Der Kurs auf den Eisberg

Gestern Abend, auf dem Weg zur Probe, kaum war ich eingestiegen, legte Willy los. Am Sonntag, die Talkshow von der Will, da schlug mir das Herz bis zum Hals. Was für ein furchtbarer Auftritt von von der Leyen, was für eine erbärmliche Leistung von der Will und was für eine Selbstgefälligkeit von dem Kornblum. Und natürlich hatte Willy Recht. Wem ging es nicht so, frage ich mich, wenn eine Verteidigungsministerin sich über das Völkerrecht hinwegsetzt wie über ein Rauchverbot im Freien. Wie viele, ob sie repräsentativ sind, wird sich noch herausstellen, entsetzt sind über die Dreistigkeit und die Offenheit, mit der sich immer mehr Verantwortliche als Demagogen und Volksverhetzer zu erkennen geben.

Da sind die Argumente gegen die neue Rechte, in denen permanent von Fake News, von Populismus und von Verschwörungstheorien die Rede ist. Und da sind die Taten, die genau das belegen. So ist Merkels und von der Leyens Beleg über einen Nachweis des Giftgaseinsatzes durch die syrische Armee nachweislich ein Fake. So sind die Spuren, die überall, ob es sich um Korruptionsskandale, die Finanzierung der neuen Rechten, die Hackerangriffe auf Regierungsstellen, die merkwürdigen Tötungsdelikte im freien Westen, zu guter Letzt nach Russland und letztendlich zum Schreibtisch Wladimir Putins führen die wohl mächtigste Verschwörungstheorie, die derweilen kursiert. Und so ist die Emotionalisierung der Toten von Aleppo bei geleichzeitiger Verschweigung derer von Mossul nichts anderes als eine propagandistische Informationsstrategie und die Reduzierung dieser komplexen Welt auf Schwarz und Weiß, auf Gut und Böse ein Artefakt des reinen Populismus.

Das Problem, das sich dahinter verbirgt, ist die Tatsache, dass die bei der Rechten zu Recht vermuteten schlechten Charakterzüge und Missetaten auf Seiten der Ankläger selbst zu finden sind. Die Zustände haben eine Reife erreicht, die als Endstadium bezeichnet werden müssen. Und es wird zu einer großen, gigantischen Belastungsprobe, einerseits den irren, säbelrasselnden, destruktiven Pfusch dieser Regierung von dem einfältigen, rassistischen und nationalistischen Schmonzes der Rechten zu unterscheiden. Da braucht die Gesellschaft einen kühlen Kopf, um nicht in den Wahnsinn getrieben zu werden.

Es hat Zeiten gegeben, in denen eine Regierung die Menschen nicht mehr von ihrem Kurs überzeugen konnte. Es hat Zeiten gegeben, in denen dem Volk die Regierung zu wenig Strategie hatte, um einen Kurs erkennen zu lassen. Es hat Zeiten gegeben, in denen die Regierung so redete und anders handelte. Und es hat Zeiten gegeben, in denen die Regierung den Eindruck vermittelte, als sei sie schlechthin überfordert. Aber es hat selten eine Zeit gegeben, in der alle diese Negativzuweisungen auf einmal zugetroffen hätten. Dieser Punkt scheint nun erreicht zu sein.

Eine Opposition, die sich bereits an dieser Regierung gemessen und aus den Fehlern eine alternative Strategie entwickelt hätte, existiert jedoch nur rudimentär. Zum einen haben die Perioden der Großen Koalition da vieles verhindert und zum anderen hat die Atomisierung der einzelnen sozialen Schichten dazu beigetragen. Das ist schwierig, aber es wird nichts daran ändern, dass es Zeit für einen Wechsel ist. Die Fahrt auf Sicht, wie es der Finanzminister und Sensenmann Europas wiederholt genannt hat, ist der berühmte Kurs auf den Eisberg. Nach der Kollision wird es tatsächlich keine Alternative mehr geben. Vorher schon. Noch.

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6 Gedanken zu „Der Kurs auf den Eisberg

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  2. Neue Debatte

    „Die Zustände haben eine Reife erreicht, die als Endstadium bezeichnet werden müssen.“ Fatal ist zudem, dass sich die beschriebenen Symtome in allen Ländern der EU finden lassen und in besonderer Ausprägung in Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien, den größten Volkswirtschaften.

    1. gkazakou

      Richtig. Alle Regierungen Europas und der USA haben sich dem Trend der Verblödung angeschlossen. Vielleicht, weil sie alle im selben System stecken und festhängen? Weil sie auf den Kollaps warten und hoffen, mit einem schönen Krieg ihr Schicksal zu wenden?

  3. Neue Debatte

    „Vielleicht, weil sie alle im selben System stecken …“ Ja, beobachtbar ist die Problematik der Wachstumsideologie, die nicht mehr greift. Sie kann nicht mehr funktionieren, auch weil die notwendigen Ressourcen nicht erreichbar sind bzw. der nötige Bedarf immer schwerer zu decken ist, und auch weil die ökologischen Folgen deutlicher werden. Aber ein Plan B, der beispielsweise zum einen den gezielten Wirtschaftsrückgang verfolgt und zum anderen einen Ausgleich innerhalb der Gesellschaften anpeilt, würde immer einhergehen mit dem Verlust an Privilegien für die sozialen Schichten, die pauschal als Eliten bezeichnet werden. Das wollen die natürlich nicht, weil sie offenbar die Notwendigkeit nicht sehen. Dennoch handeln sie strategisch und versuchen sich und ihr Kapital z.B. durch den Kauf echter Werte wie Autobahnen, Häuser, Felder usw. mit „wertlosem“ Fiat-Geld in die „neue Zeit“ zu transformieren. Die Kriegshandlungen – die ausgelagert wurden – können vielleicht als eine Art lebensverlängernde Maßnahme angesehen werden. Aber das ist reine Spekulation.

  4. Achim Spengler

    Die Wahrheit über den Giftgasangriff. Glauben Sie, im Besitz dieser Wahrheit zu sein? Wenn ja, teilen Sie sie mir mit. Gibt es anderes als Fake Belege in diesem Irrsinn?

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