Erste Lehren aus den Hundstagen

Jetzt sind sie wieder da. Die Hundstage. Und anders als in manchem Jahr davor, werden sie von den Temperaturen her endlich einmal wieder dem gerecht, wie es gemeint ist. Die Hitze drückt. Die Hitze macht den Menschen immer mehr zu schaffen. Die Hitze steigt immer weiter. So langsam kommen die Routinen zum Erlahmen, es neigen sich die Aktivitäten in den tiefen Schatten. Und irgendwann sehnen sich die Gequälten danach, gleich den Hunden irgendwo herumzuliegen und vor sich hin zu dämmern. Ab und zu zucken noch die Gliedmaßen, die auf Bewegung programmiert sind, aber der allgemeine Stillstand erfordert nichts mehr. Wenn alles gut läuft, so kann das Paradoxon bemüht werden, wenn alles gut läuft, dann steht die Welt still.

Und obwohl die äußeren Bedingungen alles hergeben für gute, gelungene Hundstage, so fügen sich die Ereignisse gar nicht in die vorgesehene Dramaturgie ein. Auftakt war eine große, für die Merkel-Ära ungewöhnlich große Demonstration in München, die die Agenda der einstmals übermächtigen CSU im Land ins Visier nahm und damit das ins Visier nahm, was sich immer mehr Politiker zunutze machen wollen. Der Trend ins Völkische, der gute Wahlergebnisse zu versprechen scheint, ist bei der CSU und ihrem Heimatminister besonders ausgeprägt, oder genauer gesagt, er ist das Kalkül, auf das sie setzt. Und genau davon haben immer mehr Menschen die Nase voll. Wenn es sie mobilisiert, wie im Falle München, umso besser. Dann haben auch die faulen Hunde, die am Himmelsbild flimmern, genug Gnade, um es kräftig regnen zu lassen. Das sind Zeichen, die ernst genommen werden müssen. Der Himmel plädiert für den Aufstand.

Und als käme alles aus demselben Regiebuch, da twittert der gut Mesut Özil seinen Ärger in den Äther. Er, der aus dem Banlieue Gelsenkirchen stammt und seit vielen Jahren im Ausland lebt, machte das in englischer Sprache, um den daheimgebliebenen Provinznaturen zu signalisieren, dass er bereits weit über ihrer provinziellen Begriffsstutzigkeit steht. Diese haben das aber gar nicht so begriffen, denn sie führten ein Stück auf, das schlimmer und erbärmlicher nicht hätte ausfallen können. Am Ende, am Ende stand genau das Deutschtum, das verhindert, den Sprung in die Moderne tatsächlich zu vollziehen. Wie armselig sind da die Appelle, sich das, nein unser Land zurück zu holen. Von wessen Deutschland sprechen sie? Von dem der Verlierer, die schon einmal einem falschen Traum gefolgt waren.

Und noch hündischer, bis auf eine klitzekleine Ausnahme, ist die Reaktion dessen, was bereits zum Mythos erhoben worden war: Die Mannschaft. Diese hat, wie gesagt, bis auf einen Tweed von Boateng, der sich von einem Bruder mit den Worten verabschiedete, dass es ihm eine Ehre gewesen sei! Das hatte Stil, und vieles spricht dafür, das nicht nur der beste, vielleicht sogar der einzige Wunschnachbar eben dieser einstige Underdog aus dem armen Berlin sei. Aber der Rest? Der Kapitän? Wie die unsicheren Welpen haben sie sich unter dem Sofa versteckt. Der Spirit, den eine Mannschaft braucht, um erfolgreich zu sein, den lassen sie vermissen. Im alten Sprachgebrauch muss ihnen vermittelt werden, dass sie sich hündisch benehmen, auch wenn der Spezies mit diesem Bild etwas Unrecht getan wird.

Was lernen wir also, bereits in diesem frühen Stadium der Hundstage? Heult nicht mit den Wölfen, um als Hunde zu überleben! 

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3 Gedanken zu „Erste Lehren aus den Hundstagen

  1. gerhard

    Da wird er sich Vereins-intern wohl noch was anhören dürfen für seinen Tweed, der Herr Boateng. Von seinem Steuerhinterzieher-Präsidenten, der zu der Nummer den mit Abstand erbärmlichsten Kommentar ablieferte…

  2. Achim Spengler

    Julian Draxler und Antonio Rüdiger haben sich ebenfalls zur Causa Özil geäußert. Aber Sie haben Recht, der Rest der Mannschaft scheint sich in den Rossbreiten aufzuhalten, wo kein Lüftchen sich regt und keine Nachricht über den Äther geht.

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