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Nachhaltig dreckig und zunehmend ideologisch

Wieder einmal fällt auf, dass Fakten erst dann Fakten sind, wenn sie von den Leitmedien zur Kenntnis genommen werden. Dieses war jetzt der Fall mit dem renommierten Lungenarzt, der in der Sendung „hart aber fair“ zu seinen Thesen zur Problematik der Dieselabgaswerte gehört wurde. Der Mann vertritt seine Thesen seit geraumer Zeit, doch erst nach dieser Sendung nahm die Politik offiziell davon Kenntnis. Seine Thesen sind schnell zusammengefasst: Die als bedenklich angegebenen Werte sind nicht signifikant Ursache von menschlichen Erkrankungen und die Ermittlung wie die Geschichte dieser Grenzwerte ist aus wissenschaftlicher Sicht problematisch. Das genügte, um eine Welle von Verdächtigungen und Insinuierungen gegen den Mann in die Welt zu setzen. Nichtsdestotrotz wird die Diskussion nun geführt.

Derweil hat sich jedoch die Regierung mit der Autoindustrie auf eine bewährte Vorgehensweise geeinigt. Die Besitzer von veralteten Dieselfahrzeugen sollen animiert werden, sich neue zu kaufen. Die alten werden hier aus dem Verkehr gezogen und nach Rumänien und Bulgarien verkauft. Dort haben die Regierungen den potenziellen Käufern bereits zugesichert, dass sie mindestens noch 5-10 Jahre damit fahren dürfen. Auch so funktioniert Europa, wie man sich das in Berlin vorstellt. 

Ein Selbstversuch brachte es in voller Transparenz ans Licht: Ich rief bei der hiesigen Daimler-Benz-Vertretung an und erkundigte mich nach einem ansonsten relativ teueren Dieselgefährt, das mit vielen anderen seiner Art auf dem Ausstellungsgelände zum Verkauf stand. Die Freude des Verkäufers löste sich blitzschnell auf, als ich anbot, das Mobil auf meine Kosten nachzurüsten, um es auf den neuesten Stand zu bringen. Nein, schrie er nahezu kategorisch, Angebote dieser Art hätten sie nicht und würden sie nicht machen. Da liegt der Schluss nahe, dass Nachrüstungen nicht erwünscht sind und lieber zugunsten von Neuverkäufen verschrottet oder exportiert wird.

Was sich, auch mit gouvermentaler Assistenz, dahinter verbirgt, ist die Mentalität, alles, was der offiziellen Ideologie von Ökologie und Nachhaltigkeit widerspricht, kurzerhand ins Ausland zu exportieren. Das ist bei der Entsorgung von Plastikmüll so und das ist nun bei dem Diesel so. Ökonomisch läuft es immer auf die gleiche Chose heraus: Die Verbraucherschaft hierzulande noch einmal kräftig zu schröpfen und den Dreck in Nachbars Garten zu entsorgen. Ökologisch ist es ein Hütchenspielertrick, der nicht nachhaltig, aber dreckig ist.

So, wie es scheint, werden wir zunehmend Zeugen eines dramatischen Auseinanderklaffens von Wort und Tat. Auf der einen Seite beteiligt sich die Bundesregierung an dem Wettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden“ und entsorgt den Müll in Nachbars Garten. Auf der anderen Seite mokiert sie sich über den Shut Down in den USA, würdigt aber Macrons makabren Shut Down der eigenen Bevölkerung keines Wortes. Auf der einen Seite reklamiert sie das Völkerrecht bei jeder Gelegenheit, auf der anderen Seite anerkennt sie einen von sich selbst ernannten Präsidenten als legitimen Vertreter des venezolanischen Volkes, den sie, lebte er in Osteuropa, als Putschisten bezeichnet hätte, der jetzt allerdings als junger Hoffnungsträger tituliert wird. 

Heikel bei dieser Entwicklung ist die zunehmende Transparenz, die entsteht und die deutlich macht, dass der ideologische Anteil bei der Begründung von praktischer Politik auf Regierungsseite dramatisch wächst. Wir ernten nun die Früchte eines unerträglich langen Zeitraums von Großen Koalitionen. 

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The Huns Like Diesel

Hat noch irgend jemand Lust, über das Thema Diesel zu diskutieren? Wahrscheinlich nicht. Die Verwerfungen über einen Verbrennungsmotor, der  – aus welchen tiefenpsychologischen Gründen auch immer – vor allem von den Deutschen präferiert wird, sind erheblich. Wer sich die Chronologie der Ereignisse noch einmal vergegenwärtigt, bekommt regelrechte Beklemmungen. Denn die Abfolge des Geschehenen offenbart eine Aneinanderreihung von Betrug und Manipulation. Auf vielen Seiten! Und manchmal, so ganz nebenbei, kommt ein Gefühl auf, dass es diese Art der Aufarbeitung von Problemen ist, die immer wieder in Deutschland die Legitimation von Politik als solcher zur Disposition stellt. Das, was sich durch alles, jedes Ereignis und das Bekanntwerden jeder Faktenlage durchgängig vermissen lässt, ist nämlich eines: Konsequenz.

Es begann mit einem Reklamebetrug. Deutsche Dieselhersteller warben mit Schadstoffwerten, die nicht der Realität entsprachen, und zwar bewusst. In den USA hatte das weitreichende Folgen. Unabhängig von den dort möglichen Schadensersatzklagen, bot sich vor allem für die amerikanische Konkurrenz die Möglichkeit, die Dieselanteile auf dem Markt zurückzudrängen. 

In Deutschland wurde zunächst der Tatbestand geleugnet, und dann, als es nicht mehr ging, als Faktum akzeptiert. Die Kardinalkritik am Dieselmotor wurde gleich mit übernommen, was zu einer tiefen Irritation im Lande führte. Wieso waren Diesel, die vorher sogar steuerlich begünstigt waren, plötzlich für die schlechte Luftqualitätswert in Ballungszentren allein verantwortlich? Das, was vorher den Benzinmotoren attestiert wurde, galt plötzlich für den Diesel und die ehemaligen Dreckschleudern wurden über Nacht ökologische Vorzeigeobjekte. 

Es hätte für die Politik gereicht, wenn sie sich auf den Vorwurf der Messmanipulation beschränkt hätte. Was sich daraus an Schadensanspruch ergeben kann, ist durchaus beachtenswert. Dass die Bundesregierung aber die Argumentation der amerikanischen Behörden und der hinter ihnen stehenden dortigen Automobilindustrie übernahm, führte in die Sackgasse, die überall nur noch Überdruss erzeugt. 

Fragen, die in diesem Zusammenhang zielführend hätten sein können, fanden keine Beachtung. Wichtig ist es, zu erfahren, wie hoch tatsächlich die urbanen Belastungen sind und wodurch sie verursacht werden. Vergleichsgruppen wurden nie zugelassen, wie zum Beispiel der globale Beitrag durch Schiffsdiesel, der immens ist und die Relationen gewaltig verschiebt. Interessant ist auch die These des im Internet nun wie ein Pabst gehandelten Lungenarztes, der die Belastungen durch Dieselfahrzeuge in den Städten als eine Petitesse bezeichnet. Und zumindest von offizieller Seite wird panisch die notwendige Entscheidung verschleppt, die sich gegen die Automobilkonzentration in Städten per se wenden muss. Die gesamte Diskussion ist so verworren, dass das, was die Gesellschaft von Politik erwartet, nämlich Klarheit zu verschaffen und Entscheidungsoptionen zu eröffnen, nicht mehr sichtbar ist. 

Es scheint nicht nur so zu sein, dass die Deutschen den Diesel lieben, es scheint auch so zu sein, dass sie über ihren geliebten Diesel so diskutieren, wie sie immer diskutieren, verworren, unlogisch und ohne strategische Perspektive. 

Dass zudem quasi über Nacht noch die Preise für Dieselkraftstoffe denen des Normalbenzins angepasst wurden, führt nur noch zu individueller Unmutsbezeugung. In Frankreich brannte gleich die Hütte. Irgendwie kommt das Gefühl auf, dass der an eine psychische Deformation erinnernde Zustand des kollektiven Bewusstseins im Moment eine typisch deutsche Angelegenheit zu sein scheint. In England kursiert schon immer der Spruch „The huns like Diesel“. Mit Hunnen sind die Deutschen gemeint. 

Hunnen? Hunnen führen jetzt zu Tausenden mit ihren Dieselautomobilen nach Berlin, parkten alle vor dem Reichstag, und setzten ihre Karossen kollektiv in Brand.