Die Polizei, die Zeitung und die Lehrer

Es gleicht einer Wahnvorstellung, zu glauben, dass sich bestimmte Werte in turbulenten Zeiten halten lassen. Denn wenn die Veränderungen mit Rasanz eintreten, dann herrschen Zustände, die nicht immer so von vorne herein berechenbar waren. Selbst der von vielen politischen Systemen immer so gerne zitierte Clausewitz maß dem nicht Berechenbaren eine große Bedeutung zu. In seinen Schriften sprach er von Friktionen, die den Verlauf einer Schlacht oder gleich den Lauf der Geschichte bestimmen könnten. Das konnten kleine Verspätungen bei der Logistik sein oder ein Wetterumschwung, eine über Nacht grassierende Grippe oder der Tod eines Einzelnen, der vielen etwas bedeutet hatte.

Bevor Staaten und Gesellschaften auf politische Ereignisse reagieren, denn das tun sie zumeist, wenn sie nicht total von sich überzeugt sind und glauben, die Welt bekehren zu müssen, dann müssen sie wissen, was die multiplen Interaktionspartner auf der Welt gerade treiben. Es versteht sich von selbst, dass die Information im Kommunikationszeitalter eines der zentralen Kraftzentren darstellt. Umso folgerichtiger ist es, dass die Vertreter der verschiedenen Interessen darum ringen, Einfluß auf das Konstrukt der Information wie deren Distribution zu bekommen. Das geht zum einen durch Kapitalbeteiligung bei Medienkonzernen selbst oder durch die Annektion bestehender staatlicher Monopole. Bestimmten Gruppen ist das bei den öffentlich rechtlichen Rundfunk- und Fernsehanstalten gelungen. Sie haben in nur einer Dekade alles abgestreift, wofür sie ihr unangefochtenes Monopol einmal erhalten hatten und sind zu Anstalten geworden, die Feindbilder schaffen, einseitig Partei ergreifen und jede Form einer ethischen Attitüde durch die Anwendung doppelter Standards desavouieren.

In der alten Revolutionstheorie Lateinamerikas kursierte immer der Satz, dass drei Gruppen notwendig seien, um einen positiven Regimewechsel – es geht um einen Zeitraum, in dem der Kontinent überzogen war von pro-amerikanischen Diktaturen – vollziehen zu können: Die Zeitung, die Polizei und die Lehrer. Auch wenn das aus heutiger Sicht sehr vereinfachend klingt, es besticht durch seine Plausibilität. Wer die Ordnungsmacht für sich gewonnen, in der Lage ist, die Informationen selbst zu produzieren und zu verteilen und wer der Jugend Inhalte vermittelt, die diese teilen, der hat die Grundfesten der Gesellschaft erobert. Natürlich gehören zur endgültigen Übernahme der Macht noch Infrastruktur, Energie und andere Ressourcen, aber das Theorem bezog sich auch auf die Vorbereitung eines Regimewechsels.

Eine Anwendung des Theorems auf die Entwicklung der Bundesrepublik ist aufschlussreich. Die Medien, d.h. sowohl die öffentlich-rechtlichen Anstalten als auch die großen Tageszeitungen und ihre Online-Versionen sind längst in der Hand derer, die einen Regimewechsel anstreben. Aus den Reihen der Polizei ist vor allem die Stimme des Vorsitzenden der Polizeigewerkschaft zu hören, in dessen Kopf der Regimewechsel bereits stattgefunden hat und die Untätigkeit der Polizei bei den täglichen Brandattacken auf Flüchtlinge und deren Unterkünfte lässt darauf schließen, dass dieser an der Basis gerade vollzogen wird. Lediglich die Schulen fehlen noch. Sie leuchten nicht durch Exzellenz, aber sie stinken auch noch nicht nach Ideologie. Vieles spricht dafür, dass der nächste zentrale Angriff einer ist, der die Schulen trifft.

Es ist also durchaus eine Systematik zur Vorbereitung eines Regimewechsels zu erkennen. Und natürlich wird es wieder einige geben, die das alles ins Reich der Spekulation verweisen. Nur sprechen die Fakten dagegen und es wird Zeit, sich nicht darüber auseinanderzusetzen, was nun zu glauben ist und was nicht, sondern sich darüber Gedanken zu machen, wie die bereits verlorenen Bastionen zurück erobert werden können.

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6 Gedanken zu „Die Polizei, die Zeitung und die Lehrer

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  2. Sabine Heinrich

    Ich habe diesen Artikel auf der Seite: Die Sendung mit der Maus verlinkt. http://www.wdrmaus.de/ Mal das Buch „Technik des Staatsstreiches“ lesen. Solange es Staatsstreiche gibt,gibt es auch Theorien darüber.Was hier jedoch vollständig übersehen wurde,sind die staatstragenden Medienvertreter (RotGrün), die von der Regierungskoalition links überholt werden.Frau Merkel bestellt sich ja nicht umsonst die Chefredakteure 1x pro Monat ins Bundeskanzleramt.

  3. Bludgeon

    Nö, diesmal seh ich das komplett anders:

    Das bestehende System soll nicht beseitigt, sondern optimiert werden, allerdings mit untauglichen Mitteln. Optimiert im Sinne der Tegernsee-Schmarotzeria; die alten Widersprüche zwischen den Gehaltsgruppen, sollen dabei nach unten angeglichen werden, nicht durch offizielle Gehaltssenkung, sondern durch Hinhalten, Tarife einfrieren oder per Leiharbeit unterlaufen.

    Die Polizei ist kaputtgespart und runterrationalisiert worden. Der notorisch überalterte Personalbestand ist eben auch das: Alt. Eher nicht mehr in der Lage, sich dem tagtäglichen Kleinkrieg mit angry young men zu stellen. Also werden papierne Alibis gesucht, nicht ausrücken zu müssen. „Die Nachforschungen haben keine Verdachtsmomente ergeben.“ heißt es so immer häufiger. Nachforschungen – die nie stattgefunden haben. Wenn aber keine Verdachtsmomente da sind, ist der betreffende Fall auch aus der Statistik – somit scheint alles sauber.

    Die Lehrer? Die Ethik-Lehrbücher sind voller humanistischer gut gemeinter Lehrsätze. Und dann passiert Snowden. Tja. die einen stecken den Kopf in den Sand und schlagen Erklärungshaken – die anderen lassen den Fall offen – und sind somit den Youngsters auch keine Orientierungshilfe … die Orientierungslosen werden älter und spielen entweder den links-rechts-Krieg der Kinder, weil dieses einfache Schema noch verstanden werden kann; oder aber lernen am Studienort ihre Individualität zu genießen. Abseits von politischer Aktivität. Wodurch den Parteien der intelligente Nachwuchs ausgeht.

    Das nennt man Stagnation.
    „Ich glaube, wir im Osten sind von einer Stagnation in die andere geraten.“(Heiner Müller; NDR Talkshow in den 90ern)

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