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Geben wir der Zukunft neue Perspektiven!

In seinem Buch Russland-Kontainer stellt Alexander Kluge, angesichts der Fülle von Zukunftsprojekten, neuen Perspektiven, Utopie-Laboren etc. in Russland im Jahr 1917 die berechtigte Frage: „Gibt es in der zweiten Dekade des 21. Jahrhunderts einen Utopie-Horizont?“ Es handelt sich um eine Punktlandung, denn besser kann der Mangel an Strategie, Zukunftsbildern und einer Vorstellung, wohin die Reise gehen wird, nicht hinterfragt werden. Zu betonen ist, dass die weiteren Betrachtungen sich auf Deutschland beziehen, denn, das ist gesetzt, auch wenn es viele nicht begreifen wollen, jedes Land hat seine eigene Betrachtung der Welt und ihrer Erscheinung. Der inquisitorische Imperialismus wird die Welt nicht verändern, sondern sie weiter zerstören.

Um den gegenwärtigen Zustand prägnant beschreiben zu wollen, kann festgestellt werden, dass wir es mit einer Hochkonjunktur von Dystopien zu tun haben. Impulsquelle dessen ist die Angst. Die alte, bekannte Weltordnung, befindet sich in Auflösung und eine neue zeigt ihr Gesicht noch nicht. Das verunsichert, hilft aber nicht weiter. Großer Konsens hingegen besteht darüber, was nicht passieren darf. Dazu gehören Verheerungen durch den Klimawandel und sozialer Abstieg. Kriegsgefahr, Krieg und die Auflösung der eigenen gesellschaftlichen Ordnung sind nicht im Fokus, obwohl diese Bedrohungen bei der gegenwärtigen Politik schneller real werden können, als viele sich unbewusst wünschen.

Aber Utopie? Eine gesellschaftlich verhandelbare Vorstellung davon, was anstelle dessen, was sich in Auflösung befindet? Bis dato Fehlanzeige. Das kann man beklagen, aber auch das führt bekanntlich nicht weiter. Die hier bereits vorgestellte Initiative von Futur II ist ein kleiner, bescheidener Schritt, um aus der strategischen Starre herauszukommen (http://futur-2.info/).

Bei den Diskussionen, die wir in diesem Projekt geführt haben, fanden wir uns allzuoft an einem Punkt wieder, den viele kennen werden: Wir wollten über die Zukunft sprechen und waren blitzschnell bei der Kritik der gegenwärtigen Zustände. Doch die wollten wir gerade durch eine Formulierung des Besseren aufheben. Bei den ersten Versuchen, etwas aufs metaphorische Papier zu bringen, waren wir unsicher, versicherten uns zurück und taten uns schwer. Und, das ist die Erkenntnis nach den ersten Gehversuchen, das wird noch eine zeitlang so bleiben. Da hilft nur eines: Üben! 

Um zu erklären, warum der Entwurf von Utopien, die eine Chance auf Realisierung haben, so schwer fällt, müssten wir wiederum in eine Kritik der gegenwärtigen Verhältnisse verfallen. Wir wären schnell bei einer auf Sicht fahrenden Politik, wir werden schnell bei dem affirmativen Charakter der Medien und wir wären schnell bei den Besitzverhältnissen, die vieles erklären. Das alles ist notwendig zu wissen, denn ohne Kritik kein neues Modell. Aber das Modellieren selbst, das müssen wir schleunigst wieder lernen, auch wenn wir bei den ersten Versuchen feststellen, dass das nicht mehr in unserem kulturellen Gen geprägt ist. Wir müssen den Nebel der kreativen Lethargie durchbrechen!

In dem Versuch, das negativ beschriebene Blatt zu wenden und einen positiven Entwurf der Zukunft zu schaffen, rufen wir alle, die des ewigen Klagens müde sind, dazu auf, sich mit eigenen Vorstellungen einzubringen. Und lassen Sie sich nicht von Bedenken und innerer Zensur davon abhalten! Auch das haben wir bereits am eigenen Leib verspürt. Die innere Zensur ist da, und sie zeigt, wie derb die kollektive Inquisition unsere Zukunftsfähigkeit bereits beschädigt hat. 

Wir selbst werden an weiteren Vorschlägen arbeiten, aber wir sind auf die vielen klugen Köpfe angewiesen, die bis heute geschwiegen haben. bringen Sie sich ein, wir werden Ihre Beiträge veröffentlichen (http://futur-2.info/). Mit einer Ausnahme: Beiträge, die faschistische Vorstellungen enthalten, werten wir als Dystopie und werden sie folglich nicht berücksichtigen. Insofern ist unser Motto folgerichtig:

Geben wir der Dystopie keine Chance, geben wir der Zukunft neue Perspektiven!