Homunculus Belli

Kennen Sie das? Sie befinden sich in einer prekären Lage, in die sie durch verschiedene Umstände geraten sind und sitzen mit einigen Menschen zusammen, um zu beraten, was zu tun ist. Vorschläge werden gemacht, mal sind sie sehr spontan und kommen aus dem Bauch, mal sind sie strategischer Natur und erfordern Zeit. Nur eine Person sitzt dabei, die die ganze Zeit schweigt. Von den anderen angesprochen, was sie von Lage wie Diskussion halte, runzelt diese die Stirn und antwortet nur mit einem Wort: Schwierig! 

So könnte die Situation beschrieben werden, die in der letzten Nacht in Brüssel herrschte, als sich die EU-Außenminister trafen, um zu beraten, was im Falle des völkerrechtswidrigen Angriffs der Türkei auf Syrien zu halten ist. Das Szenario unterschied sich von dem oben beschriebenen allerdings nur in einem, aber entscheidenden Punkt. Nicht einer spielte den überforderten Bedenkenträger, sondern das ganze Kollektiv. Und prompt wurde wieder das Argument der Komplexität hervorgebracht. Weder spielten türkische Visa eine Rolle, noch Beitrittsverhandlungen und bei den Waffenexporten an die kriegerische Partei rang man sich lediglich zu einem Appell durch. Wieder einmal wurde allen, nur nicht denen, die da zusammen saßen, deutlich, dass die EU im gegenwärtigen Zustand ein Albtraum ist. Weil der türkische Präsident die nun in noch größerer Zahl vorhandenen Flüchtlinge als Geisel nimmt, ist man nicht mehr in der Lage, Position gegen einen Aggressionskrieg zu beziehen.

Bei der NATO hingegen weht ein anderer Wind. Von dieser wird die türkische Invasion zwar auch kritisiert, und zwar deshalb, weil sie als Instrument der USA nichts anderes mehr sagen kann. Ihr Homunculus Belli, Stoltenberg, der in seiner Funktion kurz nach der Aggression nach Ankara flog, um mit dem Mitgliedsland zu sprechen, warb um Verständnis. Und natürlich appellierte er danach an die anderen Mitglieder, sie mögen an die generelle Bedeutung und die historischen Verdienste des Mitgliedes Türkei denken. Und, das durfte nicht fehlen, sollte das überfallene Land, sprich Syrien, sich mit seinen Streitkräften gegen den Einmarsch wehren, dann träte der Bündnisfall ein, weil dann einer der NATO-Vertragspartner bedroht sei.

Der Charakter der NATO als ein auf alle internationalen Rechtsformen und Kodexe pfeifendes Aggressionsbündnis hat sich somit ein erneutes mal verifiziert. Es ist nicht mehr erforderlich, an jedem neuen Vorfall den Vorwurf zu enthüllen. Wichtig scheint nun zu sein, die Verbindung herzustellen zu dem, was die Menschen so sehr bewegt. Die Frage nach der Verursachung des Klimawandels hat sehr viel mit dem zu tun, was momentan in Syrien geschieht. Das beginnt mit der direkten Kontamination der Umwelt bei akuten militärischen Operationen und endet bei der Ursache von Waffengängen, wenn es um Ressourcen oder deren Transportinfrastruktur wie Gas-Pipelines geht. Wer über den CO2-Ausstoss von zivilen SUVs schockiert ist, kann angesichts dessen nicht schweigen. 

Medial, auch das ein bekanntes Fiasko, sind die Chargen bereits dabei, die moralische Rechtfertigung für eine Kriegsbeteiligung zu konstruieren. Vor wenigen Minuten weinte die deutsche Frau eines IS-Kämpfers aus einem hiesigen Sender und klagte über ihre Furcht um sich und um ihre Kinder, falls die syrische Armee (!) vorrücke! 

Der bereits benutzte Begriff des Homunculus Belli beschreibt einen Typus, der vermehrt in zahlreichen Institutionen vertreten ist. Diese Mischung aus Kriminalität und Scharlatanerie beherrscht das Feld.

4 Gedanken zu „Homunculus Belli

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  2. fibeamter

    Hat dies auf fibeamter rebloggt und kommentierte:
    Zum xten Mal. Dieser Staatenverbund EU ist ein Papiertiger ,der nichts taugt. Wenn Europa in der Welt gehört werden will, muss mit 1 Stimme gesprochen werden. Dies scheitert daran, das die derzeitige EU nach Art 3 AEUV nur für Zölle und Wettbewerb alleinige Zuständigkeit besitzt.
    Nptwendig ist der in der Entscheidung des BVerfG vom 30.06.2009 zum Vertrag von Lissabon geforderte Bundesstaat. Dieser sollte dann den Voraussetzungen des 2008 geänderten Art. 23 Grundgesetz entsprechen. Über das Zustandekommen dieses Bundesstattes Europa enthält meine Webseite http://www.wordpress.com-fibeamter- Bundesstaat Europa wichtige Eckdaten. Vor allen auch die Petition an das EU-Parlament ,die mangels Entscheidungsbefugnis zu den Akten gelegt wurde. Wann begreifen dies unsere Politiker. Diese Arroganz dürfte auch der Grund sein für die Wahlerfolge von Bündnis 90/ Grüne und auf der anderen Seit die AFD. Volksverdummung ist schädlich.

  3. almabu

    Von einem europäischen Bundesstaat sind wir wohl weiter entfernt als je zuvor? Überall werden (fröhlich?) Nationalismen propagiert. Wir nähern uns ja sogar innerhalb der EU nationalistischen Konflikten an und dies ganz ohne den Ende Oktober anstehenden BREXIT. Wie lange wird es wohl noch dauern, bis Freiheitskämpfer die EU von der französisch-deutschen Vorherrschaft befreien wollen?

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