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Konzertierte Aktion von UEFA und NATO

Es heißt, internationale Fußballturniere sind hervorragend dazu geeignet, um bestimmte Dinge politisch über die Bühne zu bringen. Immer wieder einmal wurde eine unangenehme Rentenreform, die Aufhebung von Individualrechten, die Verschärfung von Polizeigesetzen oder ein umstrittenes Bankengesetz genau dann im Bundestag verabschiedet, wenn die Deutschen während eines Turniers um Titel kämpften. Denn wenn der Ball rollt, dann ist hierzulande Ausnahmezustand. Dann geht es primär um das Thema Fußball und sekundär um die Frage, wie alles um den Fußball herum organisiert werden kann, von der Arbeit bis zur Familie. Was sich da im Parlament tut, ist für das Gros außerhalb des Aufmerksamkeitsfokus.

Was es bisher nicht gab war der Versuch, Politik direkt über die Kommunikation des Fußballereignisses selbst machen zu wollen. Das Sujet ist zu heikel, als dass es hinter dem Rücken der Bevölkerung vollzogen werden könnte. Um letztendlich kriegerische Handlungen vorbereiten zu können, muss vorher emotional richtig aufgeladen werden. Die Krawalle, verursacht durch Hooligans, sollen den Vorwand liefern, um Aktionen zu rechtfertigen, die von psychologischer Kriegsführung bis hin zur harten Kriegsvorbereitung reichen.

Drei Tage lang hielten englische Fans die Stadt Marseille in Atem. Zumeist betrunken randalierten sie im öffentlichen Raum und legten sich sowohl mit französischen Sicherheitskräften als auch mit französischen Fans an. Am dritten Tag, dem des Spiels gegen Russland, trafen die russischen Fans ein, die an Gewaltbereitschaft den englischen Hooligans nicht nachstanden. Die Folge waren bürgerkriegsähnliche Zustände in der Stadt. Als beim Abspielen der Hymne die russische von englischen Fans gnadenlos niedergepfiffen wurde und sich viele englische Journalisten noch für das inakzeptable Verhalten entschuldigten, hätte klar werden sollen, dass da etwas inszeniert wurde, was nachher mit Bildern leider nicht belegt werden konnte. Fazit: Die Russen waren die Krawallmacher.

Die UEFA hat prompt reagiert und den russischen Verband relegiert, sollten sich derartige Ereignisse wiederholen. Von den englischen Hooligans und ihren Taten ist seitdem nicht mehr die Rede. Ziel ist es, Russland die für 2018 geplante Fußballweltmeisterschaft wieder wegnehmen zu können. Zeitgleich mit der Verkündung der UEFA-Entscheidung ließ die NATO die Verlegung von 4.500 Soldaten direkt an die russische Grenze verlauten. Rund tausend Soldaten werden deutsche sein.

Die Grundlage der Wiedervereinigung Deutschlands war die Zusage sowohl der USA als auch der damaligen Bundesrepublik, dass sich die NATO nicht nach Osten Richtung russischer Grenze erweitern werde. Heute, 25 Jahre später, steht die NATO vom Baltikum bis zum Schwarzen Meer mit Ausnahme der Ukraine überall direkt an der russischen Grenze. Dem Wortbruch folgte die kollektive Geschichtsvergessenheit, eskortiert von einer immer massiver werdenden Kriegspropaganda. Gegen die Verfolgung gewalttätiger Fußballhooligans ist nichts einzuwenden. Nur wenn, dann sollte das Recht für alle gelten. In diese Krawalle die Zementierung von Feindbildern zu inszenieren, wie dieses derzeit auch wieder von den deutschen Medien geschieht, ist kriminell. Statt aufzuklären, säen sie Hass.

Die konzertierte Aktion von UEFA und NATO dokumentiert eine neue Qualität in der Massenmanipulation und Volksverhetzung, gepaart mit einer zunehmend aggressiven, kriegstreibenden Politik. Es sind diese Aktionen, die so impertinent und dreist sind, die dazu führen sollten, den korrupten Fußballverbänden und überlebten Militärbündnissen die Existenzfrage zu stellen. Fußball wird auch ohne UEFA gespielt werden können und die größte Bedrohung für den Frieden in Europa ist gegenwärtig die NATO. So viel Nachdenken muss in der Halbzeit erlaubt sein!

Unfaire Theatralik und mediale Hooligans

Vor allem aus den Lagern der Betroffenen war zu vernehmen, dass sie jegliches Interesse für das Spiel um den dritten Platz verloren hatten. Bei den Brasilianern war klar, dass sie sich in nur vier Tagen nach der Implosion und der Demontage durch die Deutschen nicht würden erholen können. Insofern fürchteten sie ein weiteres Debakel. Die Niederländer und vor allem ihr Trainer begründeten die Unlust mit der Arroganz, auf einen Kinderpokal hätten sie keine Lust. Die Voraussetzungen waren also alles andere als gut und das Spiel stand nicht in dem Zeichen früherer Spiele dieser Kategorie, wo die Spieler dem Publikum noch einmal richtig etwas geboten hatten.

Das Spiel selbst hatte es dann aber doch sehr schnell zu einem Superlativ gebracht. Es war das absolut mieseste, was bei dieser WM geboten wurde. Schon nach zwei Minuten entschied ein während der gesamten Spielzeit überforderter Schiedsrichter fälschlicherweise auf Elfmeter für die Niederlande. Geraten werden muss nicht: Der trotz seiner spielerischen Fähigkeiten theatralischste und damit unsportlichste Akteur der WM Arjen Robben fiel einmal wieder wie eine vom Blattschuss ereilte Ballettfigur weit in den Strafraum. Da der Akteur jedoch beim FC Bayern spielt, wird er von der hiesigen Journaille für diese degoutanten Auftritte immer noch mit Wohlwollen bedacht. Zehn Minuten später dann erzielten die Niederlande ein zweites irreguläres Tor, diesmal aus einer Abseitsposition, und damit war die Messe gelesen. Über den Rest der Spielzeit mühte sich das brasilianische Team, spielte diverse Chancen heraus, hatte jedoch keinen Erfolg. In der Nachspielzeit, in die van Gaal noch einmal den Torwart wechselte, gelang den Niederländern dann das 3:0. Brasilien steht wohl vor einem Neuanfang, die Niederländer ebenfalls, denn mit den taktischen Eskapaden ihres egomanischen Trainers reüssierten sie nicht nur nicht gegen Costa Rica und Argentinien, sondern machten auch eine Reise in die Vergangenheit des deutschen Fußballs seiner einfallslosesten Couleur.

Bemerkt oder erwähnt wurden diese Dinge seitens des fachkundigen Personals der Öffentlich-Rechtlichen nicht. Auch wenn es im Zuge des Erfolges der deutschen Mannschaft vielleicht nicht so kritisch gesehen wird, so ist die dort von den Spielkommentatoren dargebotene Qualität indiskutabel gewesen. Sicherlich eine der Schattenseiten dieser WM. Was sich zum Beispiel der gestrige Kommentator für das ZDF während des Spiels an Unkenntnis, versteckten und offenen Ressentiments, dümmlicher Arroganz und Sottisen bis hin zur Volksverhetzung geleistet hat, ist mindestens genauso geeignet, das Interesse am Fußball zu erwürgen wie die Korruption in der FIFA oder nationalistische Hooligans. Die Toleranz gegenüber diesen Sprachrohren der Selbstüberschätzung ist gänzlich unangebracht.

Und dabei sind wir schon bei einem ersten, vielleicht gar nicht so schönen Ausblick: Sollte die deutsche Mannschaft heute ihren Auftritt in Brasilien, der durchaus auch Schattenseiten hatte, mit einem Titel krönen, was ihr und den Aficionados auf der Welt von Herzen gegönnt sei, dann wird auch gleichzeitig die kritische Reflexion hinsichtlich der nationalen Politik noch mehr ausgeschaltet werden als bisher. Dann sind die, die an der einen oder anderen Aktion zu Recht zweifeln, sehr schnell als Brunnenvergifter diskriminiert. In Sachen Diskriminierung sind die öffentlich-rechtlichen Medien der Bundesrepublik Deutschland zu wahren Weltmeistern avanciert. In den Stunden der Vorfreude, während des Spiels und vielleicht auch danach sei darum gebeten, egal, wie es ausgeht, den Dunkelmännern und Dunkelfrauen des demagogischen Gewerbes auf die giftigen Münder zu schauen und sich zu Wort zu melden. Der Fußball ist es nicht wert, auch von diesen medialen Hooligans missbraucht zu werden.