Es sollte sich nicht wiederholen!

Jetzt haben wir es gehört. Wie das rassistische Design den Weg zum Rednerpult des Bundestages gefunden hat. Es ging nur um den ersten Satz. Um mehr nicht, aber auch nicht um weniger. Als AFD-Vorstand Alice Weidel, ihrerseits akademisch gebildet und Mitbetreiberin einer Unternehmensberatung, zum Thema Regierungshaushalt ihre Rede eröffnete, wusste sie, dass es nur auf den ersten Satz ankam, um ihre Botschaft zu senden. Und so bezog sich dieser Satz auch nicht auf die Regierung und ihre politische Ausrichtung, sondern auf diejenigen, die ihrerseits die Verantwortung dafür tragen sollen, dass der Sozialhaushalt nicht solide finanziert werden kann.

Weidel sprach dabei von „Kopftuchmädchen, Messermännern und sonstigen Taugenichtsen.“ Das war klug, das war sehr klug, denn die gewählten Substantive trafen genau das, was als dumpfe Mischung dazu geeignet ist, ein Feindbild zu schaffen, das es in sich hat. Es ist genderdiffamierend, es ist rassistisch und es ist anti-solidarisch. Das ist ein Design, das wir seit den Nazis so kennen. Damit spielt man nicht. Und wer damit spielt, dem muss das Handwerk gelegt werden. Politisch, wirtschaftlich und strafrechtlich. Brandfackeln wie Alice Weidel einfach weiter so flackern zu lassen mit dem Verweis auf demokratische Rechte, ist so, als ermunterte man sie nur dazu, weiter mit dem Ölkännchen auf Tournee zu gehen.

Aber machen wir uns nichts vor. Das ist die eine Seite, die besorgen muss. Die andere ist die, sich einer Politik hinzugeben, die sich als moralisch überlegen und alternativlos wähnt, obwohl sie voller Unzulänglichkeiten ist. Zu vieles ist in den letzten Jahren nicht mehr erklärt worden, zu vieles strotzt voller Widersprüche, als dass sich nicht zunehmend viele Menschen als Opfer einer Machtarroganz fühlen, derer sie überdrüssig sind. Der Kampf gegen diese Art der Arroganz ist ebenso erforderlich wie der Kampf gegen den klug designten, aber auf die Dumpfheit abzielenden Faschismus.

Unterm Strich steht eine Summe, die ebenfalls nicht neu ist, mit der im Hier und Heute jedoch niemand gerechnet hat. Es ist die Erkenntnis, dass die beiden Triebkräfte des Faschismus der Elite entstammen. Es ist die Dominanz der Schamlosigkeit, die auf beiden Seiten vorherrscht. Die einen sich schamlos an der eigenen Macht und am eigenen Reichtum labend, die anderen schamlos auf die Wut und Demütigung der Übervorteilten spekulierend. Das ist es, was als Kern des Problems zu identifizieren ist.

Auch das ist nicht alt, aber das Wissen um seinen Bestand muss beflügeln. Es geht darum, schnellstens den Kampf gegen beide Flügel der Elite zu führen. Es reicht nicht, sich den Mächtigen anzuschließen, um die Hungrigen zu bekämpfen. Die Mächtigen müssen lernen, dass sie kein anderes Schicksal erwartet als diejenigen, die jetzt mit böser Zunge am Feuer spielen.

Die Abwehr dessen, was als Phalanx von Faschismus und Krieg zu begreifen ist, kann nur mit einer Doppelstrategie zum Erfolg führen: Die Neoliberalen wie die Neofaschisten gehören in einen Sack. Wer sich von nur einer Seite instrumentalisieren lässt, steht nachher geschlagen und beraubt auf freiem Feld. Auch das ist bekannt, altbekannt. Aber es sollte sich nicht wiederholen!

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9 Gedanken zu „Es sollte sich nicht wiederholen!

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  3. westendstorie

    Es ist nicht lange her, da sagtest du zu mir “seh nicht alles schwarz“… sind wir nun beim realen Grau angekommen? Ich frage mich hin und wieder, was passiert wenn all die ängstlichen Gedanken Realität werden. Wenn die Straßen leer gefegt sind und die echte anfassbare Angst in unserem noch grünen Sofa Deutschland einkehrt….
    💙

  4. jheinke

    Sie wollen die Eliten, also die Besten von uns, bekämpfen?
    Sie wollen ebenso die Liberalen, also die Kämpfer für die Freiheit, bekämfen?
    Und Sie haben dabei den Bereich, der für die größten Massenmorde der Geschichte, die schlimmste Unterdrückung der Freiheit, die größte Vernichtung von Wohlstand verantwortlich ist, gar nicht angesprochen – die Sozialisten und Kommunisten?
    Na, dann ist ja alles klar bei Ihnen.

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