Zurück in die Heimat!

Die demokratische Legitimation ist das Problem! Wenn die Entwicklung erst einmal so weilt fortgeschritten ist, dass dieses Statement gemacht werden muss, dann ist es fünf vor Zwölf. Die Avancen des Innen- und Heimatministers an die rechte Renaissance sind so hemmungslos, weil er als alter Taktiker der CSU daran glaubt, durch eine Kopie das Original ersetzen zu können. Es geht um die Wahlen! Um bei diesen gut abschneiden zu können, dafür macht er nun alles, und nicht nur er, sondern seine ganze Entourage. Dass dabei die Gesellschaft tief gespalten wird, gehört nicht zu den Erwägungen dieses Mannes, der, von seinem Psychogramm her, alles macht, um bestätigt zu werden und die Macht weiterhin geliehen zu bekommen. 

Sich darüber aufzuregen ist das eine. Dem ein Ende zu bereiten, ist das andere. Man kann beklagen, wie viele der Mitbürgerinnen und Mitbürger diskreditiert werden, wenn der Minister im Amt von ihnen als dem Hauptproblem spricht. Aber es geht nicht um Wahrheit. Und genau das ist das Problem. Nicht, dass manche Friedhöfe im Ruhrgebiet anmuteten, als sei man in Warschau und andere in Berlin wiederum suggerieren,  man befände sich in Paris. Nein, bitte nicht auf diese ideologische Finte eingehen, sie führt in die Verwerfung derer, die von ihren Interessen her zusammenstehen müssten.

Dem Innenminister sei folgendes geantwortet: Das eigentliche, das wirkliche Problem, ist ein Wirtschaftsimperialismus, über den nicht geredet werden darf, höchstens mal in der romantischen Bezeugung, man sei Exportweltmeister. Wer so viele Waren produziert, der braucht Ressourcen und Märkte. Die Rolle des Weltproduzenten hatten die USA nach dem II. Weltkrieg Deutschland und Japan zugewiesen, vom Know How dazu in der Lage, aber als Besiegte gut steuerbar. Die USA haben Jahrzehnte für alles gesorgt, was Wirtschaftsimperien bedurften. Nun haben sie sich aus dieser Rolle verabschiedet und wir müssen entscheiden, ob wir selber dafür sorgen, oder ob wir, wenn wir nicht in Kriege und Raubzüge verwickelt werden wollen, die Gesellschaft umzusteuern haben.

Der Innenminister steht nicht für diese unangenehme Wahrheit. Für ihn ist klar, dass man sich das Öl und Gas und die Seltenen Erden dort holt, wo sie sind. Dass das mit Drohnen und Bombenteppichen geschieht, dass dort Kriege dazu führen, sich in Bewegung zu setzen und sein Heil woanders zu suchen, und dass die schöne neue Welt bis in den letzten Winkel dieser Erde mit seinen Werbung und Propaganda vom besseren Leben wirkt, darüber sollen wir nicht nachdenken und nicht sprechen. Zu den Rohstoffen gehören auch Arbeitskräfte. Das waren Polen, das waren Italiener, das waren Türken und Menschen vom Balkan. Sie sind die Mutter aller Probleme?

Der erneute Ausfall des Innenministers lässt nur einen Appell zu: Gehen wir nicht mehr auf die plumpen Versuche ein, von den wesentlichen Fragen abzulenken. Warum beteiligen wir uns an einem Krieg in Syrien, bei dem es in erster Linie um die Weigerung Assads geht, dem Bau einer Gas-Pipeline von Katar nach Europa durch syrisches Gebiet zuzustimmen? Ist der Preis der Millionen Kriegsflüchtlinge in Ordnung, um an dieses Gas zu kommen? Es wäre aufschlussreich, eine Antwort dazu zu bekommen. Das tägliche Gewürge auf den Bundespressekonferenzen vermittelt darüber einen Eindruck. 

Und der Innenminister, der muss zurück in seine Heimat migrieren. Sofort!  

Advertisements

6 Gedanken zu „Zurück in die Heimat!

  1. Pingback: Zurück in die Heimat! — form7 | per5pektivenwechsel

  2. Ulli

    Wie ich Ihre Beiträge schätze! Und wie ich anderes nicht wertschätzen kann, nein das geht gar nicht, und ein Heimatminister sowieso nicht! Danke.

  3. Bludgeon

    Man kann später nicht sagen, man hätte es nicht gewusst.

    Dieser Satz wird gemeinhin gern mit anderen Sachverhalten verknüpft, die wir zur Genüge kennen.

    Die wirklichen Hetzjagden finden täglich statt. Aber nicht in Chemnitz (wo sie die Presse sucht und notfalls erfindet) sondern auf den Fluchtruten. Und die Hools dort brüllen keine Sprüche, und tragen kein Kapuzenshirt, sondern Nadelstreifen und wenden EPA an und gucken bei Frontex ab und an mal weg.

    Ich bin für ein Hosen-Konzert an der Südküste von Sizilien. „Wir sind mehr!“ Illusion. Leider sind wir eben nicht „mehr“, sondern eine verschwindende Minderheit, die diese Wirtschaftszusammenhänge begriffen habt – und passiv bleibt. Bis auf die Blogbeiträge.

  4. monologe

    Richtig, wo sind oppositionelle Medien? Was Seehofer gesagt hat, ist Realität, ob einem das gefällt oder nicht. Natürlich kann man Systeme als eigentliche Ursachen sehen, und da sieht man auch die Realität und damit das ewig gleiche Spiel: Absatzmärkte verwandeln sich in Kriegsschauplätze, die sich hierauf wieder in Absatzmärkte verwandeln – solange sich das System nicht ändert. Aber wer will das schon? Seehofer verursacht nicht die Spaltung der Gesellschaft, er benennt sie, er ist der unangenehme Bote, wobei das, was er benennt, nicht der einzige Riss ist, der durch diese Gesellschaft, ja, durch die Individuen geht.

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.