Ran an die russische Grenze!

Das ging schnell. US Präsident Obama bekam, weil er so nett gefragt hat, schon bei seinem Besuch in Hannover grünes Licht von der Kanzlerin. Und es wird darüber berichtet, als handele es sich um eine kaum erwähnbare Prolongierung der Nutzung von Glühbirnen. Und entsprechend wird es auch in den Nachrichten verarbeitet. Diese Art, die Bevölkerung für dumm zu verkaufen ist es, die die Radikalisierung zur Folge hat. Wer dabei meint, noch schlau zu sein, dem möge das gerne attestiert werden. Nur ist schlau leider nicht weise.

Worum geht es? Es geht um ein Gefühl! Ja, richtig gehört, und es geht nicht um das Gefühl, mit dem die Stadt Köln einst eine Marketingkampagne startete, welches den unerklärbaren Charme der Stadt beschreiben sollte, sondern es geht um das Gefühl einer Bedrohung. Namentlich aus Polen und aus den baltischen Staaten wird immer wieder formuliert, sich von Russland bedroht zu fühlen. Historisch ist das verständlich, allerdings gehen diese Erfahrungen zurück in das zaristische Russland und die Sowjetunion. Weder Polen noch die baltischen Staaten haben seit Gründung der russischen Föderation solche Erfahrungen gemacht. Sie begründen die Bedrohungsangst mit den jüngsten Ereignissen in der Ukraine. Und dann kommt wieder die Besetzung der Krim durch Russland. Ja, der Traum von NATO-Raketen auf der Krim, quasi im russischen Hausflur, der war sehr groß. Und wenn es so ist, wenn aus Träumen nichts wird, dann herrscht ein knurriger Kater.

Die Bundesregierung jedenfalls hat dem amerikanischen Ansinnen nachgegeben und sich bereit erklärt, aufgrund des subjektiven Bedrohungsgefühls erstmal 1000 Soldaten mit an die litauisch-russische Grenze zu schicken. Das ist, abgesehen davon, ob die Begründung dem Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland entspricht, was bezweifelt werden kann, eine völlig neue Qualität. Mit dieser Perspektive hätte es nie eine Wiedervereinigung gegeben und so verhalten sich unzuverlässige Akteure, mit denen Verhandlungen unsinnig sind. Im Grundgesetz wurde recht eindeutig formuliert, dass die Streitkräfte nur einen Zweck haben dürfen, und zwar den der Landesverteidigung. Ob sich dritte, territorial woanders befindliche Bündnispartner bedroht fühlen, hat damit nichts zu tun.

Und natürlich fällt die Fassade einer nonchalanten Aktion sehr schnell in sich zusammen, wenn bekannt wird, dass es mit dieser erweiterten Maßnahme, die der direkten Verlegung einer weiteren kompletten amerikanischen Panzerdivision direkt an die russische Grenze folgt, vornehmlich der Abschreckung diene. Es gilt also viel zu lernen in Bezug auf Deutschlands neue Rolle, die zum Teil von preisgekrönten Historikern als das beschreiten des normativen Wegs in den Westen beschrieben wird. Das ist ideologische Akrobatik in einem hoch aggressiven Kontext und stellt alles in den Schatten, was ansonsten als Richtungsstreit in der Politik bezeichnet werden kann.

Es war zu lernen, dass die deutsche Demokratie am Hindukusch mit verteidigt werden müsse. Dabei ging und geht es um den Zugriff auf strategische Rohstoffe, was als kleine Hauswahrheit selbst zum Scheitern eines Bundespräsidenten beitrug. Und es ist zu lernen, dass die EU sich direkt an die NATO gebunden hat, um Märkte im Osten zu erschließen und den militärischen Griff direkt an die russische Grenze zu legen. Wer da noch meint, es ginge um Philanthropie gegenüber den angstschlotternden ehemaligen Opfern zaristischer oder sowjetischer Expansionspolitik, der darf für sich ein sonniges Gemüt reklamieren, sollte sich aber aus politischen Analysen mit Brisanz konsequenterweise heraushalten.

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7 Gedanken zu „Ran an die russische Grenze!

  1. Sven Meier

    Moin. Ich sag‘ mal – oder besser, ich frag‘ mal: Ist es wichtiger die Wege der Rohstoffe zu sichern und für die Märkte auszubauen, oder die der Flüchtlinge?
    Mit dieser Fragestellung wünsche ich dir ein schönes Wochenende 😉

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  4. Bludgeon

    Stimmt. Alles.
    Der Schritt ist so pyramidal bescheuert. Man könnte im Strahl kotzen.
    Moscow its all I know Moscow…
    Adenauers Urenekel kann dann wieder hinfahren und die letzten Gefangenen heimholen.

  5. almabu

    Kriegt die BW „endlich“ eine neue Chance St. Petersburg, aka Leningrad, zu erobern? Nein, die BW muss da nicht mitmachen! Wenn Merkel einen richtigen, „einen Charakter-Arsch in der Hose hätte“, dann hätte sie sich diesem Ansinnen des POTUS verweigert. Die Osteuropäer, die jetzt so laut schreien und sich von den Russen bedroht fühlen, tun dies nicht aus fundierter Überzeugung, sondern aus Bedeutungsgeilheit und Geldgier, das Beispiel Ukraine immer vor Augen: An der Front, da rollt das Geld und auf die Bedingungen wird gesch..sen! Dann gibt es auch den Plan des NATO-Sperrriegels vom Baltikum über Polen, die Ukraine bis Rumänien um eine mögliche Annäherung Deutschlands und Russlands notfalls gewaltsam zu verhindern. Polen, gerade dabei die Demokratie abzuschaffen, rühmt sich neuerdings den Deutschen die Rolle des wichtigsten US-Partners auf dem europäischen Festland abzujagen. In den letzten Monaten sollen hunderte von Militärzügen aus Mitteleuropa nach Osteuropa gefahren sein und „Heavy Metall“, Muni und Nachschub an die Front verlegt haben. Daraus machen unsere Medien kein Thema, schon komisch, nicht? Für den Ersten Irakkrieg, der vom ersten Planungstag an beschlossene Sache war, benötigte der alte Bush und seine Army fast ein Jahr Aufmarsch, die mit Scheinverhandlungen kaschiert worden waren.

    Man muss in dieser Sache nicht einmal Partei für Russland ergreifen, aber man sollte seine eigene beschi..ene Lage einmal in Ruhe überdenken: Wenn zwischen der NATO und Moskau nur 480-600km Entfernung sind, zwischen der NATO und St. Petersburg nur 135km Entfernung, dann liegt es nahe, daß in einem Ernstfall ein Angriff sich nicht „in der Tiefe des Landes totlaufen kann“, sondern daß er sofort mit allen Mitteln gestoppt werden muss und wird und da kommen dann wir wieder ins Spiel: Russland – Helsinki 250km, Russland Stockholm 680km, (beide können es gar nicht erwarten in die NATO zu kommen!) Russland – Warschau 280km, Russland – Berlin 1.100km und Russland – Kopenhagen 500km. (Alle Angaben Luftlinie)
    Wenn da also einer in der Ukraine mit 5 Mia US-Dollar putscht und dann hier an der russischen Grenze zündelt und sich gleichzeitig 8.000km entfernt in relativer Sicherheit wähnt, dann ist der einfach ein verdammt schlechter Ratgeber…
    Ausserdem zündelt dieser nordatlantische Feuerteufel auch im Irak, in Syrien und in Libyen und all dies stets wie immer „nur zu unserem Besten!“

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