An die Arbeit der neuen Allianz!

Letzte Woche noch sprach ich mit einem weit gereisten Berater über die Ereignisse des scheidenden Jahres. Mich wunderte wie er, der beruflich nahezu dazu verpflichtet ist, Hoffnung und Zuversicht zu verbreiten, in puren Pessimismus verfiel. Seiner Meinung nach ist alles ins Wanken geraten. Und dieses Wanken sei ein unheilvolles Zeichen für das Zusammenstürzen aller Verhältnisse und Werte, die wir so schätzten. Was ihm zugute gehalten werden muss, war die Auffassung, dass jetzt alles unternommen werden müsse, um doch noch das berühmte Ruder herumzureißen.

Kurz darauf sprach ich mit einem Politiker in Amt und Würden, der die Lage ebenfalls kritisch beschrieb. Das wundert nicht, denn wenn irgendwo das Beben bereits zu spüren ist, dann in diesem Metier. Die Politik ist der Vorbote für Veränderungen, in denen sich die Verhältnisse befinden. Und gerade die Politiker, die wir momentan medial inszeniert zu sehen bekommen, zeichnen sich dadurch aus, dass sie zwar besonders schwierige Verhältnisse zugeben, allerdings mit den alten Mitteln zu kontern versuchen. Dieser Politiker war anders. Er beschrieb die krisenhaften Erscheinungen sehr sachlich und mahnte neue Wege an. Und er forderte eine neue Allianz. Eine Allianz derer, die nicht wollen, dass die Krise abgleitet in massenhysterische, demagogische und letztendlich diktatorische Verhältnisse. Das war eine vernünftige Position, die aufgegriffen werden sollte. Vor allem unter dem Aspekt, den er die neuen Allianzen nannte.

Überall ist zu bemerken, dass es große Uneinigkeit gibt in Bezug auf die Analyse der Ursachen dessen, was als Krise bezeichnet werden muss. Das ist kein Wunder, und es ist auch gut so. Angesichts der Komplexität der Probleme, die momentan existieren, wäre es bereits ein Sieg des Obskurantismus, wenn irgendwelche einfachen Analysen und Rezepte hervorgezaubert werden könnten. Wirtschaft, Finanzen, Kriege, unheilige Allianzen, jede Menge hirnrissige Theorien und absurde Kausalitäten wollen mit Ruhe und Vernunft und mit einem definierten Interesse analysiert werden. Emotionen sind gut und Anzeichen der Befindlichkeit, Emotionen sind gefährlich, wenn sie das Denken ersetzen.

Allerdings ist festzustellen, dass sehr viele Menschen die Gefahren und Chancen der gegenwärtigen Verhältnisse sehr gut einschätzen. Historisch gesehen war das oft so. Die großen Katastrophen wurden immer dann möglich, wenn jene, die auf dem richtigen Weg der Erkenntnis waren, die Nuancen der Unterschiede zu analog denkenden Menschen oder Gruppen zum Hauptwiderspruch machten. Dann gewannen die Marodeure des allgemeinen Unmuts Überhand. Was folgte, ist bekannt. Daher sollte als eine historische Erkenntnis die Idee der neuen Allianzen seriös verfolgt werden.

Nichts an Kritik ist dabei zu revidieren. Und es ist an einem Bild zu arbeiten, das die zukünftigen gesellschaftlichen Verhältnisse gut und mehrheitsfähig beschreibt. Ohne dieser Diskussion, die völlig in den Anfängen steckt, sofern sie überhaupt begonnen hat, müßte dieses Bild Begriffe wie soziale Verantwortung, das Primat der Politik, Frieden und den kritischen, selbstreflexiven Diskurs enthalten. Darunter ließe sich eine Mehrheit formieren. Viele, die dieses heute für sich reklamieren, wären darunter jedoch wohl nicht mehr zu finden, weil sie des doppelten Spiels überführt sind. Und diejenigen, die sich unter einem derartigen Bild wiederfinden können, müssen diese Allianz in einer Art praktischer Verantwortung in Solidarität leben. Trotz der notwendigen Nachbetrachtungen und Einzelanalysen darf die Frage nach praktischen politischen Bündnissen nicht unter den Tisch fallen. Das wäre ein Fehler, den wir uns nicht, und erst recht die Nachwelt niemals verzeihen würden. Arbeiten wir also an der neuen Allianz!

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2 Gedanken zu „An die Arbeit der neuen Allianz!

  1. NEUE DEBATTE

    Ein (wie immer) lesenswerter Beitrag, der die Situation sehr gut zusammenfasst: die Probleme sind nicht mit den alten Mitteln zu lösen, sondern vermutlich nur durch eine übergreifende (aber eben auch globale) Allianz, die offen ist für neue Ideen und Veränderungen. Insofern ist der Satz „Die Politik ist der Vorbote für Veränderungen, …“ nicht korrekt. Im Gegenteil: Die Politik lief der Entwicklung immer hinterher und holte sie ein – das war zumindest in der Vergangenheit so. In der digitalisierten und beschleunigten Welt ist das nicht mehr möglich. Die heutige Politik, gestützt auf alte Parteisysteme und klammernd an Einzelpersonen, ist das Gestern und bleibt deshalb im Gestern. Die offene Frage wird sein, welche neuen Formen sich entwickeln.

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