Staatsfernsehen

Der konservative Kanzler Kohl und der ebenso konservative Bundespräsident Herzog waren weitsichtige Männer. Sie fädelten bereits vor dreißig Jahren das ein, worüber sich halbwegs analytisch denkende Menschen jeden Tag erzürnen müssen. Es ist die Befindlichkeit in der gegenwärtigen Medienlandschaft. Helmut Kohl setzte, im Zusammenspiel mit einem Förderer der CDU, dem Medienmogul Leo Kirch, die Etablierung des Privatfernsehens durch, das es bis dahin nicht gab. Die damals formulierte Kritik an kaufbaren Medien, die zur Massenmanipulation geeignet sind, griff Herzog als Präsident des Bundesverfassungsgerichtes auf und sicherte den öffentlich-rechtlichen Fernseh- und Rundfunkanstalten ein dauerhaftes Monopol zu. Beide Politiker argumentierten, es müsse einerseits die Freiheit geben, selbst auf Sendung gehen zu können und andererseits gesichert sein, dass eine kritische Reflexion von Politik mit einem öffentlichen Auftrag gesichert sein müsse.

Bei Einführung des Privatfernsehens wurde viel über die zu erwartende Qualität spekuliert. Und die Kritiker schienen Recht zu behalten, die ersten Produktionen, die auf Sendung gingen, waren scheußlich und ständig von Werbung unterbrochen. Schnell etablierte sich ein Unterschichtenfernsehen, das sich in den Untiefen sozialer Tristesse und persönlicher Verzweiflung aalte und lange Zeit schien es so, als sei die Existenz zweier Rundfunk- und Fernsehwelten, die sich gravierend voneinander unterschieden, gesichert. Womit kaum jemand gerechnet hatte: nicht die privaten Anstalten orientierten sich qualitativ an den öffentlich-rechtlichen , sondern umgekehrt. Die Einschaltquoten wurden zum Maß aller Dinge und der unaufhaltsame Fall der öffentlich-rechtlichen Medienanstalten konnte beginnen.

Die heutige Situation stellt sich dar als ein im Vergleich zu früheren Jahrzehnten verheerend unkritischen Journalismus und einer gefärbten wie selektiv betriebenen Information. Wer hätte gedacht, dass sich irgendwann einmal Bürger der Republik bei ausländischen Medien informieren müssen, um sich ein Bild darüber machen zu können, was auf der Welt passiert. Die Erfahrungen, die dabei entstehen, sind entsetzlich, denn es stellt sich heraus, dass sich das staatlich geschützte Monopol, dass als demokratische Kontrollinstanz gedacht war, als ein Staatsfernsehen reinsten Wassers verfestigt hat. Zudem ist es regelrecht unterwandert von US- geförderten Journalisten. Das Personal besteht zum einen aus diesen Boten amerikanischer Think Tanks und zum anderen aus dem schwülstigen Demokratieproporz der ökologischen Erwachungsphase, das über die Phase der political correctness nun das Stadium der Kriegstreiberei erreicht hat.

Ganz nach dem Motto, komm, wir spielen Konsensdemokratie, hat sich, wie anders zu erwarten und von den Privaten als Pilot vorgemacht, ein Talk- und Moderationsformat etabliert, in dem nur zugelassene Positionen austariert werden. Analysen, die in die Tiefe gehen, finden nicht statt und sobald Positionen vertreten werden, die nicht der Intention entsprechen, werden regelrechte Kampagnen gegen deren Vertreter gefahren. Die Stars sind die Moderatoren, die bis zu 100.000 Euro pro Sendung einstreichen. Sie sind die Ideologen, für gute Journalisten in den Nachrichtensendungen ist angeblich kein Geld da. Eine Reform von Innen heraus und mit diesem Personal, scheint nicht mehr möglich zu sein.

Die alte Weisheit der südamerikanischen Revolutionäre, dass du die Lehrer, die Redakteure und die Polizisten brauchst, um die Verhältnisse zu ändern, hat nicht an Bedeutung verloren. Das Bildungssystem ist durch Diffusion wirkungslos, der Polizeiapparat noch das am besten erreichbare Organ, weil dort direkte Erfahrungen mit den tatsächlichen Lebenswelten vorliegen, und die öffentlich-rechtlichen Medien haben ihren Tiefpunkt erreicht. Aber es ist besser, sich der Wahrheit zu widmen als sich in der Illusion zu verlieren.

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7 Gedanken zu „Staatsfernsehen

  1. Pingback: Staatsfernsehen | form7 – Andreas Große

  2. westendstorie

    Weiß auch nicht. Ich sag ja, manchmal ist spazieren im eigenen Lande um einiges effektiver als überhaupt dem pseudodemokratischen Medien Wesen auch nur einen Funken Glauben zu schenken. Sofort muss ich da an sonstige Burkinidebatten denken, an künstlich hergestellte Unruhen im Volke, und sehe parallel gestern mehrere Biogasanlagen in meiner Umgebung. Da setz ich mich näher mit dem Thema Biogasanlagen auseinander, bekomme das kalte Grauen, aber das sowas von kalte Grauen, frage mich, wie es sein kann, das solch ein frevelhafter Umgang mit Tier, Mensch und Umwelt überhaupt so stillschweigend hingenommen wird. Ende weiter beim Fracking, lese, informiere mich und das Grauen wächst. Das bald nur noch erhältliche Genmanipulierte Korn, davon brauch ich gar nicht anfangen…

    Aber ich frage mich, wie kann das sein, das diese für uns, unsere Umwelt, unsere Heimat unser Land, so wichtige Themen, begleitet von schlimmster Tierquälerei, unsagbaren Umweltschäden auf lange lange Zeit, nicht einkalkulierbare Bakterienentwicklungen, so unter den Teppich gekehrt werden. Da bekommen heut schon geschädigte Bewohner stillschweigend schnell eine hohe Abfindungssumme und schon ist ruhe. Da rühren wir die Menschen lieber auf, mit Themen, die so verschwindend unwichtig und banal sind…

    Es ist schon wieder Zeit zu stricken …

  3. Reactionär

    Es gibt Scharfmacher, Spinner und Radikale zuhauf außerhalb der staatlichen Medien. Der Sündenfall letzterer begann, als aus solchen Leuten Journalisten wurden und keiner bemerkte, wie diese die ehrenen Regeln ihrer Profession verbogen. Heute gibt es sowohl in staatstragenden, wie auch bei den Alternativen kaum noch ernst zu nehmende Berichter.

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