The World is in an Uproar

Der große Börsencrash aus dem Jahre 1929, bekannt unter dem Namen der Schwarze Freitag, war die erste verheerende Krise des Weltfinanzkapitalismus, die weltweite Zerstörungen nach sich zog. Letztendlich mobilisierte sie die pauperisierten Massen in Europa und lieferte genug Stoff für den aufkommenden Faschismus, der letztendlich zum II. Weltkrieg führte. In den USA war man von der Entwicklung nicht nur überrascht, sondern bis in die Grundfesten erschüttert worden. Präsident Roosevelt zeichnete 1933 den Glass-Steagall-Act, der als konsequente Reaktion auf die Entwicklung beschrieben werden muss. Das Gesetz schrieb seitdem die strikte Trennung von Einlagen- und Kreditgeschäft vor. Es sorgte dafür, dass eine Krise wie 1929 vermieden werden konnte. Der Glass-Steagall-Act wurde 1956 noch einmal novelliert, allerdings im Jahr 1999 durch die Clinton-Administration wieder aufgehoben. Das Ergebnis, welches daraus resultierte, war der erneute, weltumspannende und wiederum verheerende Crash von 2008. Wieder zerplatzte eine Blase und, so wie es aussieht, kostete diese Krise die USA die Weltherrschaft.

Die Resultate der Krise und der die wirtschaftliche Entwicklung, die dazu führte, ist an den USA nicht spurlos vorüber gegangen. Die wirtschaftlichen und sozialen Verheerungen sind evident. Dass sich eine derartige Entwicklung auch darin ausdrückt, wie die Bevölkerung auf diejenigen reagiert, die sie letztendlich für ihren Abstieg verantwortlich macht, sollte nicht verwundern. Präsident Obama war der letzte Präsident, der es sich leisten konnte, mit einer großen Freiheitsrhetorik eine weltweite Ordnung einzufordern, die auf Chancengleichheit pochte, obwohl dieses Mantra nie der Realität entsprach.

Die USA hatten nach dem II. Weltkrieg die geniale Idee, als Weltmacht für die Infrastruktur eines weltweiten freien Handels zu sorgen, der die Ideologie transportierte. Indem die Verlierermächte Deutschland und Japan als die Nationen ausgesucht wurden, die als Produktionsstätten für den weltweiten Handel die Hauptaufgabe übernahmen, war gewährleistet, dass der Markt funktionierte. Die USA hätten diese Funktion allein nicht übernehmen können. Dafür nahmen sie die ordnungspolitische Funktion ein. Das konnten sie, weil die Erlöse aufs den wertschöpfenden Staaten letztendlich in der Wall Street landeten. Damit war die Deckung für die Kosten gegeben, die die Bereitstellung von Ordnung und Infrastruktur verursachten. Mit dem Crash von 2008 ist dieses Kapitel beendet.

Donald Trump ist der Bote dieser traurigen Nachricht. Er verkörpert den Hass und die Enttäuschung, die von vielen Amerikanern als Reaktion auf diesen Niedergang zum Ausdruck kommt. Sich über diesen Boten aufzuregen und es dabei zu belassen, greift zu kurz. Es geht um die Erklärung der Ursachen. Und damit wären wir bei der Notwendigkeit einer Identifizierung der eigenen Rolle zum Beispiel Deutschlands und der damit verbundenen Erkenntnis, welche Aufgaben sich nun stellen, um eine neue Ordnung entstehen zu lassen. Die Antworten werden sich voraussichtlich so gestalten, dass die zukünftige Welt multipolar sein wird und dass die Ordnung und Infrastruktur von mehreren Akteueren gestellt und finanziert werden muss. Auch Deutschland wird sich an diesen Investitionen beteiligen müssen. Der größte Feind bei diesem Rollenwechsel wird der des Raubrittertums sein, der auf eigene Gewinne spekuliert, ohne die dazu erforderlichen Investitionsleistungen auch in anderen Staaten und Regionen in Erwägung zu ziehen. Und es wird wahrscheinlich darauf hinauslaufen, dass die Monokultur des Exports der Vergangenheit angehört. Das wird radikal und schmerzhaft und verlangt einen strategischen Blick. Die Alternative jedoch ist Zerstörung und Verwerfung in ungeahntem Ausmaß.

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10 Gedanken zu „The World is in an Uproar

  1. alphachamber

    Herr Mersmann,

    „Der größte Feind bei diesem Rollenwechsel wird der des Raubrittertums sein, der auf eigene Gewinne spekuliert,…“

    Ihr Essay ist sehr scharfsichtig, nur, im Bezug auf diese Aussage, sehen wir das ein wenig anders:
    Diese Raubritter sind kein Symptom, sondern die Ursache dieser Zyklen. Sie sind die Initiatoren dieses ökonomischen Ying-Yang. Festzustellen an den Lebenswegen von z.B. Buffett, Gates und Soros, den Raubrittern und größten „Wohltätern“ (rein finanziell). Gier bekommen die Menschen niemals in Griff – aber dies Auswirkungen werden dramatischer, durch die globale Hebelwirkung.
    In diesem Sinne (vielleicht nur in diesem?) wäre Nationalstreben die Rettung.
    Happy Chinese New Year!

    1. Gerhard Mersmann Autor

      Vielleicht eine kleine Relativierung Ihrer Gedanken: Neben den Raubrittern existieren ab und zu auch weit blickende und vernünftige Kaufleute und wenn sie mit mehr Nation meinen, dass dort der Ort ist, wo das Primat der Politik durchgesetzt werden und herrschen muss, dann stimme ich Ihnen zu!

  2. almabu

    „..Und es wird wahrscheinlich darauf hinauslaufen, dass die Monokultur des Exports der Vergangenheit angehört..“
    Das sehe ich genauso! Die deutsche Exportweltmeister-Exzesse und eine überproportionale Exportindustrie werden von vielen anderen Marktteilnehmern, ob nun Wettbewerber oder Zielländer, als Aggression betrachtet. Ein entsprechender Umbau der deutschen Wirtschaft wäre wie der Umbau der Monostrukturen von Kohle und Stahl des Ruhrgebietes, nur größer, langwieriger und deshalb wohl auch schmerzhafter?

  3. fredoo

    was ist der Weltmeisterstatus des Exportes für Deutschland denn wert ?
    bezahlt wird doch alles mit Dollars , frisch virtuell gedruckt bei der FED …
    Mercedes getauscht gegen virtuelles Papier …
    das nenn ich ein gutes Geschäft …
    nur nicht für den „Weltmeister“ der seine Resourcen an Material und IngeneursKnowHow für virtuelles Nothing verschleudert .
    Darauf kann man doch nur stolz sein … wenn man Schäuble heißt und wie Schäuble denkt …

  4. gkazakou

    Kurz und prägnant!
    Was die USA allein nicht gekonnt hätten – Produktionsstandort UND „ordnungspolitische“ Weltmacht zu sein -, genau davon träumen mal wieder einige in Deutschland.
    Wann wird Deutschland begreifen, dass es einen Platz zwischen vielen Völkern hat; und dafür dankbar sein, anstatt immer einen Platz „über allen anderen“ anzustreben?

  5. alphachamber

    gkazakou,
    dass Deutschland seinen Platz unter den Völkern hat, haben gerade diese Bürger mehr als begriffen – es ist DER Platz, der ihm von den Supermächten und ehemaligen Aliierten für auf immer zugewiesen wurde. Das haben Sie damit selbst ausgedrückt, dass D. dafür dankbar sein sollte; nur, wem und warum haben Sie vergessen hinzuzufügen – dass D. nicht plattgemacht wurde nach ’45? Dass D. als Drohnen für den Finanziellen-Industriellen-Militärischen-Komplex weiterleben durfte?

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