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Corona: Auf dem hell beleuchteten Seziertisch

Ulrike Guérot. Wer schweigt, stimmt zu

Die Politikwissenschaftlerin Ulrike Guérot hat sich mit einem Buch zu Wort gemeldet, das in positivem Sinne als ein Pamphlet in unruhigen Zeiten bezeichnet werden muss. Unter dem Titel „Wer schweigt, stimmt zu. Über den Zustand unserer Zeit und darüber, wie wir leben wollen“ zieht sie Bilanz über das, was als die Corona-Pandemie bezeichnet wird. Sie zeigt auf, was der Versuch, eine Krise zu managen, als Ergebnis zutage gefördert hat. Vor allem unter dem Aspekt der tatsächlichen Ergebnisse hinsichtlich der Gesundheit und ihres Systems, der Art und Weise, wie die Wissenschaft und ein wie auch immer selektiertes Expertentum zu Wort kam und mit welchen Mitteln die Politik versucht hat, ohne den Demos als Subjekt die Krise zu bewältigen. Mit dem Seziermesser hat Guérot die Vorgänge untersucht und ihre Urteile liegen in dieser Schrift auf dem hell beleuchteten Seziertisch.

Auf den ihr zur Verfügung stehenden 140 Seiten hat sie in drei Kapiteln das Geschehen analysiert. In „Wo wir stehen“ zieht sie die verheerende Bilanz. Es wird der radikale Abbau demokratischer, in der Verfassung als „unveräußerlich“ apostrophierter Rechte geschildert, es wir dokumentiert, mit welcher Propaganda, die Angst und Schrecken verbreitete und die daran gearbeitet hat, positive Begriffe in ihr Gegenteil zu verkehren. Das Machwerk der privaten wie staatlich organisierten Meinungsmaschinen, so wie es sich heute gebärdet, könnte Stoff literarischer Dystopien sein. Das System von Regel und Sanktion, das nahezu von der kompletten politischen Elite zum Mantra erhoben wurde, ist, so das bittere Fazit, eine dramatische Ramponierung der Demokratie, durchgesetzt mit der absurden Rhetorik, es handle sich um deren Rettung.

In „Was passiert ist“ geht es um Wahrheit und Erzählung sowie um Macht und Verschwörung. Es sind die Felder, auf denen sich das Spiel entfaltet hat. An zahlreichen, gut recherchierten und ebenso nachvollziehbaren Beispielen illustriert Guérot die Diskrepanz zwischen dem, was als Faktenlage bezeichnet werden kann und muss und dem, was in einer Erzählung, oder im Neusprech der Consulting-Welt, als Narrativ bezeichnet wird. Wer weiß eigentlich nicht, dass das Feindbild der Nicht-Geimpften mit der vermeintlich totalen Eindämmung des Virus nichts, aber mit den Mängeln des Managements alles zu tun hat? Und, was in der heutigen Welt der Politik wie des Journalismus zu peinlicher Ausgrenzung führt, aber den Schlüssel zu tatsächlicher Kausalität bietet, nämlich die Frage nach der Macht, wurde mit den lächerlichen Vorwürfen der Verschwörungstheorie versucht zu unterbinden.

In einem dritten Kapitel mit dem Titel „Was wir jetzt machen“ entwirft die Autorin das Gegenkonzept zu der gegenwärtig die Demokratie schreddernden Politik einer überforderten Funktionselite, die zunehmend aggressiv wird, weil sie um ihre strategische Lage weiß. Es ist das Konzept einer radikalen Demokratisierung, der Dezentralisierung von Regionen und Macht, einer Reinkarnation des Souveräns, der selbst in die Verantwortung muss. Das ist keine kleine Aufgabe, aber alle anderen Wege führen in den autoritären Staat.

Das Buch ist nicht nur lesenswert, es ist in seiner konzisen Form ein Muss, wenn man aus dem Albtraum des Corona-Managements erwachen und den Blick für die Zukunft frei bekommen will. Es ist eine Art Prüfungsbericht, der die Aktivitäten und Resultate unter die Lupe nimmt. Und angesichts dessen, was momentan den Krieg in der Ukraine betrifft, ist es ebenso erhellend. Man ist dabei, die Techniken der Entmündigung zu verfeinern. Auf brutal banale Art. 

  • Herausgeber  :  Westend; 1. Edition (7. März 2022)
  • Sprache  :  Deutsch
  • Gebundene Ausgabe  :  144 Seiten
  • ISBN-10  :  3864893593
  • ISBN-13  :  978-3864893599
  • Abmessungen  :  12.7 x 1.6 x 20.6 cm

Alles Lüge?

Alles Lüge? Alles Propaganda? So einfach ist es nicht! Die Kritik an der Berichterstattung über die Ereignisse und Begebenheiten auf dieser Welt durch staatlich gesicherte Institutionen ist vielseitiger, als viele in ihrer berechtigten Kritik noch wahrnehmen. Immer wieder sind Quellen und Sendungen zu registrieren, die einen durchaus qualifizierten und kritischen Zugang zu den Phänomenen erlauben. Sie sind versteckt, entweder auf Kanälen, die nicht massentauglich sind oder sie werden ausgestrahlt zu Zeiten, während derer viele bereits im Bett liegen.

Ein anderer Aspekt, der tatsächlich durch die Unterstellung der bewussten Unterlassung oder Fehlinformation gut beschrieben ist, ist die politische Manipulation. Auch die findet statt, und zwar zu den Hauptsendezeiten. Ein aktuelles Beispiel ist die Berichterstattung über die Protestbewegung und den Streik gegen Macrons Rentenpläne in Frankreich. Da wird ganz klassisch im Sinne der Propaganda gearbeitet: die Franzosen dürfen schon viel früher aufhören zu arbeiten, ihr Rentensystem ist ein riesiger bürokratischer Apparat und sie streiken halt gerne. Schön gesprochen. Dabei handelt es sich um einen Unsinn, der auch im I. Weltkrieg aus deutschen Schützengräben hätte kommen können. 

Was die vereinigte Gilde der Nachrichtenmacher nicht machen, außer durch das Vorenthalten von Fakten und die Inszenierung bewusster Emotionalisierung, ist zu erklären, was jedermann, der sich mit dem Thema beschäftigt, sofort sieht, ist die Erklärung der Bilder. Auf denen, und zwar nahezu allen, die zahlreich verfügbar sind, führen die Streikenden als große schwarze Ungeheuer dargestellte Figuren und Transparente mit, auf denen Black Rock steht. Dass diese Tatsache darauf schließen lässt, dass es bei diesem heftigen Kampf um die Privatisierung der Rentenkassen geht, diesen Schluss konnte man bis heute nicht hören. Die Qualifizierung dieses Vorgehens als politische Propaganda ist durchaus zulässig.

Und neben der tatsächlich guten Recherche und deren bewusster Unterdrückung kommt zunehmend noch ein Phänomen hinzu, das aus vielleicht am besten als ein Schreiben und Berichten im Trend genannt werden kann. Dabei handelt es sich um die unreflektierte Übernahme bestimmter Erklärungsmuster, die gesellschaftlich en vogue sind. Das beste Beispiel dafür ist die Behauptung, die Waldbrände in Australien seien auf den Klimawandel zurückzuführen. Es hört sich plausibel an, ist als ein Teilaspekt nicht auszuschließen und stösst auf allgemeine Zustimmung. Was es verschleiert, ist die Tatsache, dass die Verheerungen durch die Privatisierung von Wasser ausgelöst werden. 

Der Wasservorrat in Australien stammt aus den immer noch vorhandenen Reservoirs aus dem tropischen Teil. Dort wurden allerdings die unterirdischen Quellen angezapft und das Wasser in privat betriebene Stauseen geleitet. Als Folge blieben alle Flüsse trocken und somit dörrte das Land dort aus, wo es zwar klassisch saisonal brennt, es aber durch eine Grundfeuchtigkeit nicht zu solchen Folgen kam. Übrigens ein analoges Phänomen wie in Kalifornien, wo die Wasserprivatisierung ähnlicher Natur dafür sorgt, dass die Wälder brennen und die Swimmingpools voll sind.

Die Reaktion auf diese aus Unwissenheit resultierenden Berichterstattung sind Debatten über die eigene Verantwortung der hiesigen Bevölkerung in Bezug auf ihr Konsumverhalten. Auch diese Frage ist berechtigt, aber sie lenkt gewaltig ab von den tatsächlichen Ursachen der mehr und mehr um sich greifenden global relevanten Umweltkrisen. Alles ist zulässig, nur nicht die Schlussfolgerung, dass die freie Wirtschaft und die in ihr aktiven Kräfte der rücksichtslosen Gier etwa mit der Zerstörung des Planeten zu tun hätte.

Ja, es ist komplex. Mal ist es Propaganda, mal ist es guter Journalismus und mal ist es grenzenlose Naivität. Die Zeit für eine solche Unterscheidung sollte man sich nehmen, sonst ist man schnell in einem Strudel, in den man einfach nicht gehört.