Jenen, deren Zeit vorbei ist

Wenn man sich in der Hölle empört, dann scheint am Himmel ein Licht zu sein. Es ist doch sehr bemerkenswert, mit welcher Einhelligkeit sowohl das politische Personal, wie die Auftragswissenschaftler und die Medien außer Rand und Band sind, wenn das Thema Donald Trump zur Diskussion steht. Ja, vieles spricht dafür, dass da einer an die Macht gekommen ist, der lieber einen Betonmischer umwirft als auf dem diplomatischen Parkett zu flanieren und der sich verbal an nichts hält, was im Salon als heilig gilt. Nur, und das wird in den aufgeregten Äußerungen vergessen, dieser Mann wurde, obwohl er kein Unbekannter war, in freien, gleichen und geheimen Wahlen gewählt. Da helfen auch nicht die Erklärungsversuche mit russischen Hackern. Die gibt es sicherlich, wie übrigens auch deutsche und amerikanische und israelische und private und und und.

Was ist zu tun, wenn etwas geschieht, womit niemand gerechnet hat und das alle entsetzt? Nahezu kindlich ist die Beschimpfung des Neuen. Und leider ist festzustellen, dass diese Phase immer noch anhält und in ihr ein Unsinn abgesondert wird, der die Intelligenz beleidigt. Der beste Rat an jene, die nicht mit der Vernunft umzugehen verstehen und die Gründe für das Neue zu erforschen suchen, ist es, sich im Stillen für ihr eigenes Versagen zu schämen anstatt den Mund aufzureißen und die Welt zu beschimpfen.

Ratsam wäre es, und überfällig ist es längst, sich zu fragen, was dazu geführt hat, dass sich die eigenen Völker beginnen abzuwenden von den westlichen Demokratien und ihren nun so plötzlich reklamierten Werten. Was hat dazu geführt, dass das Vertrauen dahin ist in jene, die die Politik gestalten und kommunizieren? Diejenigen, die jetzt immer noch in den alten Talk Shows sitzen und auf die Werte des Westens pochen, sind diejenigen, die sie geschändet und verspielt haben. Sie sind die Protagonisten von gestern, das wissen sie und deshalb schreien sie so laut und vor allem Dinge, die daran zweifeln lassen, ob sie noch im Besitz ihres Verstandes sind. Die Werte, die sie nun aufrufen zu verteidigen, sind gerade von ihnen mit Füßen getreten worden. Ihnen fehlt eines, was unwiederbringlich ist: Sie sind nicht wahrhaftig. Das ist ein Wort, das gerade im Deutschen eine so wundervolle Bedeutung hat, denn es steht für das Bekenntnis zur Wahrheit, auch wenn sie furchtbar schwierig ist.

Die Vertreter einer sehr einfachen und harten Politik, in der es um wirtschaftliche Macht geht, ohne viel investieren zu müssen, sie haben viele Jahre mit verschiedenen Maßen gemessen und immer nur die halbe Wahrheit erzählt. Das hat sich herumgesprochen und plötzlich ist das geschehen, was man das Umschlagen von Quantität in Qualität zu nennen pflegt. Der Umgang der Regierten mit der Handelsware Politik ist ein anderer geworden. Es geht nicht mehr um das kleinere Übel, sondern nach dem Prinzip „versagt und weg!, der nächste bitte“.

Und jetzt, wo sich abzeichnet, dass das nicht nur in einem, sondern in vielen Ländern so geschehen wird, müssen alle, die im Tross der wirklich Mächtigen mitgefahren sind, um ihre Apanagen fürchten. Das macht sie so rasend, das lässt sie fortfahren in ihrem so beherrschten Handwerk der Verleumdung und Verfälschung. Die Boten, die nun auftauchen, die hoffentlich nicht das Produkt der Zukunft sind, sie sind das Werk derer, die jetzt so schreien. Es ist kurios. Ihre Zeit jedoch ist vorbei.

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13 Gedanken zu „Jenen, deren Zeit vorbei ist

  1. meertau

    mag sein, dass er das vorläufige Ergebnis ist. Dennoch kann ich in das permanente, entsetzte Aufschreien nur einstimmen.
    Mag sein, dass der Umgang mit der „Handelsware Politik“ sich geändert hat. Mag sein, dass die lauten Schreihälse selbst, die Moral und Demokratie mit Füßen traten. Aber ist das eine gute Erklärung für die schreiende Dummheit, sich zunehmend aggressiven, antidemokratischen und rüpelnden Despoten zuzuwenden?

  2. Pingback: Zitat des tages | Schwerdtfegr (beta)

  3. almabu

    Ich habe mir das komplette Inthronisierungsspektakel mit dem die USA Gestern die Weltmedien „zumüllten“ erspart. WER, WANN, WO, WIE, mit WEM und WARUM ist in der Sache weder zielführend noch erhellend oder gar hilfreich. Entscheidend wird sein, was DER 45. ab nächste Woche im Alltag treibt und wieweit er seinem verbliebenen Unterbau, speziell den Neocons, freie Hand zum Handeln gewährt oder sie und ihre Macht beschneidet.
    PS: Auch wenn mir das Ergebnis der US-Wahlen nicht gefällt habe ich es zu respektieren und ich hätte eine Wahl Hillary Clintons nach 30 Jahren in der US-Politik agierend, zur Wahl als Erneuerin und Reformerin antretend für Dinge die sie selbst mitzuverantworten hat, für inakzeptabel gehalten. Clinton wäre das bekannte, Trump das unbekannte Übel gewesen. Als Optimist hoffe ich stets, „daß nicht so heiss gegessen, wie gekocht wird!“

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