Zwei Phänomene und ein Problem

Die Art und Weise, wie mit Neuartigem umgegangen wird, sagt sehr viel aus über den Zustand eines Gemeinwesens. Momentan liegen zwei unvorhergesehene, gesetzeswidrige und die Öffentlichkeit erregende Vorgehensweisen von zwei unterschiedlichen Interessengruppen vor, die das Gemeinwesen auf eine harte Probe stellen. Einerseits finden, nicht erst, aber seit den starken Immigrationsbewegungen des Jahres 2015, immer wieder gewaltsame Übergriffe auf Immigranten und Brandstiftungen statt, die die Unterkünfte von Immigranten betreffen. Bei den Delinquenten handelt es sich zumeist um so genannte alt eingesessene Deutsche, die aus unterschiedlichen Motivlagen den Terror suchen, um sich wie auch immer Luft zu machen.

Andererseits wurde in der Silvesternacht vor allem in Köln, Hamburg und Stuttgart eine andere Art von Terror ausprobiert. Es handelte sich um hordenmäßige Übergriffe vor allem auf Frauen, die ihrerseits bedroht, sexuell belästigt und bestohlen wurden. Im Gegensatz zu den Brandstiftungen hatten diese Übergriffe bisher keine Tradition. Sie wurden, so die Angaben von Augenzeugen und nach Polizeiberichten, von jungen Männern inszeniert und durchgeführt, die ihrerseits wahrscheinlich nordafrikanischen Ursprungs waren. Die Motivlagen dieser Delinquenten ist relativ basal zu erklären: wahrscheinlich geht es Ihnen um Materielles und sie leiden unter einem Hormonüberschuss.

Die Reaktionen auf die beiden Delikte sind, auch wenn es sich bei letzterem um etwas Neues handelt, bereits rituell eingeübt. Jeweils kocht bei jedem Fall auf einer Seite der Gesellschaft Empörung hoch. Aber nur auf einer Seite. Die einen fühlen sich bestätigt in ihrer These, dass das so genannte rechte Lager gewaltsam sei, die anderen haben schon immer gewusst, dass die Immigranten das eigentliche Problem seien. Auch in diesen Tagen, in denen die Empörung über die misshandelten Frauen überall hochkocht, ist eines zu beobachten: Kaum jemand kommt auf die Idee, dass beide Arten von Terror ein und dasselbe Problem beschreiben, nämlich dass der demokratisch definierte Staat nicht in der Lage ist bzw. bisher nicht in der Lage war, das zu tun, wofür er da ist. Die Staatsorgane versagen vor Delikten, die eine pazifizierte, zivile Gesellschaft nicht kannte und die sich langsam aber sicher zu einem Massenphänomen mausern.

Es ist dringlich, die Brandstiftungen gegen Flüchtlingsheime und die überfallartige Belästigung von Frauen im öffentlichen Raum als ein und dasselbe Problem zu sehen und die notwendigen Konsequenzen daraus zu ziehen. Der Staat und seine Organe müssen ihre Handlungsfähigkeit unter Beweis stellen und die jeweiligen Delinquenten erfassen und in den dafür vorgesehenen Rechtsverfahren zur Rechenschaft ziehen. Wenn Polizei und Staatsanwaltschaft dazu nicht in der Lage sind, dann wird es höchste Zeit, sie in einen Zustand zu bringen, in dem sie es können. Auch da hilft eine klare Analyse und kein sofortiges Eingehen auf irgendwelche Lobbyisten, wie das gerne gemacht wird in unseren Tagen.

Eine andere Frage ist die, wie die so genannte Zivilgesellschaft und die kommunale Öffentlichkeit damit umgeht. Leider ist zu beobachten, dass eine sehr große Verunsicherung zu einer Hysterie führt, die schädlich ist. Ohne konkrete Anhaltspunkte werden Veranstaltungen abgesagt oder unter absurde Sicherheitsroutinen gestellt und der Bevölkerung Hinweise gegeben, die skurriler nicht sein könnten. Dieses Vorgehen, gepaart mit einer Berichterstattung, die in den letzten Jahren an Qualität sehr verloren hat, führen derzeit nicht zu einer Reaktion, die angemessen wäre. Was diese Gesellschaft braucht, sind Organe, die funktionieren und arbeiten und eine Bevölkerung, die weiß, wofür sie steht.

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14 Gedanken zu „Zwei Phänomene und ein Problem

  1. aquasdemarco

    Wenn eine Schule 500 Schüler hat und plötzlich innerhalb eines Jahre s 200 mehr, muss ich für Raum und Fachpersonal sorgen, aber wenn es nich genug ausgebildetes Personal gibt und wenig Raum habe ich ein Problem.
    Um es zu lösen benötige ich Zeit.
    Ich finde es immer einfach zu sagen, da hat der und die versagt, eine wie ich finde sehr deutsche Handlungsweise, an der wir alle arbeiten sollten sie abzustellen und konstruktiver zu werden.
    Es gibt Dinge die können wir jetzt schon vorhersehen, es wird zu Ghettoisierungen kommen, darauf kann man sich vorbereiten, jetzt schon.

  2. alicegreschkow

    Finde ich sehr interessant, wie du die Dinge wertest, teile deine Ansicht in vielerlei Hinsicht.
    Was mich bei den Übergriffen in Köln stört – und allgemein bei der Beschuldigung des muslimischen Manns als Sexualverbrecher – ist, dass es sexuelle Übergriffe das ganze Jahr gibt und diese oft als Kavaliersdelikte bezeichnet werden. Gerade werden unterschiedliche Themen ganz stark vermischt – das eine ist nun einmal die sexuelle Gewalt gegen Frauen, die Zahl der Vergewaltigungen liegt im mittleren vierstelligen Bereich jedes Jahr in Deutschland, auch auf dem Oktoberfest wird pervers Gegrapscht und da muss man sich fragen, warum dies noch so ist.
    Dann kommt eben der andere Punkt – Kulturen integrieren. Dies schafft man allerdings bestimmt nicht wenn man von vornerein alle Menschen, die deutschen Boden betreten und aus dem arabischen Raum kommen per se als Sexualverbrecher darstellt.

  3. Bludgeon

    Mal so ganz ohne Schleimerei gesprochen: bei der nun losgebrochenen Köln-Hysterie ist das da oben der bisher beste Artikel zum Thema.
    Ja es stimmt. Es sind neue Herausforderungen da – konkret: Neue Aggressivität: Da kann der Staat nicht einfach nur mit Wattebällchen werfen. DIE VOLLE HÄRTE DES RECHTSSTAATES —ähem, warum tröstet mich das nicht? „Du-du, pu-pu, aber beim nächsten Mal, dann —??? Kommst du in den offenen Vollzug, du!“
    Warnungen gibt es genug, von Leuten, die die beiden Probleme aus der Praxis kennen(Buschkowsky, Heisig…) – aber wir werden weiter neue Ghettos bauen, weiter wegsehen und kurz vor Weihnachten schnell mal bißchen spenden und weiter so tun, als ob ein reichliches Drittel der Gesellschaft gar nicht existiert. Draußen in den Wohnsilos.

  4. gkazakou

    Alles gebongt, auch dass der Rechtsstaat her muss (klar!), aber dieselben Probleme sind es nicht, denn sie haben verschiedene Wurzeln. Bei den sexuellen Übergriffen kommt ein Problem in den Blick, dass bei der gesamten Einwanderungsdebatte unterbelichtet bleibt: Junge Männer brauchen junge Frauen. Woher nehmen? Eine Lösung, im selben kriminellen Rahmen profitabel angewendet wie die Schlepperbanden, ist das Trafficking, die Zwangsprostitution von jungen Ausländerinnen. Sie braucht man, damit die jungen Zuwanderer ihren „Hormonüberschuss“ loswerden können, ohne die einheimischen Frauen zu belästigen. Ich habe bisher nirgends über diesen Zusammenhang gelesen, und das ärgert mich gewaltig. Was ist schon das „in den Slip fassen“ und Taschen Klauen gegen die systematische Vergewaltigung und tagtägliche Ausbeutung tausender junger Mädchen, halber Kinder noch, die den Zuwanderern als billige Alternative zugerichtet werden? Wer schaut da hin? (Fahre mal, wenn du dich nicht in die entsprechenden Straßen traust, mit dem Nachtbus von Piräus quer durch die Stadt, da siehst du, wer wo einsteigt und wo aussteigt. Und die Frauen siehst du dann auch.) Grad ist eine „Bande“ hier in Athen „aufgeflogen“, weil zwei Frauen die Flucht schafften. Angeklagt werden, wenn sie angeklagt werden, grad mal zwei Männlein. Der ganze kriminelle Hintergrund bleibt unbeleuchtet, da allzu profitabel.

    1. Gerhard Mersmann Autor

      Vollkommen richtig! Es ist nicht nur eine Gender-, sondern auch eine Rassen- und Klassenfrage. Damit hat sich der Mainstream noch gar nicht auseinandergesetzt!

  5. vfalle

    … in den dafür vorgesehenen Rechtsverfahren zur Rechenschaft ziehen …
    Ist das in unserem Staat noch möglich? Bei großen Wirtschaftsdelikten aber auch kleineren Straftaten werden doch immer öfter Vergleiche angestrebt. Es muss halt schnell gehen. Gibt es noch Richter die sich wirklich Zeit dafür nehmen können die Schuldfragen eindeutig zu klären? Ich hoffe es, doch die Zweifel werden immer größer.

  6. kaetheknobloch

    Wie immer sehr sachlich und trefflich analysiert, lieber Herr Mersmann. Was durch den Blätterwald rauscht, es widert einen an. Wirhabenesjagewußt bis hin zu Verweisen auf Dasliegtdenenimblut kann man alles lesen. Aber es bleiben doch die Fragen, wem hilft diese Hetze und wie schwach ist der Staat, der so etwas zuläßt? Also Fragen, die Sie anmahnen. Danke dafür und herzliche Grüße, Ihre Frau Knobloch.

  7. Pingback: Zwei Phänomene und ein Problem | CHE

  8. dandarrigon

    Ihre Informationen hinsichtlich der Brandstiftungen sind falsch. Die überwiegende Zahl der Brände geht auf Asylsuchende selber zurück. Das ist mit seriösen Quellenangaben, die sich zumeist auf Pressemitteilungen der Polizei beziehen, belegbar. Das diese Tatsache in den Medien verzerrt dargestellt wird, muss man im Hinblick auf ihr jüngstes Versagen in Bezug auf die Silvesternacht, nicht explizit beweisen.

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