Sage mir, mit wem du dich umgibst

…und ich sage dir, wer du bist. So falsch gelegen haben die, die diese Weisheit manchmal auch bis zur Schmerzgrenze angewendet haben, dennoch nicht. Vom Freundeskreis über Geschäftspartnerschaften bis hin zu politischen Allianzen können soziologische wie psychologische Rückschlüsse gezogen werden, die einen hohen Erkenntniswert haben. Soziologisch spielen zumeist entweder analoge Sozialisations- oder Lebensmilieus oder sich als solche ergänzende Muster eine Rolle für das Zusammengehen. Bei der Psychologie sind es mehrheitlich die Motive von Zuneigung oder gemeinsamer Ablehnung. Oder es sind, jenseits sozilogischer oder psychologischer Deutungshoheit, ganz schlicht und kalt kalkulierte gemeinsame Interessen.

Übertragen in die internationale Politik können diese Erkenntnisse schon ungemütlich werden. Die Ereignisse der letzten Tage machen deutlich, dass bestimmte Allianzen lebensgefährlich sein können. Es ist abzuwägen, inwieweit die Allianz und das mit ihr einhergehende Risiko fundamentaler Verwerfungen bis hin zum Krieg es wert ist, weiter gepflegt zu werden.

Im Falle der Unterbrechung der Stromversorgung auf der Krim und dem gleichzeitigen Lieferstopp von Lebensmitteln dorthin hat sich ein Regime wieder in das Gedächtnis gedrängt, das seinerseits gekennzeichnet ist durch suspekte soziale Milieus, Korruption und Schuldknechtschaft. Nämlich relativ unbemerkt von einer in diesem Fall nicht informierten Öffentlichkeit hat nach dem inquisitorischen Theater um Griechenland die Ukraine, von der hier die Rede ist, einen 40 Milliarden Euro Kredit von IWF und EU bekommen. Selbstverständlich mit der wirtschaftsliberalistischen Rezeptur und der Aufforderung zu politisch angepasstem Verhalten. Ob die Aktion gegen russisch besetzte Krim aus einer solchen Abmachung resultiert, ist schwer zu beantworten. Sie korrelliert zumindest nicht mit den militärischen Möglichkeiten der Ukraine und wäre reiner Selbstmord, spielte man nicht den agent provocateur im Auftrag neuer Herren.

Das andere Beispiel ist die Türkei, in der der gerade im zweiten Anlauf, nach massiver Einschüchterung der Wählerinnen und Wähler, im Amt bestätigte türkische Ministerpräsidenten, der sich wieder einmal als Onkel Osman aufspielt und meint, es sei an der Zeit, ein russisches Militärflugzeug vom Himmel zu holen. Das ist ganz dicke Hose, die der ehemalige Kringelverkäufer nur machen kann, weil er sich in einem Bündnis namens NATO wähnt, das ihm gegen die bösen Russen zur Seite steht. Hingegen das Verdachtsregister gegen den neuen Herrscher vom Bosporus ist lang, es reicht von terroristischen Anschlägen gegen Oppositionelle im eigenen Land bis hin zur Unterstützung militanter Islamisten und auch der Abschuss eines anderen Flugzeuges, das 17 Sekunden im türkischen Luftraum präsent gewesen sein soll, dokumentiert eine Pistolero-Mentalität. Zudem glaubt der Herr, mit den 2 Millionen syrischen Flüchtlingen im eigenen Land genügend Geiseln zu besitzen, um mit einem in sich zerstrittenen und ängstlichen Zentral- und Westeuropa zu den eigenen Gunsten schachern zu können.

Es lohnt sich, die eingangs gestellte Fragestellung weiter durch zu deklinieren. Da tauchen noch andere Bündnispartner auf, die es in sich haben, zum Beispiel Saudi-Arabien, das alle Schurkenstaaten zu toppen in der Lage ist. Angesichts der wachsenden Gefahr, in kriegerische Handlungen mit Russland zu geraten, ist es jedoch zunächst ein wichtiges Anliegen, im Anblick dieser Option die Frage zu stellen, ob das Festhalten an einer komplett entstaatlichten Ukraine, die in der Hand von kriminellen Oligarchen ist, die Konfrontation zu suchen. Und die Antwort kann nur positiv beantworten, wer andere Interessen verfolgt oder den Verstand verloren hat. Das Gleiche gilt für Erdogan, dessen imperialer Größenwahn mit nichts an europäischem Eigeninteresse aufzuwiegen ist.

Fragte man die, die eingangs zitiert wurden, was den Umgang betrifft, so hätten sie drastisch geantwortet. Da wäre sicherlich die Rede vom Umgang mit Gesocks gewesen, ein Ausdruck, der heute kaum noch gebraucht wird, der aber das Wesen dieser Freunde ganz gut beschreibt.

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4 Gedanken zu „Sage mir, mit wem du dich umgibst

  1. oberham

    Die Episoden gleichen einander, es scheint, als wolle „man“ das „Endspiel“ anlaufen lassen.
    Dazu passt ein völlig enthemmt sich aufblasender „Kapitalballon“, für die treibenden Kräfte spielt Geld keine Rolle, sie schöpfen es aus dem Nichts, bezahlen damit ihre lebendigen Zinnsoldaten, die sie wohl alsbald so richtig aufeinander jagen.
    Man kann nun nur hoffen, dass die Oligarchen in Russland nicht vor haben, zu „emigrieren“ und sich gemeinsam mit den Plutokraten die noch belebbaren Fleckchen auf der Erde aufteilen.

    Wobei gut möglich, dass genau dies gerade geschieht. Sind die Örtlichkeiten zugewiesen, liegen die Megayachten in den „Schutzzonen“, darf man wohl mit dem Knöpfedrücken beginnen.

    Die Massen gaffen gebannt auf die Bildschirme, gaffen gebannt in die Gazetten, zu jaulen, wird ihnen keine Zeit bleiben.

    Es ist sonderbar, der apokalyptischen Szenarien sind wahrlich genügend vorgezeichnet, der vernunftbewährten Alternativen wahrlich genügend vorgedacht, doch die Menge rennt zielstrebig in ihr Verderben, ohne Hemmung, ohne Zögern nur ein leises Maulen hie und da.

    Paris wird zur Farce, die Interessen der Umwelt, gegen jene des Profits zu wahren, betreffend.
    Die Eskalation in Nahost, im Chinesischen Meer, in Osteuropa wird zur Farce, die Interessen der Menschen, gegen jene von einiger größenwahnsinniger Psychopathen zu verteidigen, betreffend.

    Doch es sind willige Helfershelfer, die jeweils den Wahnsinn exekutieren – es ist die große Mehrheit der Menschen, die sich willig in den Dienst des Irrsinns stellt!

    Von welcher Seite man es auch betrachtet, man sieht immer das System, das System, welches der Menschen bedarf, der Menschen, die sich unterwürfig zu gruselig, lächerlichen Idioten formen lassen!

    Gibt es etwas Dümmeres, als mit Atomwaffen aufeinander zu zielen?

    In der Tat, noch dümmer ist es, sie zu benutzen.

    Wird der Gipfel der Dummheit, dieser Veranstaltung, die sich Menschheit nennt, letztlich dem irrsinnigen Gewimmel ein Ende bereiten, bevor die Natur es auf andere Art auslöst (wobei wir ja alles tun, um diese andere Art als mögliche Alternative – sozusagen als Reserveirrsinn – ablaufen zu lassen.)

    Dabei könnte es so einfach sein! Es müsste schlicht jeder Mensch mit Verstand aufhören dem System zu dienen, seinen Verstand zum überleben nutzen und hoffen, die soziale Intelligenz unserer Art möge uns zusammenführen, uns als autonome, doch solidarische, als kreative und individuelle, doch auch interagierende, sich helfende, stützende Wesen zu gerieren.

    Das geht nicht von ad hoc, vor allem, jene die es tatsächlich versuchen, werden sich in der sozialen Diaspora wiederfinden, einzig – was bevorzugt Ihr?
    Einsam euer Leben zu meistern, in der Hoffnung die Artgenossen mögen sich besinnen, im Bewusstsein selbst zumindest nicht mitzuwirken im Wahn, oder brav, gemeinsam mit den anderen, die Gedanken zu betäuben und wie in Trance dem Wahn zu folgen?

    Den eines kann mir keiner weismachen, nämlich er glaube, wir lebten im bestmöglichen aller möglichen Systeme.
    Im Gegenteil, wir praktizieren das maximal dumme System so hart am Wind, dass das Schiff jeden Augenblick zu kentern droht.

  2. hildegardlewi

    Sehr treffend. Wie in all den vergangenen Jahren – was nützt uns die Erkenntnis, wenn die, die es vorrangig anginge, die Klappe auf und die Augen zu machen. Da hocken sie nun auf dem passiven Beobachtungsposten und warten drauf, was nun passiert.
    Ich habe kürzlich gelesen, daß aus dem geheimnusvollen Hintergrund mit dem Gedanken gespielt wird, der Menschheit, zumindest der, die noch etwas nützen soll, mit einem Chip zu versehen, damit man sie besser steuern kann. Ob man das schon mal bei Personen an exponierter Stelle ausprobiert? So etwa: na, wollemer mal sehe, ob’s klappt? Also, ich würde denken: ja, bei einigen hat es geklappt. Hirn liegt brach!

  3. monologe

    Da sind auch alte Rechnungen dabei. Die Türkei hat Anfang des vorigen Jahrh. einen Krieg gegen Russland geführt, ihn verloren. Die Schuld hatten die verräterischen Armenier zu tragen…

    1. oberham

      … dabei sollte man nie vergessen, wie duldsam doch ein türkischer Soldat von seinen Hordenführern in den Tod geleitet wird.

      Ist es nicht seltsam, gegenüber den Offizieren sind die Soldaten brav wie Lämmer, gegenüber jenen, die sie massakrieren dürfen, sind sie meist unerbittlich.

      Ganz selten in der Geschichte wurden Offiziere von den „Untergebenen“ dem Ende zugeführt, welches ihnen zustünde, immer zustünde!

      Wie oft mussten tausende gewöhnlicher Soldaten wohl sterben, einzig da ein General sich nicht genügend gewürdigt sah?
      Ist der Krieg erst losgebrochen, kommt der blanke Wahnsinn noch besser zum Vorschein, als in „Friedenszeiten“.
      In der Tat, Offiziere haben etwas sehr beunruhigendes in ihrem Wesen….. nur letztlich unterscheidet einen Industriekonzern, oder ein Bank, nichts von einer Division – die Hierarchie,
      der Kadavergehorsam, das destruktive Ziel der Aktion.

      Somit umgibt sich jeder, der in unserer Ökonomie aktiv mitwirkt, ganz nonchalant in den Krieg!
      Den Krieg gegen die Menschen, zu Gunsten des Profits der Generäle.

      Letztlich sind die Millionen auf den Konten, nichts weiter als Orden der Eitelkeit und eine Beförderung bleibt eine Beförderung – sie zeigt wie angepasst und willig man agiert.

      Die vielen „Einzelkämpfer“ an der Basis, das ganze Konstrukt, es ist doch so simpel und durchschaubar, dennoch folgen ihm fast alle Menschen bis in den Tod.

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