewillt ist zu leben, der sollte sich nicht am Design der Lösung verschwenden. Hic Rhodus, hic salta! Es ist wie bei dem Athleten, der überall prahlte, was er in Rhodus einst geleistet hatte. Bis man ihm immer wieder zurief, hier ist Rhodus, hier musst du springen! Für alle, die ein besseres Leben erreichen wollen, gilt dieser Satz. Rhodus ist überall.

Und diejenigen, die so tun, als sei ein Zwischenzustand der wahre Dauerzustand, sie brauchen keinen Rat, denn sie gleichen dem Inferno Dantes. Wer sie erblickt, der lässt alle Hoffnung fahren. Denn wer sonst außer dem leibhaftigen Teufel könnte fordern, zugunsten des Friedens und des Glückes das Unglück und Leiden der anderen zu fordern. Das ist die Logik von Inquisitoren, die alle eines gemein haben, egal für welchen Glauben und welche Ideologie sie zu Felde ziehen: Sie glauben selbst nicht an Gott und sind selbst die besten Freunde des Teufels.

Doch genug der sphärischen Figuren. Das Hier und Jetzt fordert Taten. An ihnen werden wir alle gemessen werden. Und an ihnen werden wir sehen, ob wir es Wert waren, uns selbst in so günstigem Lichte zusehen. Das Wort geht der Tat voraus. Jetzt ist Tat-Zeit! Ohne Wenn und Aber!

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5 Gedanken zu „Genug der Worte!

  1. Nitya

    Lieber Gerd,

    wenn das Haus brennt und alle Versuche, den Brand zu löschen, fehlgeschlagen sind, werde ich unmittelbar handeln. Ich werde auf die Straße laufen. Wenn ich auf der Straße ein Kind in dem brennenden Haus schreien höre, werde ich handeln, falls dies noch möglich sein sollte, und das Kind aus dem Haus holen. Ich habe mein Leben lang gehandelt, wenn mir klar war, was zu tun war.

    Du schreibst: „Jetzt ist Tat-Zeit! Ohne Wenn und Aber!“ Verzeih, aber ich habe nicht die geringste Ahnung, was jetzt zu tun ist. Sag’s mir! Und ich werde darüber nachdenken, ob es für mich stimmig ist. Oder meinst du mit deinem „Jetzt ist Tat-Zeit!“ gar nicht Leute wie mich, sondern „diie da oben“?

    Herzlichst
    Wilhelm

  2. hmkull

    „TAT-Zeit“ ohne Wenn und Aber kann auch Aufklärung über einen Zustand bedeuten, der vielen so – oder noch nicht so bekannt ist. Ich finde Gerd/Gerhard ist in der Sache ein „TAT-Zeit“ Täter, arbeitet intensiv, betreibt „politische Aufklärung“ ohne Wenn und Aber. Die Welt findet überwiegend zuerst im Kopf statt. Handlungen, die Hand, wird überwiegend vom Kopf aus gesteuert. Bei vielen Mitbürgern und Politikern ist derzeit Herz und Hand fehlgesteuert. Es bedarf der Aufklärung WARUM, WIESO, WESHALB die politische Lage in unserem Land , nun überall sichtbar, aus dem Ruder läuft. Diese Fragen müssen von der Politik zuerst schonungslos analysiert, beantwortet werden. Erst dann wird eine Änderung mit Lösungsmöglichkeit möglich. Wie in jeder Krise – kann man das schaffen- oder auch nicht.

  3. kaetheknobloch

    Rausgehen, die Stimme erheben. Den Geldbeutel öffnen, wenn es denn möglich ist. Eine Portion Abendessen mehr zubereiten und abgeben, wenn man jemanden wissend darben sieht. Keinen Billigimport kaufen, Wert auf Nachaltigkeit legen. Laut werden bei dämlichen Stammtischparolen und keinesfalls Plattitüden weitertragen. Die eigene Denkapparatur einschalten und wenn nötig, dann verdammt nochmal endlich mal wieder streiten! Jeder kleine Schritt wird der erste sein und wenn viele ihn tun und zwar jetzt, dann können wir uns daran erst wirklich messen lassen. Und zwar Schritt für Schritt.
    Danke für wie stets treffliche Worte, lieber Herr Mersmann, Sie Ausdemherzensprecher!
    Herzlichst, Ihre Frau Knobloch, streitbereit.

  4. monologe

    Jetzt scheinen die feldgrauen Zellen mit Sträußchen in den Gewehrläufen aus der Stadt zu marschieren unter Jubel und Geschrei, Geklimper, Phrase und Spektakel. Schon naht, nach dem Ausschmiern des Fettgedruckten, die Winterhilfe. Die Aufgabe ist groß für die Guten, die mit Recht den Nächsten nicht mehr geliebt haben konnten. Da kommen sie aus der Ferne! Suppenküchen! Da der Feind?! Die Furcht vor dem Bedenken treibt uns, die feindliche Phobie vor dem globalen Erweis. Derdiedas Bedenkliche erweicht die Grundfesten noch nicht!, die Idiome werden zur Anwendung gebracht, Klassiker!, in die Ecke, Besen!, der Attentäter erscheint zur rechten Stunde, kann nur ein Wahnsinniger doch sein – was?! Wage nicht den Zweifel, Gott lenkt. Und wieder gleich Zersetzung. Wir können noch Abscheu empfinden – Nein, allzu tief können wir nicht mehr sinken, nicht so tief, wie Denker und Dichter schon gesunken sind.

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