Bewaffnete Islamwissenschaftler im Osten Aleppos

Es ist immer gut und hilfreich, die Probe aufs Exempel machen zu können. Angesichts der Emotionen und der moralischen Mobilisierung im Falle des Falls von Aleppo durch die öffentlich-rechtliche Berichterstattung sei ein kleines Experiment erlaubt, das sich zum einen an der benutzten Begrifflichkeit abarbeitet und andererseits etwas unternimmt, das nicht mehr en vogue zu sein scheint, aber zum Handwerk der Informationsbeschaffung gehört wie die Luft zum Atmen: Recherche.

Gehen wir nun durch Tagesschau und Heute Journal, dann treffen wir auf nicht verifizierte Bilder von menschlichem Leid. Im Falle Aleppos ist das nicht verwunderlich und es ist schlimm. Was nicht geklärt ist, von wem die Bilder sind und wen sie eigentlich zeigen. Die Kommentare, die, obwohl sie sehr oft mit Redewendungen wie „anscheinend“, „soll“ und „wohl“ arbeiten, insinuieren, dass es sich um Opfer des brutalen Assad Regimes, das seinerseits durch die Russen gestützt wird, handelt. Nicht, dass so etwas nicht möglich wäre, aber gesichert ist diese Nachricht nicht, es wird unterstellt, dass es so ist, das aber konsequent in jedem Beitrag. In keinem Beitrag jedoch taucht eine gesicherte Quelle auf.

Nach der nun erzeugten Betroffenheit, die weite Teile des humanistisch geprägten Publikums ergreift, wird von Rebellen gesprochen, die sich im Osten von Aleppo aufhalten und die letzten aufrechten Kämpfer gegen das Assad Regime sind. Eine einfache Suche über Google bringt zahlreiche Quellen über die Art der „Rebellen“, die sich in Ost-Aleppo aufhalten. Alle Quellen bestätigen, dass es sich dabei um sehr unterschiedliche bewaffnete Gruppen handelt, die allerdings eines gemein haben: Es handelt sich um so genannte Islamisten, die nicht lange fackeln, um die Zivilbevölkerung zu drangsalieren oder als Geisel zu nehmen.

Das Faktum legt jedoch den Schluss nahe, das wir im Zentrum der humanistischen Werte plötzlich Mitleid haben sollen mit Menschen, die im Namen Allahs morden und brandschatzen. Wenn das die unumstößliche Wahrheit ist, dann muss gegen die Produzenten dieses Unsinns etwas unternommen und sie müssen aus ihren Positionen entfernt werden. Denn, man kann es drehen und wenden wie man will, es handelt sich um gezielte Fehlinformation und moralische Unterstützung von terroristischen Vereinigungen. Und wenn Angela Merkel beim Schicksal ausgerechnet dieser Menschen die Tränen kommen, dann ist sie nicht die Kanzlerin der Humanisten im Land.

Aber, vielleicht ist ja alles auch nur eine Posse aus einem total verlotterten Berufsstand, der gar nichts mehr auf die Reihe bekommt. Die so genannte Elite hat anscheinend den Verstand verloren. Denn wenn wir die Sprache analysieren, immerhin Trägerin der Informationen, um die es geht, ist die Botschaft derartig skurril, dass nur noch das Lachen bleibt. Denn die Nachricht, die wir bekommen, müsste eigentlich folgendermaßen übersetzt werden:

„In Ost-Aleppo kämpfen bewaffnete Islamwissenschaftler, die zum Teil in ihrem Dominanzgebiet die Menschen dazu zwingen, die Scharia anzuerkennen und die auch vor Selbstmordanschlägen nicht zurückschrecken, um ihr Überleben. Es ist eine Tragödie sondergleichen.“

Wir sollten gewarnt sein, denn den Islamisten könnten hierzulande sehr schnell übergeschnappte Anglisten und Romanisten folgen und wenn die Germanisten erst einmal Blut geleckt haben, dann Gnade uns Gott.

Ceterum censeo: Die Performance ist so lausig, dass einem nur noch das berühmte Zitat Max Liebermanns einfällt, als er nach der Machtübernahme zu den Nazis befragt wurde. Seine Antwort war klar: Er könne, so ins Hochdeutsche übersetzt, nicht so viel essen, wie er kotzen müsse.

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16 Gedanken zu „Bewaffnete Islamwissenschaftler im Osten Aleppos

  1. aquasdemarco

    In einigen Teilen pflichte ich dir bei, allerdings finde ich den Begriff bewaffnete Islamwissenschaftler etwas populistisch und Populismus haben wir gerade genug um die Ohren.

      1. aquasdemarco

        Ah okay, du bist ein alter Wortakrobat, also so in etwa, wie der Begriff Biodeutscher, der jetzt immer mal auftaucht, glaube früher nannte man das Arier, aber ich glaube es bezog sich damals nicht nur auf Deutsche, oder?

      2. Gerhard Mersmann Autor

        Was meinst d denn jetzt? Beim Islamisten ist das einfach. Der Begriff wird irreführend benutzt. Vor wenigen Jahren war das noch unstrittig ein Islamforscher oder Islamwissenschaftler, so wie Anglisten oder Romanisten. Jetzt werden damit Terroristen bezeichnet, die sich auf den Islam berufen. Würde man letztere Formulierung nehmen, würden damit auch nicht alle Muslims diskreditiert. Das hat doch mit Wortklauberéi nichts zu tun.

      3. aquasdemarco

        Von Klauberei habe ich nicht geschrieben, sondern von Akrobatik.
        Der Begriff Islamwissenschaftler ist ja okay, aber ich fand das Aleppo Fazit mit dem Begriff etwas zu pauschal.
        Aber hey, geschriebene oder gesagte Worte kommen bei jedem unterschiedlich an.
        Meistens lesen wir ja bei denen, die unsere Sprache sprechen, Meinungen vertreten, welche wir teilen.

  2. aquasdemarco

    Aber spannend das man google kann um Wahrheiten zu finden, ich war und bleibe da immer etwas skeptisch, womöglich gibt es neben den Lügenmedien ja auch Lügensuchmaschinen, wer weiß es schon von uns.

  3. Bludgeon

    Da 2015 landauf landab in den Medien fäjknjusisch bzw. postfaktisch behauptet wurde, dass aus Syrien vorrangig topausgebildete Fachkräfte kämen, und somit der Eindruck entstand, Syrien sei das arabische Japan gewesen,klingt das mit den Islamwissenschaftlern äußerst plausibel. Die dachten sich eben: Auf uns warten keine Topgehälter in der IT-Branche Bayerns, also kämpfen wir hier. 🙂

  4. gkazakou

    Ich kann dem allgemeinen Kommentargeplänkel momentan nichts abgewinnen, umso mehr aber dem Mersmann-Artikel. Auch ich möchte permanent kotzen, und um dem zu entgehen, mache ich schnell die Glotze aus, wenn die Nachrichten nach Aleppo rüberschwenken. Als ich stattdessen BBC sah, beruhigten sich meine Nerven, da dort Assad immerhin noch „Präsident“ und nicht „Machthaber“ oder „Diktator“ oder „Schlächter seines Volkes“ genannt wird.
    Ich atmete auf, sah mir dann noch das sehr informative Assad-Interview bei RT deutsch an und fühlte mich ein wenig wie unter denkenden und fühlenden Menschen mit politischem Verstand, und nicht wie in einem propagandistischen Suppentopf.

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