B.O. und D.T.

So schnell ändern sich die Zeiten und so schnell ändert sich das Bild, welches einzelne Personen in der Öffentlichkeit gezeichnet bekommen. Erinnern wir uns noch? Da kam einst ein amerikanischer Präsidentschaftskandidat nach Berlin, um eine Rede zu halten. Die damalige wie heutige Bundeskanzlerin konnte ihm kein offizielles Forum bieten, denn er hatte weder einen diplomatischen Status noch war sie sich sicher, ob er ihren Erwartungen entsprechen würde. Während er das dennoch an der Berliner Siegessäule massenhafte Publikum durch seine brillante Rhetorik zu euphorisieren verstand, blieb das offizielle Berlin reserviert.

Das hielt auch während Obamas Amtszeit so an. Eher skeptische Blicke auf sein Agieren, eher verhaltener Applaus auf seine Avancen. Das Bild, das von ihm gezeichnet wurde, entsprach weder dem, das ihm gerecht geworden wäre noch gereichte es dem, was er tatsächlich tat. Vom Tenor her wurde er als ein zu passiver Repräsentant seines Staates angesehen, von dem erwartet worden wäre, mehr den Weltpolizisten, zum Beispiel im Falle Syriens, zu spielen. Dieser Vorwurf verdeckte zum einen die Veränderungen innerhalb der USA, die er in Angriff genommen hatte und er verschleierte zum anderen die stille imperiale Agenda eines Präsidenten dieses Landes. Nie wurden mehr Drohnen abgeworfen und nie wurde in der gleichen Zeit in mehr Ländern der Regimewechsel versucht.

Nichts von alledem ist heute präsent, wenn nur ein halbes Jahr später der ehemalige US-Präsident Barack Obama auf einem Berliner Kirchentag erscheint. Verehrt wie eine Madonnenerscheinung, kommen 70.000, Fähnchen schwingende Christenmenschen auf die Veranstaltung, die er zusammen mit Angela Merkel besucht und huldigen ihn als den wahren Friedensapostel der Neuzeit. Ihm, dem ehemaligen Weichei und Zauderer, ist alles verziehen, ja, manche lassen sich sogar dazu hinreißen, von einem der größten seines Amtes zu sprechen. Wir leben im Land der Superlative, was bedeutet, dass diese auch schnell wechseln.

Ein Grund für diese Absolution ist natürlich sein Amtsnachfolger. Donald Trump, selbst Milliardär und Rächer der Enterbten, gilt im Gegensatz zu Obamas feinen und geschliffenen Umgangsformen als ein Elefant im Porzellanladen. Das Verhältnis seitens der deutschen Politik ist ambivalent. Von den Umgangsformen und seiner direkten Ansprache wird er als extrem unangenehm empfunden, als Weltbulle mit lockerem Schlagstock bringt er endlich das mit, was man bei Obama so vermisst hat. Kalten Auges schlägt Trump auf seine Ziele ein und ohne jede Art von Diplomatie sagt er, was er will. Da erschaudert es so manchen verweichlichten Europäer. Aber irgendwie scheinen sie es auch zu brauchen.

Die Mienen derer, die die Ehre haben, dieses Land zu vertreten, sind das beste Zeugnis für den Gemütszustand, den Donald Trump erzeugt, wenn er Tacheles redet. So geschehen auf dem jüngsten NATO-Treffen in Brüssel, wo er eben keine sülzige Rede über die Gemeinsamkeiten hielt, sondern die Mitgliedstaaten in harten Worten dazu aufrief, ihre bereits getätigten Zusagen in Bezug auf eigene Rüstungsausgaben endlich zu tätigen. Vor allem Merkels Blick war Gold wert: Er zeigte, wie sich ein souveräner und unabhängiger Staat fühlt, wenn er dennoch vor laufenden Kameras geschändet wird. Man hätte meinen können, es handele sich um einen Propagandafilm der viele zitierten Reichsbürger. War es aber nicht. Genauso wenig wie Trumps Vorwurf an die Bundesrepublik, mit ihren Außenhandelsüberschüssen vor allem den USA mächtig zu schaden. Irgendwie wird man den Eindruck nicht mehr los, dass es gar nicht so schlecht ist, was Trump mit seiner bruschikosen Weise macht. Er verdeutlicht, dass vieles nicht mehr so weitergehen kann. Eine triviale Erkenntnis. Aber hier kommt niemand auf diese Idee.

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3 Gedanken zu „B.O. und D.T.

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  2. almabu

    Obama war ganz bestimmt „kein Guter“ und schon gar nicht „der Heilige “ zu dem er posthum gekürt wird. Vermutlich hat er deutlich mehr Menschen auf dem Gewissen als „das Übel, der Putin“, gemeinhin das Synonym für alles Böse…
    Dass Trump vermutlich noch viel krasser sein wird, kann Obamas Handeln nicht nachträglich verbrämen!

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