EU: Ihre Tollität und der Totalitarismus

Wer erinnert sich nicht mehr an die Zeit vor den Europawahlen, als mit einem ungeheuren Aufwand für die EU als einem ur-demokratischen Projekt geworben wurde und nie der Verweis fehlte,  es handele sich auch um ein gigantisches Friedensprojekt. Viele Menschen haben sich davon betören lassen und im Netz sogar ihr Konterfei von Eurosternchen umschwärmen lassen. 

Nach der Wahl sah bereits nach kurzer Zeit alles anders aus. Die vorher so gepriesenen Direktkandidaten für den Kommissionsvorsitz spielten keine Rolle mehr und ausgerechnet die als Scharfmacherin profilierte, als Ministerin desavouierte von der Leyen machte das Rennen, mit Zustimmung des ultraleichtes Blocks versteht sich. Der rhetorische Firlefanz von vor der Wahl spielt keine Rolle mehr. Das dachten sich auch die Mitglieder der rechtskonservativen Parteien, die einen Antrag ins Parlament brachten, der aus dem angeblichen Friedensprojekt einen Angriff auf den Frieden macht.

Die Quintessenz des Antrags lässt sich schnell umschreiben: Ausgehend von der Analyse, dass es sich beim deutschen Faschismus und beim russischen Kommunismus um zwei totalitäre Systeme gehandelt habe, die sich im Hitler-Stalin-Pakt noch verbunden hätten und Europa nun von der Knebel des Totalitarismus befreit sei, sollten alle Denkmäler, die die falsche Assoziation herstellten, die Rote Armee hätte zur Befreiung vom Faschismus maßgeblich beigetragen, demontiert und beseitigt werden. 

Die Selbstachtung verbietet es, diesen geschichtsrevisionistischen Schwachsinn auch noch en detail zu widerlegen. Bei dem kürzlichen Besuch von Bundespräsidenten Steinmeier in Polen hätte man sich bereits denken können, dass an einem derartigen Konstrukt gearbeitet wird. Auch er hatte sich ausdrücklich bei den USA für die Befreiung vom Faschismus bedankt, ohne die damalige Sowjetunion auch nur zu erwähnen.

Wichtig noch zu registrieren, dass dieser Antrag der Unsäglichkeit angenommen wurde, und zwar mit den Stimmen der Sozialdemokraten und der Grünen. In Sachen Geschichtsrevisionismus ist man sich also einig. Der, so ist das immer, dient zur Etablierung neuer Feindbilder. Dass das Russland ist, wissen wir seit dem erfolgreichen Angriff auf die Souveränität der Ukraine. Wie sehr die amerikanische Nomenklatura in diese kriegstreibenden Machenschaften verwickelt war, ist an den dirty Fingers der Familie Biden in diesen Tagen wieder deutlich geworden. 

Die Theorie des Totalitarismus erklärt im Grunde nichts. Sie wird immer dann hervorgeholt, wenn man eine Blaupause braucht, um das vermeintlich eigene lupenrein demokratische Edelsystem zu beweihräuchern. Allerdings existieren schon immer totalitäre Regimes. Das ist außer Zweifel. Und deren Charakter lässt sich relativ einfach umschreiben.

Ein totalitäres Regime sichert die Herrschaft eines kleinen Kreises von Menschen über den Rest. Es werden Einzelinteressen vor das Gemeinwohl gestellt. Das ist der Wesenszug auch schlicht autoritärer oder sogar sublim demokratischer Systeme. Was das Totalitäre ausmacht, ist der Versuch, ideologisch alles zu beherrschen und zu durchdringen. Dazu gehört auch die Vorstellung der Gesellschaft von Geschichte. Geschichte ist das Narrativ, von dem aus das weitere Vorgehen in der Zukunft reflektiert wird. Dabei arbeitet das totalitäre Paradigma in der Regel mit Feindbildern. Sie dienen einerseits dazu, von dem eigenen Agieren im Innern abzulenken und andererseits haben sie immer im Blick, Aggressionen nach außen zu legitimieren.

Insofern ist der im Europaparlament angenommene Antrag zur Auslöschung der Erinnerung des Beitrages der Roten Armee zur Befreiung vom Faschismus ein willentlich totalitärer Akt, um das Geschichtsbewusstsein der EU-Bevölkerung zu manipulieren. Und beides trifft zu: Ablenken von der eigenen Politik gegen das Gemeinwohl und Vorbereitung kriegerischer Akte gegen Russland. Die EU wird totalitärer. Oder handelt es sich um einen Akt ihrer Tollität? 

5 Gedanken zu „EU: Ihre Tollität und der Totalitarismus

  1. fibeamter

    Ich möchte hierzu an einen Ausspruch von Winston Churchill 1947 erinnern „.Wir haben das falsche Schwein geschlachtet.“ Aber das Vorhaben des EU-Parlaments wird scheitern. Vor allem fehlt dem Parlament zur Geschichtsfälschung die Kompetenz (vgl.Art. 3 AEUV). Zudem müsste in Torgau das Denkmal des Zusammentreffens der amerikanischen und russischen Truppen im April 1945 beseitigt werden. Über die 2 unterschiedlichen Seiten mussste ich bei einem Besuch inTorgau lachen. Fazit: Geschichte läßt sich nicht rückgängig machen.

  2. Alice Wunder

    Ist das nicht bißchen hart? Was sollen wir denn sonst machen, das Feindbild des bombenlegenden Wüstenarabers ist ja nun seit dem heiligen Bombenbastler Lawrence ziemlich billig und verstaubt. China wiederum viel zu kompliziert, zu weit weg und zu voll von unserem eigenen Geld. Dann lieber keine Experimente, wie der persilgereinigte Natokanzler einst predigte…

  3. Bludgeon

    Zustimmung. Außer zu dem Satz: Die Totalitarismustheorie würde nichts erklären. DOCH! Die macht schon deutlich, dass an „braun = rot“ eben doch was dran ist. Sogar die Leichenberge sind annähernd von gleicher Höhe.
    „Stalin und Hitler – parallele Leben“ war schon ein richtiges und wichtiges Buch. (Aber Lese-Nation sind wir ja keine mehr. Auch der Nolte- Ansatz des Historikerstreites ist -bei aller offiziellen Beschimpfung- nicht von der Hand zu weisen.) Hinweg gewischt durch den 22.6.41 und eine strunzdämliche Besatzungs“politik“ unserer Vorfahren. „Politik“ kann man den praktizierten Völkermordwahnsinn von damals gar nicht nennen!
    Deshalb ist jener EU-Denkmalsschänderansatz pyramidaler Blödsinn – seine Annahme einmal mehr Beweis für die galoppierende Geschichtsvergessenheit quer durch alle Parteien, inclusive der „neuen Rechten“.

    1. Gerhard Mersmann Autor

      Kein Einspruch, nur eine Anregung: auf der Beschreibungsebene existieren Parallelen, aber was erklären Sie? Ich glaube, man sollte sich mit der Logik, die zu totalitären Systemen führt befassen. Und da sehe ich sogar sehr große Nähe zur heutigen Entwicklung.

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