Symbolpolitik

Es hatte sich auch in diesem Fall angedeutet. Das Paradigma unserer politischen Kultur wird erneut bedient. Es handelt sich um Symbolpolitik. Nichts, dass die Themen, die von ihr behandelt werden, von keiner Bedeutung wären. Sie spielen tatsächlich eine Rolle. Die Aufmerksamkeit, die sie auf sich zeihen, steht allerdings in keiner Relation zu dem, was uns wirklich beschäftigen sollte. Beim G20, der momentan das große Publikum beschäftigt, ging es um Klimawandel, Kriege, Freihandel und Armutsbekämpfung. Die Diskussion um das, was auf und um den G20 passierte, spielt keine Rolle, sie dreht sich in Deutschland nahezu komplett um die Krawalle. Weder in Frankreich, noch in Italien oder in Großbritannien spielen diese Krawalle eine besondere Rolle, man befasst sich mit den Ergebnissen. Bilanzierte man diesen G20-Gipfel nach dem jetzigen deutschen Maßstab, dann wäre die Bilanz noch verheerender, als sie schon ist. Nahezu alle Gipfel wurden von Krawallen begleitet, insofern müsste man, wäre man konsistent, von einem turnusmäßig wiederkehrenden Krawall-Gipfel sprechen. Die Rolle der Symbolpolitik führt auf diese Fährte, und sie ist irrig.

Die Themen, die in unserem Land die Rolle dessen einnehmen, was unter Symbolpolitik zu verstehen ist, füllen mittlerweile eine lange Galerie der Absurditäten. Nur aneinandergereiht dokumentieren sie Hysterie wie Weltfremdheit gleichermaßen: Waldsterben, Borkenkäfer, Tschernobyl, Dosenpfand, Homo-Ehe, Rauchverbot, Helmpflicht, Fukushima, Kopftuch-Verbot, Obergrenze. Die Liste lässt sich verlängern, aber jeder Begriff für sich zeigt, das er eine eigene politische Wertigkeit besitzt, die nicht abgesprochen werden soll, dass allerdings die Hitze, mit der über ihn diskutiert wurde und der Raum, den er jeweils einnahm, in keiner Relation stand und steht zu den Ereignissen, die tatsächlich eine existenzielle Relevanz haben.

Und dann reden wir über genau das, was auf G20 auf der Agenda stand. Da ging es, man kann es nicht oft genug wiederholen, um das Weltklima, das sich dramatisch verändert, woran die dort versammelten Nationen maßgeblich beteiligt sind und von dem die ganze Welt betroffen ist. Vor dem Ausscheren der USA hat sich das Gremium nicht mit Ruhm bekleckert, jetzt dominiert die Version, alles läge an den USA. Dass der freie Markt und der Industrialismus die Triebfedern dieser Entwicklung sind, findet in dieser Erzählung keinen Raum. Daher sind auch keine Ergebnisse zu erwarten. Analog verhält es sich mit der nicht auf den Weg kommenden Armutsbekämpfung. Wie sollte ein System, das auf Spekulation und Schuldknechtschaft beruht, ein Interesse daran haben, die Abhängigkeit armer Länder, die über Rohstoffe verfügen, aufzulösen.

Aus dem Agglomerat von Armut und Rohstoffen resultiert das Streben nach Hegemonie, Dominanz und das Führen von Kriegen. Sehen wir uns nur das letzte Jahrzehnt an. Alle Kriege hatten die genannten Motive, alle Kriege haben die Welt destabilisiert und die Initiatoren dieser Kriege versammeln sich bei G20. Wo ist der große Wurf, um diese irrsinnige Logik zu durchbrechen? Ist er aus diesem Gremium heraus zu erwarten? Eher nicht, und deshalb wohl denen, die über ein Instrument der Symbolpolitik verfügen und das Volk sich daran abarbeiten zu lassen.

Ist es ein Zeichen gesellschaftlicher Dekadenz? Wenn der Dosenpfand einen höheren Stellenwert einnimmt als die ökologische Verwüstung ganzer Erdteile? Und kommt mir nicht mit der Komplexität der Welt und dass die Dosen die Ursache sind! Sie sind der schamlose, dreiste und höhnische Versuch, die Gesellschaft für dumm zu verkaufen. Streiten wir weiter über Nichtigkeiten, sie werden sicherlich die nächsten Katastrophen und Kriege überstehen.

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3 Gedanken zu „Symbolpolitik

  1. Pingback: Symbolpolitik — form7 | per5pektivenwechsel

  2. almabu

    Kann diese Symbolpolitik in Deutschland mehr oder weniger gewissen politischen Parteien zugeordnet werden, oder besteht da ein Konsens unter diesen in unserer Schein-Politik?

  3. Nitya

    Symbolpolitik ist kein Thema dieser Republik und dieser Zeit. Das, was Jesus bei Matthäus seinerzeit den Priestern gesagt hat, gilt im Grunde für die Priester aller Religionen auf der Welt und für die Politiker in gleicher Weise: „Weh euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler, die ihr das Himmelreich zuschließt vor den Menschen! Ihr geht nicht hinein und die hineinwollen, lasst ihr nicht hineingehen.“

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