Die neue Seidenstraße

Das Szenario ist nicht neu, aber immer wieder, wenn es aktuell wird, sind viele der Beteiligten perplex. Da spielen die, die immer hier spielen ein Spiel, dessen Regeln sie selbst geschaffen haben. Alle kennen sich aus, jeder hat seine kleinen Tricks und alle Akteure wissen um die Stärken und Schwächen derer, die am Spiel beteiligt sind. Nicht, dass das Spiel nicht in dem einen oder anderen Fall nicht auch noch eine gehörige Portion Brisanz besäße. Aber dennoch, für viele der Beteiligten wirkt es auf die Dauer ermüdend. Eigentlich auf alle, aber die, die die meisten Partien verlieren, weil das Regelwerk ihre Spezifika nicht besonders berücksichtigt, die sind irgendwann an dem Punkt, an dem es keinen Spaß mehr macht.

Und so findet abseits des immer noch mit gleicher Wucht währenden Spielbetriebes das eine oder andere Treffen derer statt, die auch einiges zu bieten haben und die dennoch meistens verlieren. Erst sitzen sie zusammen und klagen, dann gehen sie einmal zusammen aus. Vielleicht spielen sie das Spiel auch einmal unter sich. Aber irgendwann fängt einer an, das Spiel und seine Regeln zu ändern. Und plötzlich kommt Freude über das Neue auf, das ewige Verlieren hat ein Ende und alle Beteiligten, die beim Spiel mitmachen, sind von der neuen Version des Spiels vollauf begeistert.

Die ewigen Gewinner vom Spielfeld nebenan hören von den Treffen, zunächst lachen sie darüber. Weil sie denken, es handelt sich um einen Termin, bei dem die Verlierer sich gegenseitig etwas vor weinen. Doch dann, wenn sie bemerken, dass da an einem neuen Spiel gefeilt wird, werden sie doch hellhörig und wollen wissen, was da eigentlich läuft.

Die Vertreter des neuen Spiels zeigen keine große Neigung, ihre Peiniger von gestern mit in ein neues Szenario einzubeziehen. Sie waren es ja gerade, die mit ihnen ein Spiel spielten, das sie nicht gewinnen konnten und bei dem sie regelmäßig benachteiligt wurden. Da ist es besonders verständlich, dass die Herren des neuen Spiels die des alten nicht dabei haben wollen.

Und so kommt es, dass so langsam nicht nur die Aufmerksamkeit, sondern sogar die gesamte Attraktion auf das neue Spiel fällt und das Spiel nach den alten Regeln zwar noch gespielt wird, aber immer weniger Akteure anzieht und es auf immer ruinöseren Spielfeldern abspielt.

Das neue Spiel jedenfalls wiederum wird erfasst vom Hype der Zeit, es fasziniert ein Millionenpublikum und es erklimmt neue Höhen. Hier, so kann man lesen, spielt jetzt die Musik und von dort kommen die großen Nachrichten.

Und so passiert es, wie so oft im Leben, dass diejenigen, die sich als mächtig und unangreifbar wähnen, in einem gar nicht so langen und dennoch schleichenden Prozess plötzlich im Schatten der Ereignisse wiederfinden. Verarmt, kaum beachtet, von den strahlenden Spielern des neuen Spieles genauso brutal verachtet wie sie es einst selbst mit denen gemacht haben, die das von ihnen dominierte Spiel einfach nicht gewinnen konnten.

Und in jedem dieser Spiele geht es um Raum und Zeit. Das bleibt.

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2 Gedanken zu „Die neue Seidenstraße

  1. Pingback: Es geht um Raum und Zeit | per5pektivenwechsel

  2. almabu

    Die (weitgehend) freie Schifffahrt und der Seehandel begründeten den Aufstieg des Westens und schließlich dessen Sieg über die diversen Landwege bzw. alte Seidenstraßen. Es war (relativ) sicherer, schneller und es wurde nicht an jeder Brücke, Dorf, Burg, Karawanserei abkassiert. Es konnten auch größere Mengen transportiert werden.

    Das neue Seidenstraßenprojekt macht eigentlich nur Sinn als Anwort auf die aktuelle US-/NATO-Herrschaft der Weltmeere. Die Seewege und Handelsrouten sind seit über zehn Jahren Teil und Einsatzziel der NATO-Doktrin.

    Mit modernster Bahntechnik könnte auch die Lieferzeit von Asien nach Europa im Vergleich zum maritimen-Transport auf 20% der gegenwärtigen Zeit verkürzt werden. Soweit zumindest die Theorie!

    Wenn wir heute aber einmal nur die Landrouten für Öl- und Gasernergie betrachten, die Türkei, Syrien, der Irak, die Ukraine und Polen seien hier nur als Beispiele genannt, die Kämpfe und Kriege, die um diese Routen geführt werden, u.a. weil Anrainer-Staaten die Kontrolle und damit Einflußnahme über diese Pipelines haben, behalten oder bekommen wollen, dann erkennen wir schnell, daß die Neue Seidenstraße von der NATO, den USA und dem UK als ein im Kern feindliches Eurasisches Projekt gegen ihre aktuellen territorialen Kontrollen und Fähigkeiten sowie deren fortwährenden wirtschaftlichen Interessen eingestuft werden und früher oder später offen bekämpft werden wird.

    Die Kassandra der US-Aussenpolitik, „der Untote“ Zbigniew Kazimierz Brzeziński verlangte in seinem Machwerk „The Grand Chessboard : American Primacy and Its Geostrategic Imperatives“, genau die Verunmöglichung eines solchen Projektes…

    Ich wage deshalb hier die Prognose, daß die USA der Verwirklichung dieses Projektes mit aller Macht entgegen wirken würden und unsere Streberin Angela Merkel würde mit freiem Oberkörper und über den Kopf geschwungener NATO-Fahne voraus eilen, Konter-Revolution!

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