Betriebskultur und Führungsqualität

Jeder Mensch, der sich in Organisationen bewegt, ob sie der Arbeit dienen oder welche Zielausrichtung sie auch immer haben, jeder Mensch macht in Organisationen Erfahrungen in Fragen der sozialen Verkehrsformen, des Umgangs miteinander und der Art und Weise, in der die Organisation geführt wird. Da die Arbeitsorganisationen die meisten Menschen dieses Landes erfassen, dürften diese auch die bestimmenden sein in dem, was man, wiederum landestypisch, die jeweilige Kultur und die Führungsphilosophie nennt. Und selbstverständlich existieren von Unternehmen zu Unternehmen große Unterschiede. Dennoch sind sie die alles bestimmende Instanz. Das, was die Menschen in den Unternehmen lernen oder gelernt haben, reproduzieren sie in den anderen Organisationen, in denen sie sonst noch unterwegs sind, ob beim Sportverein, bei den Kleingärtnern oder in der politischen Partei.

Industriebetriebe sind aufgrund der Verwendung der Ressourcen massenhafter Arbeitskraft und großer Materialmengen eo ipso sehr straff organisiert. Sie haben die Prinzipien des Umgangs wie der Führung zumeist genau beschrieben und verschriftlicht, dort gelten die Regeln und Prinzipien, die man sich gegeben hat. Bei kleinen Unternehmen ist das oft anders, da existiert in nicht wenigen Fällen noch ein Patriarch, der alles bestimmt und auf den alles ausgerichtet ist. Ist das ein guter Mensch, so haben die Beschäftigten Glück, ist es ein Despot, haben sie Pech. Wiederum andere Betriebe lassen vieles zu, weil sie sich der kreativen Branche zurechnen und gerade von dem Unerwarteten leben. Das bewahrt deren Führungskräfte nicht vor einer großen Verantwortung, denn auch kreative Mitarbeiter haben ihre Erwartungen, was gerade in diesem Milieu leider oft vergessen wird oder gar nicht erst bekannt ist.

Anders herum sind die Beschäftigten daran interessiert, dass das, was in dem Unternehmen gilt, auch tatsächlich gelebt wird und sie sich an dem orientieren können, was als Kodex festgeschrieben ist. Das schafft Verlässlichkeit und vermindert den Stress, der durch Ungewissheiten entsteht. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben den Anspruch, dass der Umgang untereinander wie mit der Führungsebene fair vonstatten geht, dass man sich gegenseitig respektiert und vertraut. In diesem Falle signalisieren sie Loyalität gegenüber dem Unternehmen und seinen Verantwortlichen. Ist dieses allerdings nicht der Fall, artet der Konkurrenzkampf in Mobbing aus, sind die Regeln zynische Wortspielereien und ist ansonsten alles erlaubt und lassen die Führungskräfte im Krisenfall die Beschäftigten fallen und stehen sie nicht loyal zu ihnen, dann befindet sich das Unternehmen bereits in einer schweren Systemkrise, die in der Regel von der „unsichtbaren Hand“ des Marktes bereinigt wird. Es verliert Mitarbeiter, die Produkte und der Ruf werden schlechter und die Stellung am Markt siecht dahin.

Selbstverständlich kann eine solche Betrachtung nicht 1:1 auf das politische System übertragen werden, aber um zu verdeutlichen, mit welcher Kultur wir es momentan dort zu tun haben, taugt ein solcher Vergleich doch: Da wird in Bremen eine Stelle des BAMF beschuldigt, fehlerhaft Aufenthaltsgenehmigungen für Asylsuchende ausgestellt zu haben. Und sehr schnell reagiert das System so, dass sich alles auf eine Mitarbeiterin konzentriert, die fehlerhaft gehandelt haben soll. Der ehemalige Leiter des Kanzleramts, damals verantwortlich, weist alles Vorwürfe von sich und zeigt mit zitternden Fingern auf den damaligen Innenminister. Der neue Innenminister entschuldigt sich mit der Gnade der späten Berufung, zuckt mit den Schultern und lässt die Chefin des BAMF antanzen. Dieselbe wiederum zeigt nach unten. 

Da wird eine „Kultur“ transparent, sowohl des Umgangs wie der Führung, die sich darüber wundert, dass viele Menschen sie kopfschüttelnd ablehnen. Noch Fragen?

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4 Gedanken zu „Betriebskultur und Führungsqualität

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  2. Sven Meier

    Moin.
    Nein, keine Fragen. Nur die Bestätigung, dass Behörden (meist) genau so funktionieren. Bei uns gab es einen Spruch dazu: „Wer nichts sagt, wird Rat. Wer gar nichts sagt, wird Oberrat.“
    Noch Fragen?

  3. almabu

    Im konkreten Fall Bremen sagte der Anwalt der Beschuldigten im TV, daß es für das Handeln der Frau und der ganzen Organisation klare, eindeutige Anweisungen von Oben, aus Nürnberg gegeben habe, daß Kommunen z.B. aus Niedersachsen, Flüchtlinge mit Bussen nach Bremen delegierten und daß es konkrete Gruppen gegeben habe, die nicht einmal persönlich anwesend sein mussten, sondern Anträge per ausgefülltem Fragebogen durch Dritte überbringen konnten und zwar legal innerhalb der konkreten Anweisungen aus Nürnberg…

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