Trump versus Clinton: Zwei Wechsel auf die Vergangenheit

Auch wenn alle so tun, als wäre es ein abscheuliches Spektakel, ich kann mir nicht helfen, irgendwie scheinen sie sich daran zu laben. Der US-Wahlkampf scheint sehr weit weg zu sein und uns hier, im piekfeinen Deutschland nicht zu berühren. Beides ist falsch, skandalös falsch, aber auch daran haben wir uns gewöhnt. Es geht nicht um richtig und falsch, sondern um Verkaufsaussichten oder nicht. Und einen Eklat verkauft man besser als biedere Fakten. Also das Theater um den Kampf zwischen Donald und Hillary scheint alle sehr zu begeistern. Denn eines ist klar: im nächsten Jahr wird auch hier gewählt und es wird auch hier unterirdisch zugehen, aber die Soap Opera, die in den Staaten mit einem solchen Debakel einhergeht, die werden wir nicht bekommen, vor allem wenn Mutti nochmal ins Feld zieht, dann wird es so bieder, dass klein Michel zwischendurch mal wieder einschläft und am Wahltag völlig durcheinander ist.

In den USA , dem Imperium schlechthin, ist in den letzten beiden Jahrzehnten eine Menge schief gelaufen. Nach dem großen Durchbruch, dem Ende des Ost-West-Konfliktes, stellte sich sehr schnell heraus, dass der Konflikt eigentlich besser war als eine neue Welt, die eine neue Ordnung forderte. Bereits Bill Clinton inszenierte die Renaissance des Grundkonfliktes mit der Sowjetunion, in dem er mit der NATO-Osterweiterung vor den Toren des neuen Russlands bereits in den neunziger Jahren des letzten Jahrtausends wieder begann. Da war die Welt noch geblendet von den politisch korrekten Hexenjagden im eigenen Land, aber als die Amerikaner die Nase von diesen Bevormundungsorgien voll hatten, wählten sie George Bush, der das politisch Korrekte durch anglikanischen Dogmatismus ersetzte und den aggressiven Imperialismus in neue Höhen trieb.

Eine militärische Intervention folgte der anderen, ein Regime Change nach dem anderen wurde inszeniert. Was als Resultat festgehalten werden kann ist eine immense Verunsicherung in der Welt, eine Eskalation der Verwerfungen und die Aussicht auf weitere, neue militärische Konflikte, zu denen der zwischen Ost und West wieder hinzugekommen ist. Ob die US-Bevölkerung davon eine Ahnung hat, lässt sich schwer abschätzen. Was sie weiß, ist, dass sich die Zeiten ändern werden, und zwar gewaltig. Ja, die Historiker verweisen immer wieder auf das römische Imperium, das mehrere hundert Jahre gebraucht habe, um unterzugehen. Aber es ändert ja nichts an der Betrachtung, dass die USA sich in einer anderen Welt neu orientieren müssen, genauso wie alle anderen auch. Die Aggressivität gegenüber Russland entspringt genau dieser Einsicht und dem Widerwillen dagegen. Russland steht mit seinen Ansprüchen für eine neue, multipolare Weltordnung, die USA dagegen.

Weder Trump noch Clinton stehen für eine neue Vision der USA. Trump, der Selfmademan mit den schlechten Manieren, steht für die Sehnsucht nach den alten Zeiten, in denen hohe Risikobereitschaft und Schnoddrigkeit reichten, um in diesem Land sein Glück zu machen. Clinton hingegen steht für die Wall Street-Maschinerie und die sie orchestrierenden Ostküsteneliten, die es in den letzten Jahrzehnten vermocht haben, dass Land systematisch zu ent-demokratisieren. Was ist das für eine Wahl? Entweder die Vergangenheit, die für manche schön war, oder die Vergangenheit, die für viele schlecht war? Ziemlich bescheiden. Wahrscheinlich ist die Prognose, dass es die Wahl sein wird, nach der vieles so sein wird, wie es noch nie war.

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10 Gedanken zu „Trump versus Clinton: Zwei Wechsel auf die Vergangenheit

  1. westendstorie

    Gruselig. Einfach gruselig. Es scheint immer mehr, alles muss einmal zusammenbrechen, damit neues entstehen kann. Darauf steuert alles hinaus…. 😦

  2. fredoo

    Zu Anfang hielt ich Herrn Trump auch für einen neu-reichen Proleten mit massivem Ego-Problemen … Und ich halte es für sehr wahrscheinlich , dass er in diese Präsidenten-Wahl-Nummer aus reiner Eitelkeit geschlidert ist … „ich misch da mal so ein wenig mit , verstreue ein paar freche Sprüche , riskiere kein eigenes Geld , und wenns vorbei ist , ist es vorbei. Dem Eigenstolz dient es auf alle Fälle .“ … so oder ähnlich hat ihn die eigene Parteielite wohl auch eingeschätzt , bzw. unterschätzt … Mitlerweile denke ich , dass womöglich dieser AusversehenMitspieler , dem ich nach wie vor gute Chancen einräume , zu einem echten politischen Segen werden könnte ( schlimmer als mit Madame Wallstreet kanns eh nicht kommen ) … Frischer Wind , wenn auch in Unwissen und egomanischem Ignorantentum begründet , könnte aber , einfach … frisches … bringen … Was könnte je schlimmer sein , als das was … anyways … droht ?

      1. alphachamber

        Genau so ist es.
        Den alternden „B-Grade-Schauspieler“ Reagan z.B. hat man bis zum umfallen veräppelt. Bald danach markte man, dass er einer der besten Präsidenten war. (was eigentlich nicht viel über die Qualität der restlichen spricht – aber was schreibe ich: Wer im Merkelhaus sitz, soll nicht mit Steinen werfen. 🙂

  3. almabu

    Wenn die US-Medien, die Trump unisono verteufeln und skandalisieren, Recht haben, dann haben die Amis keine Wahl, denn wenn Clinton so alternativlos wie Merkel ist, dann gibt es keine Wahl, dann heisst es schlicht „friss, oder stirb!“

    Interessant ist, daß Clinton nicht aus den Medien, sondern aus dem Apparat heraus, aus dem Militär und neuerdings aus dem FBI angegriffen wird? Können die das Risiko, daß eine Präsidentin Hillary, die sich über den Weg der Clinton-Stiftung von den Saudis und Erdogans und dem einen oder anderen Israeli dieser Welt anscheinend kaufen (bestechen?) ließ, für die USA bedeuten könnte besser abschätzen?

    Angeblich sollen über 6 Millionen US-Bürger nicht wählen dürfen, internationale Wahlbeobachter in einzelnen Bundesstaaten nicht zugelassen werden.

    Die US-Bürger und die Welt müssten Mrs. Clinton nach Jahrzehnten in der Politik kennen. Viel positives hat sie nicht aufzuweisen. Änderungen zum Besseren sind von ihr nicht zu erwarten. Der Umstand, möglicherweise die erste Frau zu werden im Amt des US-Präsidenten, mag schön für sie sein, für die Sache der Frau oder der US-Wähler insgesamt ist dies völlig irrelevant…

    Trump ist eine Wundertüte. Da ist selten etwas von Wert drin, ergo: DIE US-BÜRGER HABEN KEINE WAHL BEI DER WAHL!

  4. monologe

    Mehr Aus-Wahl haben wir auch nicht. Die Hetze gegen Trump ist übrigens surreal. Man kann ihm VOR einer Präsidentschaft doch nicht wirklich etwas vorwerfen, höchstens unterstellen oder das berühmte „beim Wort nehmen“. Aber seine Ankündigungen – hätte Bush angekündigt, was er später gemacht hat samt Folgen, er wäre gewiss nicht wählbar gewesen. Und Obamas Ankündigungen? Was davon war er über zwei Amtszeiten im Stande zu verwirklichen? Gesundheitssystem? Man sehe es sich genau an, daran kann man erkennen, welche Macht ein am. Präsident hat. Ich erinnere mich noch sehr gut an den Hype, nachdem Obama gewählt wurde. Da intervenierte der Präsident Köhler „Bitte, lasst ihn doch erstmal ausschlafen.“ oder so ähnlich, Friedensnobelpreis. Wie sieht nun der Frieden aus, den er der Welt hat bringen können? Über den Zaun zu Mexiko, wo für uns geradezu unvorstellbare Zustände herrschen? Nur weil da mal ein echter Clown aufkreuzt, der auch so aussieht, darum soll er nicht gewählt werden?

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