Demokraten: Gewetzte Messer

In der Inszenierung kann ihnen keiner so schnell etwas vormachen. Profis sind Profis. Noch am Vorabend der Inauguration des neuen Präsidenten tauschten sich Nancy Pelosi und Hillary Clinton pressewirksam darüber aus, dass ihnen Belege darüber vorlägen, dass Donald Trump kurz vor dem Sturm für das Capitol durch seine Anhänger mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin telefoniert habe. Und es sei wahrscheinlich, dass letzterer den Angriff angeordnet habe. Nun sprechen wir hier nicht über die Verschwörungstheorien alter weißer Frauen, wo kämen wir dahin, sondern von einer politischen Vorlage sehr einflußreicher Kräfte innerhalb der Demokratischen Partei, die den neuen Präsidenten stellt.

Und, schwupp, man verzeihe die infantile Formulierung, einen Tag später sendet das ZDF unter dem Titel „Donald first – „Trumps Angriff auf Amerika“ eine „Dokumentation“, in der vor allem amerikanische Quellen zitiert werden, die noch weiter gehen. Wer guten Glaubens ist und die Sendung gesehen hat, ist überzeugt, dass Donald Trump nicht nur vor dem Sturm auf das Capitol in Washington mit Putin telefoniert hat, sondern dass Trump seit Jahren ein russischer Agent war, der es in Weiße Haus geschafft hat.

Aus den beiden Anekdoten, und anders können sie nicht bezeichnet werden, wenn man nicht in das Gebell des Verschwörungsdiskurses verfallen will, belegen zweierlei. Zum einen wird deutlich, dass innerhalb der Demokratischen Partei wieder unter vollen Segeln auf eine Konfrontation mit Russland gefahren wird. Zum anderen verfügen kritische Geister über ein weiteres Indiz, inwieweit Teile des deutschen öffentlich-rechtlichen Fernsehens in der Hand der Atlantikbrücken etc.Corp gelandet sind. Das ist mehr als nur harmonische Kooperation, das verströmt das Aroma von Instruktion. Und inwieweit letzteres zum bundesrepublikanischen Sicherheitsrisiko gediehen ist, wird deutlich, wenn man den Gedanken der militärischen Konfrontation weiter spinnt. Was von dem Land, in dem so viele leben möchten, bleibt, ist ein taktisches Aufmarschgebiet für die transatlantischen Freunde.

Nicht, dass es darum ginge, hier bereits genannte Figuren auf dem Tableau zu verharmlosen. Denn eines haben sie alle gemeinsam. Sie denken in den Kategorien der Konfrontation und sind somit kein Modell für eine wie immer auch geartete, aber lebensfähige Zukunft. Das Wesen einer weiter existierenden, globalisierten Welt, die in sich die Chance des Überlebens und vielleicht auch eines guten Lebens in sich trägt, wird charakterisiert werden durch die Kooperation. Was als anthropologisches Axiom gilt, also als Voraussetzung der menschlichen Existenz in zivilisierter Form, nämlich die Fähigkeit des Homo sapiens, zu kooperieren, ist in den gesellschaftlichen Mikroorganismen zwar noch vorhanden, aber aus der internationalen Politik nahezu komplett verschwunden. 

Stattdessen definiert man sich durch Abgrenzung, sucht in Werten und Charakterzügen, die erklären, warum man nicht mit den anderen kann. Da war die internationale Gemeinschaft schon einmal weiter. Den Spuk, der jetzt wieder durch die Sphären eilt, hatte der westfälische Frieden beendet. Dort hieß es, man respektiere in Zukunft die anderen Verhandlungspartner als gleichberechtigt, man mische sich nicht in ihre Angelegenheiten ein und man versucht, sich nach der eigenen Interessenlage zu arrangieren. Was da so vernünftig klang, und, um das nur noch einmal ins Bewusstsein zu rufen, auch dazu beitrug, den Kalten Krieg zu beenden, ist momentan nicht auf der Agenda.

Im Hause der Demokraten werden die Messer gewetzt. Das wird auch dort nicht allen gefallen. Ich spare mir die Platitüde, dass wir in spannenden Zeiten leben. Nein, die Zeiten sind nicht spannend, sie sind essenziell. 

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