Archiv für den Monat Februar 2022

Erneuerung durch fette Mönche oder dürre Bauern? — Neue Debatte

Wenn die Mönche fett und die Bauern dürr sind, dann hilft nicht der von den Mönchen vermittelte Gott, sondern nur ein Aufstand der Bauern. Der Beitrag Erneuerung durch fette Mönche oder dürre Bauern? erschien zuerst auf Neue Debatte.

Erneuerung durch fette Mönche oder dürre Bauern? — Neue Debatte

heute journal: “Chinas dreckige Fratze“

Zu sehr haben die Ereignisse an der russischen Grenze die Aufmerksamkeit auf sich gezogen, als dass da noch etwas Beachtung gefunden hätte, was unbedingt in den Fokus muss, wenn das weitere Absinken in die Bedeutungslosigkeit verhindert werden soll. Obwohl das Beispiel der Außenpolitik des Westens gegenüber Russland genügend Material für grandioses Scheitern liefert. Angefangen mit der Reduktion des flächengrößten und eines multi-ethnischen wie multi-kulturellen Landes auf eine Figur, die wie in einem Science Fiction in ihrem Schloss sitzt und mit  dunklen Plänen die Welt in Angst und Schrecken versetzt. So einen Satan muss man natürlich als Scum, wie man im Imperium so angewidert sagt, als Abschaum behandeln und ihn spüren lassen, was man von ihm hält. Die Rechnung ist aufgegangen. Und anscheinend ist die kulturelle Linie in Bezug auf den Umgang mit anderen Ländern, Kulturen und Mächten bei denen, die immer wieder mit dieser monströsen Doktrin scheitern, festgeschrieben wie die Heilige Schrift.

Denn das nächste Beispiel für das genussvolle Waten im Unrat lieferte – wieder einmal –  der ZDF-Korrespondent für China, Ulf Röller, am letzten Sonntag im heute journal zum Abschluss der Olympischen Winterspiele in Peking. Schon zu Beginn hatte er mit einem Propagandastreifen erster Güte mental gegen das Land mobil gemacht. Und nun, zum Abschluss, gewährte ihm Marietta Slomka ein Interview. In diesem tat Röller die gesamte Veranstaltung als inszenierte Propagandaveranstaltung ab und schloss mit den Worten, dass man aber, wenn man genau hingesehen hätte, doch in der Lage gewesen sei, „Chinas dreckige Fratze“ zu erblicken. Die Interviewerin schien durch dieses Abgleiten in einen unflätigen Hetzmodus nicht im geringsten aus der Fassung gebracht worden zu sein und dankte dem Experten für seine Analyse.

Nicht, um die verhängnisvolle Formulierung einmal zu benutzen, dass es an den Ländern aus mitteleuropäischer Sicht nichts zu kritisieren gäbe. Und nicht, dass es aus der inneren Dynamik dieser Länder heraus nicht wünschenswert wäre, dass sich etwas änderte. Aber, ja aber, erstens ist das die Sache derer, die dort leben und zweitens existieren in unseren eigenen Breitengraden derartige Missstände, die beseitigt werden müssen, dass sich ein imperialistisches Missionarentum komplett verbietet. Das, wie hier in unseren Qualitätsmedien bezeichnenderweise nie berichtet, auf internationalem Parkett immer wieder zu unschönen Szenen führt, wenn sich die als politisch verwerflich Beschuldigten dahingehend wehren, dass sie dem Westen die eigenen Vergehen gegen Menschenrechte, gegen Völkerrecht und die Prinzipien der Humanität zu Recht anhand stichhaltiger Beispiele vorhalten.

Wer von euch ohne Schuld ist, werfe den ersten Stein! Es handelt sich um einen der Kernsätze des Kanons, den das christlich geprägte Abendland für sich reklamiert. Und kaum ein anderer Satz wird durch die tägliche politische wie journalistische Praxis im Erdteil der untergehenden Sonne mehr kontaminiert. Man kann es auch drastischer formulieren, wie es ein Nachbar aus meiner Kindheit, den alle den Militärkopp nannten, immer wieder lautstark zum Ausdruck brachte: Bevor du das Maul aufreißt, bring deine eigenen Sachen in Ordnung!

Treffender kann die Antwort auf den Zustand in der eigenen Lebenssphäre nicht umschrieben werden. Allzuoft ist Diplomatie zu Pöbelei und Journalismus zu Hass und Hetze verkommen. Wo sind die klugen Köpfe? Wo sind die Aufsichtsräte? Das Schamgefühl wird derzeit sehr strapaziert. Ehe wir uns über andere empören, sollten wir unsere eigenen Verhältnisse in Ordnung bringen.