Mit der NATO in den Krieg?

Es führt kein Weg daran vorbei, sich darüber Gedanken machen zu müssen, ob die Mitgliedschaft in der NATO noch eine Garantie für Sicherheit oder eine Option auf das höchst mögliche Risiko darstellt. Denn passé sind die Zeiten einer bipolaren Welt, in der sich zwei feindliche, vom Gefahrenpotenzial lange vergleichbare Blöcke gegenüberstanden und der berühmte Satz von denen des Sowohl als auch, die als erste eine Kugel im Bauch haben, die Runde machte. Nach dem Zusammenbruch der alten Sowjetunion herrschte für kurze Zeit ein amerikanisch-westlicher Triumphalismus, bevor die neue Welt der Freiheit ihr nicht minder destruktives Gesicht zeigte. Das, was selbst gemäßigte Politiker aus westlichen Demokratien begannen als Raubtierkapitalismus zu bezeichnen, wurde zum Markenzeichen der Epoche nach dem Kalten Krieg.

Die USA, vermeintlicher Sieger aus dem Ringen um Weltherrschaft, hatten allerdings die Schwelle dessen, was dazu beitrug, sich strategisch zu überheben, längst überschritten, was allerdings erst mit der Weltfinanzkrise im Jahr 2008 manifest wurde. Die einzige Supermacht ist innenpolitisch wie weltweit ins Wanken geraten, und jeden Morgen, wenn die Sonne aufgeht, zeigt sich dem taumelnden Riesen eine gewaltige chinesische Kontur, die sich im Licht der Morgensonne genüsslich räkelt.

Untergangsszenarien beruhigen die Seele von Herrschern nicht, und daher haben die USA bereits unter der Regentschaft von Bill Clinton damit begonnen, das alte Feindbild zu reaktivieren und damit die guten alten Zeiten heraufzubeschwören. Unter der Chiffre NATO-Osterweiterung wurde aus einem definierten Beistandspakt aus dem Kalten Krieg bereits in den neunziger Jahren ein wiederbelebtes Aggressionsbündnis gegen Russland. Gerade vor ein paar Tagen wurde mit Montenegro das dreizehnte Land nach 1990 mit in das Bedrohungsszenario gen Osten aufgenommen.

So sehr die USA lange auf die wohltuende nostalgische Wirkung des Bündnisses setzten, so sehr verzettelten sie sich in eigenen Aktionen mit wechselnden Bündnispartnern im Nahen Osten. Eine Agenda von forcierten Regime Changes forcierten das dort herrschende Chaos und schuf so ein Panorama, das sehr an den Vorabend des I. Weltkrieges erinnert: die Komplexität der wirkenden Widersprüche ist kaum noch zu überbieten und die einfältigsten propagandistischen, durch nichts zu beweisenden Hasstiraden finden massenhaft reißenden Absatz.

Das vermeintlich Geostrategische der NATO hat dazu geführt, immer mehr Staaten aufzunehmen oder zu halten, mit denen sich westliche Demokratien in guten Zeiten nicht abgeben würden. Aber die suggerierte allgemeine Kriegsgefahr trieb sie mit ins Bett von traumatisierten Ländern wie Polen und Ungarn und hielt sie bei der Stange mit einer rasend in einen zeitgenössischen Faschismus abgleitenden Türkei. In allen Fällen gilt der NATO-Passus des Bündnisfalles. Was das bei einem Land wie der Türkei heißt, wird immer deutlicher.

Vieles spricht dafür, dass die NATO eher zu einem Kriegsgaranten denn zu einem Kriegsverhinderer geworden ist. Da empfiehlt es sich, die eigene Interessenlage noch einmal auf den Punkt zu bringen: Geht es um riskante, mit militärischen Mitteln erwirkte Zugriffsrechte auf Ressourcen und Märkte, oder geht es um eine gesicherte Landesverteidigung? Auf letzteres, das ist die bittere Erkenntnis, ist die Bundesrepublik nicht vorbereitet. Da war der Schutzschirm der nun schlingernden und immer gefährlicher werdenden Supermacht USA lange Zeit einfach zu bequem. Nun kommt das böse Erwachen. Nachträglich allerdings in die NATO-Kassen zu zahlen, wofür die schneidige Verteidigungsministerin steht, wäre allerdings die schlechteste aller Optionen.

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6 Gedanken zu „Mit der NATO in den Krieg?

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  2. almabu

    Ich sehe das genau so wie hier beschrieben. Wir sind allerdings bereits in einem sich beschleunigenden Prozess, hin zu kriegerischen Auseinandersetzungen der NATO, zumindest einzelner Mitgliedstaaten und werden unvermeidlich auf die eine oder andere Art mit hineingezogen werden.

    Zwar bedeutet die Anrufung des berühmt/berüchtigten Artikel 5 keine automatische, direkte militärische Involvierung der Mitglieder, diese entscheiden „theoretisch“ selbst wie, wann, wo, womit und wie lange sie Solidarität üben. Sie würden im Ernstfall aber erheblichem Druck der anderen NATO-Partner speziell der USA ausgesetzt sein, den eine deutsche Bundesregierung wohl kaum aushalten dürfte? Die Änderung der NATO-Verträge, hin zu weltweiten Einsätzen aus geostrategischen und ökonomischen Gründen, die Änderung der Bundeswehr in eine Freiwilligen- und Söldnerarmee waren Kardinalfehler auf diesem Weg. Einen Gruß an dieser Stelle an unseren kürzesten Sparkassen-Bundespräsidenten aller Zeiten Horst Köhler, der dies laut sagte und dann plötzlich nicht mehr wollte?

    Ob es nun zuerst in oder um die Ukraine knallt oder zuerst im Mittleren Osten zwischen den von der NATO verstärkten Scheichs und dem Iran, möglicherweise von Russland unterstützt, ist dabei zweitrangig! Bei der nächsten Krise der Ukraine, gerne auch von Schoko-Poro oder anderen US-Lakaien ausgelöst (gibt es eigentlich diesen Armenier „Sackarsch-Willi“ (phonetisch!), den Ex- Gouverneur von Odessa, noch oder haben die Amis den gerade woanders geparkt? Wenn es unter dem atomaren Level gehalten werden kann und dabei gleichzeitig die EU, speziell die Deutschen, die Iraner und die Russen schwächt, dann sehen die Trump-USA dies als eine der so beliebten win-win-Situationen.

    Leider haben Kriege bekanntlich die dumme Eigenschaft, daß man zwar ihren Anfang, nicht aber ihr Ende oder gar ihren Ausgang bestimmen kann. Das werden zwar auch die USA noch lernen, für uns seit 72 Jahren friedensverwöhnte Mitteleuropäer könnte dieser Lernprozess der Amis aber zu spät kommen?

    Selbst ganz ohne scharfe Schüsse, stellen wir uns einfach vor, es strömten nach Beginn dieser Konflikte die Zangengleich gegen Russland via Iran gerichtet sind, ein. zwei Millionen visafreie Ukrainer und ein, zwei Millionen visafreie Türken und dazu ein paar Millionen Betroffener aus anderen EU-Staaten als Flüchtlinge nach Deutschland, deren Status von uns weder geprüft noch in Frage gestellt werden kann, die sich dann alle aus vollem Recht hier aufhalten würden? Dann würde hier nichts mehr funktionieren, ohne daß ein einziger Schuss fallen müsste. Wir wären dann nur ein Kollateralschaden…

  3. almabu

    Ein theoretischer NATO-Austritt durch Deutschland und/oder Frankreich würde vermutlich auch die EU irreparabel beschädigen? Der so urplötzlich betriebene BREXIT scheint aus UK-Sicht mit einem geplantem Krieg in Europa in ursächlichem Zusammenhang zu stehen. Ob es die Briten retten würde, formell nicht mehr Teil dieses Europas zu sein, stünde auf einem anderen Blatt?

  4. alphachampagner

    Ist hier der Wunsch der Vater des Gedankens ? Die Kommentatoren kommen mir vor wie Statler und Waldorf .
    Wenn der „Krieg hier herbeigesehnt“ wird und durch das aktive Eingreifen der Schreiber nicht verhindert werden kann, dann gibt es nur eins. Auswandern, Auswandern und vorher seine Guthaben sichern.Adorno war so weitsichtig.
    P.S.:
    Ich bin schon vor Jahren enfleucht.

  5. almabu

    Je nachdem wohin man „entfleucht ist“ würde sich die Situation eines Emigranten auch dann evtl. ändern, wenn es die rechtliche und wirtschaftliche Stabilität seines Ex-Heimatlandes nicht mehr gäbe. Einfach abhauen scheint zwar zunächst naheliegend, ist aber keine Garantie auf körperliche und/oder materielle Unversehrtheit im Exil.

  6. alphachampagner

    Bitte lesen sie meinen Beitrag nochmals durch (Guthaben sichern). Adorno ist auch nicht einfach „abgehauen“.Er lebte im Exil jedoch „etwas“ sicherer .Eine Garantie auf div. Unversehrtheiten im Leben gibt leider nicht !

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