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Eine dreiste Referenz an den Absolutismus

Der Krieg der Sterne war nahezu eine Romanze gegen das, was sich im Cyber-Kosmos bereits andeutet. Da werden von unsichtbaren Mächten Millionen von Menschen beeinflusst, ohne dass die es merken und damit sind dann Wahlen entschieden. Analog geht es in der Frage um Konsumentenverhalten. Da wird ein ganzes Gesundheitssystem gekidnappt und erpresst. Da werden Sicherheitssysteme am laufenden Meter geknackt. Der Cyber-War ist längst ausgebrochen und er ist anscheinend der Preis, den die Digitalisierung zur Zeit einfordert.

Kein System ist sicher, die Investition in entsprechende Sicherheitssysteme ist kaum einem Wirtschaftsunternehmen, geschweige denn dem Staat, aus wirtschaftlichen Erwägungen zuzumuten. Wahrscheinlich gäbe es einen Weg, hoch brisantes Wissen zu schützen, aber mit diesem Gedanken beschäftigen sich die Sklaven der Digitalisierung wiederum nicht. Es wäre so banal wie logisch und läge in der Herausnahme desselben aus den digitalen Banken und bestünde in physisch-analogem Vorgehen. Was allerdings bei aller Unruhe sicher zu sein scheint, ist die Identifizierung der Feinde, der Angreifer in diesem digitalen Krieg. Zumeist ist es Russland, ab und zu China, und wenn gar nichts mehr geht, ist es Nord-Korea. Der Cyber-Krieg wird propagandistisch genutzt, um von der eigenen Unzulänglichkeit abzulenken und neue Feindbilder zu schaffen. Und das Kuriose dabei: Es sind die alten!

Es ist kein Wunder, dass in den USA, einem Land, in dem die Billionensummen, die in die Forschung des militärisch-industriellen Komplexes seit Jahrzehnten gehen, zu der Entwicklung massentauglicher Computer geführt hat und von wo aus die Digitalisierung ihren Siegeszug unternommen hat, vielleicht auch als erstes Land die Risiken der Digitalisierung zu spüren bekommen hat. Vermeintlich! Der Vorwurf, ausgerechnet das in Sachen Digitalisierung rückständige Russland – in der Sowjetunion war die Kybernetik lange Zeit als revisionistische Wissenschaft verboten – , dass aus diesem Russland der amerikanische Wahlkampf beeinflusst und entschieden sein soll. Bei der Frage, wie das geschehen sein soll, wird es meistens diffus, die den Frieden hassenden Geheimdienste behaupten zwar immer, ihnen lägen eindeutige Beweise vor, zeigen tun sie sie aber nicht. Wichtig ist die Aussage, dass es die Russen waren und dass sie die Massen heimlich beeinflusst und die dann Trump gewählt haben.

Wäre es nicht das Vorspiel für beabsichtigte militärische Konflikte, man müsste Tränen lachen. Aber das Zeitalter zeichnet sich dadurch aus, dass selbst der gröbste Unsinn millionenfach kopiert und verbreitet wird. Wie wäre es, wenn die amerikanischen Demokraten, und die Republikaner natürlich dazu, einmal analysierten, was in ihrem Land in den letzten Jahrzehnten schief gelaufen ist. Wenn sie sich daran machten, zu entziffern, wieviele Existenzen vernichtet und wie viele Landstriche im eigenen Land verwüstet wurden durch den Wall Street-Liberalismus und wie es denen geht, die dabei gestrandet sind, und die mit ansehen zu müssen, wie viele andere Länder durch die gleiche Politik und das Mantra des Regime Change vernichtet und dem Chaos überlassen wurden?

Doch die Analyse von drastischen Fehlentwicklungen schmerzt und so bleibt man bei der Version, hinter allem stecke der Russe. Und weil das so schön zu funktionieren scheint, hat die hiesige Bundesregierung und gleich auch noch der neue Bundespräsident die Russen davor gewarnt, sich in die bevorstehenden Bundestagswahlen einzumischen. Denn tun sie das nicht, die Russen, und geht alles mit rechten Dingen zu, dann muß die bestehende Regierung aufgrund ihrer hervorragenden Politik natürlich bestätigt werden. Was für eine dreiste Referenz an den Absolutismus.

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Spionierende Spione

Man soll es kaum für möglich halten! Der investigative Journalismus hat es fertig gebracht zu enthüllen, dass die deutschen Spionageorganisationen etwas tun, was niemand für möglich gehalten hätte: Sie spionieren! Wie war die Welt doch noch vor einigen Wochen in Ordnung, als man davon ausgehen konnte, dass vor allem amerikanische Syndikate wie CIA oder NSA dem teuflischen Handwerk folgten, als sie das Mobilphone unserer Kanzlerin abhörten. Sie selbst brachte ihre Entrüstung dahin gehend auf den Punkt, als dass es unter Freunden gar nicht ginge, sich gegenseitig zu bespitzeln. Und absurd das Gestänkere mancher Kritiker, dass es zum Wesen von Nachrichtendiensten gehöre, Spionage zu betreiben. Ja, es lebt sich gut im seichten Strom der öffentlichen Meinung, wenn man als Opfer gilt, aber das Leben wird richtig hart, wenn heraus kommt, dass diese Art von Opfern auch sehr gut als Täter operieren können. Der BND betreibt Spionage. Wer jetzt nicht empört ist, der beweist zumindest in großen Teilen seine Geschäftsfähigkeit, denn dafür wurde der BND gegründet und dafür wird er finanziert. Wer sich jetzt aufregt, der hat das Wesen von Nachrichtendiensten irgendwie nicht begriffen und macht jetzt die Erfahrung, dass enttäuschte Illusionen zuweilen Schmerzen verursachen.

Vor allem die aufgeflogenen Abhöraktionen sind der Beweis für eine innere Folgerichtigkeit: Das Abhören der damaligen Außenministerin der USA, Hillary Clinton, zunächst noch aufgrund einer Aktion während eines Fluges über Abhöranlagen als akzidentiell eingestuft, verliert seine Zufälligkeit, weil auch ihr Nachfolger Kerry das gleiche Schicksal erlitt. Die getrübten Beziehungen zum Verbündeten USA, angeblich besonders durch das Abhören der Kanzlerin belastet, führen zur Abhörung hochrangiger amerikanischer Politiker durch die deutschen Spione. Wer es glauben will, soll das machen. Es gehört schlichtweg zur Routine.

Das Abhören der türkischen Nomenklatura hingegen macht sogar richtig Sinn. Der NATO-Partner Türkei, nach der Diktion der Kanzlerin ein privilegierter Partner der Deutschen und der EU, macht in Figur seines alten Premiers und neuen Staatspräsidenten Erdogan zu viel eigene Politik vor allem in der nordafrikanischen und arabischen Welt, als dass man ihm ohne geheimes Wissen um sein Treiben trauen könnte. Erdogan, der selbst nun nicht gerade als zimperlicher Zeitgeist bekannt ist, kommt in Bezug auf die Enthüllung ob der deutschen Spionagetätigkeit in ähnliche Wallung wie die Kanzlerin in Sachen NSA. Das, so Erdogan, hätte er nicht erwartet, denn unter Freunden mache man so etwas doch nicht. Nun muss man kein Verschwörungstheoretiker sein, um sich auszumalen, was türkische Agenten im geliebten Almanya so treiben.

Um von der Erscheinung zum Wesen vorzudringen! Es sollte nicht als skandalös empfunden werden, wenn Spionageorganisationen dabei überführt werden, dass sie ihrem Auftrag nachgehen. Täten sie das nicht, dann wäre etwas faul im Staate und sie betrieben Leistungsverweigerung. Wer will, kann auch noch der blödsinnigen Frage nachgehen, ob ein Staat in der heutigen Welt Geheimdienste brauche. Führen wird die Anstrengung zu nichts. Der eigentliche Skandal besteht allerdings darin, die Tätigkeit von Geheimdiensten öffentlich zu skandalisieren und genügend Leute zu finden, die sich an Diskussionen beteiligen und die Loyalität der Geheimdienste gegenüber ihren Auftraggebern als moralisch bedenklich zu verurteilen. Hätte sich das Weltbild gegenüber Kindern nicht beträchtlich geändert, müsste man das alles als maßlose Kinderei bezeichnen. Nehmen wir also die Kinder als Vorlage für politisch nicht korrekte Metaphern in Schutz. Dann ist die Empörung über die Tätigkeit des BND ein deutliches Symptom für die wachsende Unfähigkeit hierzulande, in politischen, internationalen und mit Macht korrelierenden Kategorien zu denken.