Krise IX: Die Legitimation von Politik durch Wissenschaft

Die gegenwärtige Krise verstärkt eine Tendenz, die mit der Fridays For Future-Bewegung eingesetzt hatte. Es geht um die Legitimation von Politik mit dem Verweis auf die Wissenschaft. Das wohl wichtigste Argument dieser Bewegung sind Aussagen von Wissenschaftlern zum Klimawandel. Unabhängig von der notwendigen Betrachtung von Wissenschaft fiel auf, dass dieser Verweis bei weitem nicht auf so offene Ohren stieß wie die folgende Welle mit der Pandemie. Da griff die Politik schleunigst zu, zu jeder politischen Entscheidung, die getroffen wird, werden die Politiker von nickenden Virologen und Epidemiologen umrahmt. Anscheinend ist in diesem Fall auch die Akzeptanz derer, die die politischen Entschlüsse mittragen sollen, uneingeschränkt vorhanden.

Aufgrund dieser Erfahrung ist zu erwarten,  dass sich die Politik in Zukunft vermehrt das Testat der Vernunft und Seriosität aus dem Lager der Wissenschaft holen wird. Wäre die Wissenschaft so, wie sie vielen erscheint, könnte das hilfreich sein. Doch so heilig ist die Wissenschaft nicht, auch sie hat in den letzten Jahrzehnten sehr unter Sparprogrammen einerseits und Privatisierung andererseits gelitten. Längst kursieren Begriffe wie Auftrags- und Gefälligkeitswissenschaften, die Zustände beschreiben, in denen die Wissenschaft sich dafür hergibt, die notwendigen Botschaften derer, die als Geldgeber in Erscheinung treten, mit dem Instrumentarium der eigenen Disziplin zu untermauern. 

Bei den vielen Zitaten aus den Wissenschaften, mit denen wir bereits heute konfrontiert werden, empfiehlt es sich, zunächst einmal zu fragen, aus welchem Haus die Untersuchung, auf die man sich beruft, tatsächlich kommt. Meistens sind es private Institute oder Stiftungseinrichtungen, während staatliche Universitäten relativ selten für politische Legitimation zur Verfügung stehen. Ein weiteres Indiz ist der Umgang mit unterschiedlichen Auffassungen. Selten wurden Wissenschaftler derartig demontiert, wie in diesen Zeiten. 

Was als typisch für die Inquisition galt, ist durchweg gesellschaftsfähig geworden. Man sehe sich alle an, die sich der offiziellen Meinungsversion als Wissenschaftler nicht anschließen. Über Nacht sind Menschen, die bis dahin eine unangefochtene professionelle Reputation genossen, mit dem Label des Verschwörungstheoretikers, des Scharlatans oder des Psychopathen versehen.

Andererseits sei der kleine Hinweis auf den wissenschaftlichen Dienst des Bundestages erlaubt. Selbiger ist gerade in der jüngsten Zeit immer wieder zu Ergebnissen gekommen, die der Politik der Bundesregierung diametral entgegenstanden. Der Verweis auf die Wissenschaft bleibt in solchen Fällen aus. Es sollte allen klar sein, dass die Wissenschaft instrumentalisiert wird, auch wenn die Legitimation von Politik durch die Wissenschaft punktuell vernünftig und sinnvoll sein kann. Generell, als politisches Paradigma, ist es ein Desaster.

In Erinnerung ist das Bild, das Dürrenmatt einst von einem Physiker zeichnete, der endlich die Formel für die H-Bombe gefunden hatte und müde, aber glücklich in seinen Sessel sackte. Dann ließ er den Blick schweifen und entdeckte, dass er während der fieberhaften Forschungsarbeit vergessen hatte, seine Pflanzen zu gießen. Sie waren eingegangen. Als er das realisierte, entlockte es ihm eine Träne. 

Es sollte im Kopf sein, dass das Interesse von Wissenschaft nicht kongruent sein muss mit dem, was politisch vernünftig ist. Und es sollte immer bewusst sein, dass die größten Verbrechen der Menschheit von Wissenschaftlern begangen wurden, denen man zu „Forschungszwecken“ Macht gab. Auschwitz wäre ohne ihr Zutun nicht so möglich geworden und, als der Krieg vorbei war, sorgte der amerikanische Geheimdienst dafür, dass man diese Kriminellen in die USA holte, um den militärisch-industriellen Komplex aufzubauen. 

Harmlos ist die Legitimation von Politik durch die „Wissenschaft“ also nicht. Auge, sei wachsam!     

7 Gedanken zu „Krise IX: Die Legitimation von Politik durch Wissenschaft

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  2. gkazakou

    Ein sehr wichtiger Kommentar, meine ich. Man sollte sich vor Augen halten, dass Wissenschaft finanziert wird, und dass moderne Wissenschaft große Forschungsmittel braucht. Und dann den Spuren des Geldes folgen. Dir ekteKorruption braucht dabei nicht mal eine Rolle zu spielen. es reicht das harmonische Zusammenspiel von Interessen und ideologischen Voreingenommenheiten der Geldgeber mit denen der Wissenschaftler und Medien. Die Weltbilder spielen auch bei Wissenschaftlern, da sie Menschen sind, in ihre Fragestellungen und Schlussfolgerungen hinein: Kontrolle und Machbarkeit, gegen Freiheit und Selbstbestimmung als Stichwörter

  3. alphachamber

    „…das Testat der Vernunft und Seriosität aus dem Lager der Wissenschaft holen wird…“
    Hier wollten wir schon einhaken, aber unsere Einsprueche haben Sie dann selbst in den weiterfolgen Text eingebracht.

    Sicher haette es sich noch klarer formulieren lassen – Sie wissen sicher, dass die Redlichkeit der Wissenschaftler nichts mit „Sparprogrammen“ zu tun hat!
    In den naechsten 5 Paragraphen gabs dann zwar heftig auf die Hintern, die Strippenzieher und Ursachen wurden elegant unter Ihren – leider oberflaechlichen Tadel – verborgen. Wenn die Weltregierung (sorry, uns faellt gerade nichts passenderes ein) der Preis ist, dann nimmt man den wunden Popo leicht in kauf!

    Der Zusammenhang mit „Auschwitz“ wirkt hier schon sehr konstruiert. Und wenn es schon sein muss, warum nicht mal Vergleiche mit Unit 731 der Japaner? (Rein rhetorisch, die Antwort kennen wir schon!)

    Passen Sie gut auf sich auf.

  4. Achim Spengler

    Manchmal ist der Rat der Wissenschaft deckungsgleich mit dem gesunden Menschenverstand. Belassen wir es in dieser Zeit der Krise dabei. Halten Sie bitte Abstand, denken Sie an ihr individuelles Risiko und bleiben Sie uns vor allem erhalten. Ich will nicht fragen, was Brot Sie essen, da ich Ihnen immer den unabhängigen Geist unterstelle.

  5. Alice Wunder

    Es ist das Gebot der Stunde, sich zu Hause zu verstecken und keinem Italiener einen Eurobond zu unterschreiben. Wenn dazu ein Weißkittel was von Infektionsgefahr fabuliert, um so besser. Wer freilich nicht am Euro teilnimmt, weil seine Währung genau so heißt, wie das Virus, braucht beim Verstecken nicht mitmachen.

  6. MorningBriefing

    Der neulinke Staat spielt sich als göttlicher Herrscher auf und maßt sich an, uns zu beschützen. Das hat der Staat schon immer so gemacht: Es bedarf nur einer Gefahr oder eines gemeinsamen Feindes sowie Angst in der Bevölkerung und schon geben die Menschen ihre individuelle Macht dem Staat. Ungefähr deshalb wurde die Hölle oder auch der Klimawandel erfunden. Nach der Krise werden die machtsüchtigen Psychopathen in Politik und Medien mächtiger sein, als zuvor.

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