Der Kampf mit dem Reputationsverlust

Zunächst wurde alles kategorisch bestritten. Aber die Wucht der Auseinandersetzung hat anscheinend doch dazu geführt, dass sich die öffentlich-rechtlichen Medienanstalten seit den Krisenjahren 2014/15, in denen ein Umsturz in der Ukraine und ein Krieg in Syrien dafür sorgten, dass Weltbilder und Betrachtungsweisen aufeinanderprallten, nun mit ihrem Prestigeverlust befassen. Und die Position, die einige hierzulande renommierte Nachrichtensendungen in den beschriebenen Konflikten einnahmen, waren nicht das Ergebnis sorgfältiger journalistischer Recherche. Man hatte sich mit der Sicht der amtierenden Bundesregierung gemein gemacht. Etwas, wovor die Existenz dieser Institutionen dezidiert schützen soll. Und genau das ist in einer ersten Krisensituation nicht gelungen. Nicht bei der Ukraine, nicht bei den Migrantenbewegungen und auch nicht bei den alles andere als sympathischen Entwicklungen innerhalb der EU.

Diese teilweise einseitige Positionierung hat zu einem Reputationsverlust geführt, der teilweise als erheblich bezeichnet werden muss. Die Reaktion darauf ist immer noch unbeholfen, weil Nachrichtenredakteure immer von ihrem Handwerk sprechen, dass sie gelernt haben und dass es für sie unvorstellbar sei, dass irgend ein Politiker von Einfluss bei ihnen anrufe und sie bitte, über eine bestimmte Sache in einer besonderen Weise zu berichten. Wäre es nicht tatsächlich naiv, so könnte man zornig werden. Mit derartigen Formulierungen fährt auch der ZDF-Nachtportier Klaus Kleber über Land und befragt die Menschen, ob sie sich das so vorstellten. Dabei weiß er es selbst am besten: Dass die Think Tanks aus den USA, die mit Meetings und Reisen belohnen, die Foren sponsern und die Meinung bilden, hunderte von Mitgliedern aus dem öffentlich-rechtlichen Sektor haben. Und wenn man sich Klebers Position in der Ukraine ansieht, dann sieht man, was die Transatlantikbrücke dazu denkt. Recht schlicht, und auf Dauer sind es diese Analogien, die die öffentlich-rechtlichen Medien gefährden. Wie kann es sein, dass ein leitender Redakteur einer leitenden Nachrichtensendung in einem solchen Think Tank renommiertes Mitglied ist?

Seien wir nicht ungerecht und schütten wird das Kind nicht mit dem Bade aus! Wer sich öfters im Ausland aufhält und eine Ahnung davon hat, wie es sich anfühlt, wenn es keine öffentlich-rechtlichen Rundfunk- und Fernsehanstalten gibt, der weiß eine solche Institution zu schätzen. Der ganze, von Werbung durchsetzte Trash, der da auf die ungeschützten Individuen nieder hämmert, ist kaum zu ertragen und vermittelt das Gefühl, in einer Kulturwüste zu sein. Wer es nicht erlebt hat, mag es kaum glauben. Von morgens bis abends Triviales, das sich lediglich nach unten überbietet. So sieht es aus und hört es sich an, wenn die unsichtbare Hand des Marktes ihre wundervolle, so oft gepriesene Regie führt. Kaufaufforderungen bis zum Erbrechen, nichts Kritisches und nichts Erbauliches.

Die bestehende Form der öffentlich-rechtlichen Rundfunk- und Fernsehanstalten sind vor allem ein Erbe der britischen Besatzer. Sie hatten, analog zu ihrer eigenen BBC, die positive Erfahrung gemacht, dass gesellschaftliche Identität abgebildet werden kann, wenn sich eine politisch nicht beeinflussbare Interaktion zwischen Nachrichtenproduzenten und einer interessierten Öffentlichkeit bilden kann. Das ist ein historisches Erbe und ein hohes Gut. Umso verwerflicher ist es, wenn zugelassen wird, dass durch amerikanische U-Boote diese Institutionen nachhaltig beschädigt werden können. Das, und nicht diese blödsinnige Diskussion um eine Zwangsabgabe, sollte im Zentrum der Kritik stehen. Warum screent man nicht die Redaktionen auf die Mitgliedschaft in diesen demokratie-feindlichen Ideologieschmieden, in denen von Weltherrschaft und der Besetzung Russlands als Ressourcenlieferant geschwafelt wird. Das könnte alles ganz schnell gehen und zeigen, dass der Auftrag immer noch ernst gemeint ist.

6 Gedanken zu „Der Kampf mit dem Reputationsverlust

  1. Pingback: Der Kampf mit dem Reputationsverlust — form7 | per5pektivenwechsel

  2. almabu

    Ich sehe das genauso! Ich würde sogar einen Schritt weiter gehen und behaupten, daß keiner an die Spitze dieser Öffentlich-Rechtlichen Medien kommt, der nicht zuvor seine Zeit in Washington und oder New York zur Zufriedenheit seiner Entsender und der Gastgeber abgeleistet hat! Ich bin mir nur nicht sicher, ob diese Leute in die USA entsandt wurden, weil sie für größere Aufgaben eingeplant worden sind, oder ob sie sich erst in den USA für die Top-Jobs qualifiziert haben. Dann fällt mir da noch dieser ARD-Fuzzy ein, der nach der Fälschung eines Putin-Interviews durch entsprechenden Zusammenschnitt Karriere machte. Der Name dieses „ungläubigen Thomas“ ist mir entfallen, er war ähnlich wie die Farbe auf die der Stier buchstäblich „Rot sieht“ und entsprechend reagiert 😉

  3. fibeamter

    Ich hätte hierzu eine Frage: Ist dieses Verhalten evtl,. der Grund, dass ich auf meine Petition „Bundesstaat Europa“ kaum zustimmende Kommentare erhalte. Obwohl die Grundlage ein Urteil des BVerfG ist. Aber wie sagte bei einer Tagung der Referent EU und (CDU-Mitglied) , als sich ihn auf die geringe Kompetenz der EU-Organe hinwies. Wir in Europa können uns doch nicht nach jedem Verfassungsgericht richten. Soviel zur Achtung vor dem höchsten deutschen Gericht. Bei soviel Arroganz darf man sich dann über die geringe Wahlbeteiligung und die Erfolge der AfD nicht wundern. Ich erinnere an Art. 20 Grundgesetz: Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus. Und wie verhalten sich die „Volkspartein?“

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.