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Wenn der Schnee schmilzt…

„Wenn der Schnee schmilzt, siehst du, wo die Kacke liegt!“ Rudi Assauer kannte sich aus. Vor allem im Fußball. Und dass der Fussball auch immer etwas über die Funktionsweise der Gesellschaft aussagt, ist eine Binse. Also, bleiben wir beim Fußball. Auch dort hat Corona gewirkt wie ein Brandbeschleuniger. Wie überall sonst eben auch. Da sind die Großen noch stärker aus der Krise hervorgegangen und ehemals Große droht es zu reißen. Finanziell am Ende. Manche hoffen auf staatliche Alimentierung, andere beißen in Gras. Das Leben ist kein Ponyhof. Vor allem dort, wo König Kohle regiert, da ist das Metier egal. Ob Bananen, Werkzeugmaschinen, Automobile, Präservative, Präzisionsuhren oder Fußball, es herrscht der Markt, der alles regelt. Das sind die Zeiten, in denen wir uns baden. Und wem da die Romantik fehlt, der ist endlich angekommen und hat begriffen, was gespielt wird.

Wenn die Auswirkungen, die der Lockdown auf den Fußball hatte, paradigmatisch den Rest von Wirtschaft und Gesellschaft beschreiben, dann nehmen die Konsequenzen Kontur an. Die Monopole werden gestärkt, die mittleren Unternehmen werden sich mit Ach und Krach vielleicht retten können und viele Kleine wird der Sensenmann holen. Auf allen erwähnten Ebenen wird es Tod und Überleben geben, aber auf der obersten bedeutet das die Stärkung des Monopols. Zum ersten Mal in der Geschichte der Republik erleben wir nun das, was sich einmal in einer sozialistischen Theorie niedergeschlagen hat: den staatsmonopolistischen Kapitalismus. Ja, man reibt sich die Augen, so prognostisch konnte doch niemand sein, im letzten Jahrhundert, dass plötzlich im 21. Jahrhundert, im digitalen Zeitalter, ein Schub kommen wird, bei dem die Funktionen von Staat und privatem Monopol verschmelzen? Gut, VW gab es schon immer, von der braunen Vergangenheit bis zum sozialdemokratisch mitgesteuerten Halbstaatskonzern, aber das war nicht repräsentativ.  Doch nun macht sich die Horde der Wirtschaftshunnen daran, alle Läden zu übernehmen.

Bayern München, der bayrische Staatsverein, der gestern zum 20. Mal den Pokal holte, illustriert seht gut diese Entwicklung. Abgesehen davon, dass letzteres im Rest der Republik niemanden mehr interessiert, außer denen, die es ablehnen, zu leben, weil zum Leben Siege wie Niederlagen gehören, also einmal abgesehen von den Lebensverneinern, hat das Monopol den Scham des Spiels endgültig zerstört. Da wird ein Produkt gesponsert, das keine Konkurrenz mehr hat. Da gibt es keine Reibung mehr mit anderen, da sind die Kräfte so verteilt wie einst in der Arena Roms. Man lässt sich frische Sklaven kommen, um sie spielerisch zu vernichten. Die gekaufte Berichterstattung redet in solchen Fällen gerne von einer Demonstration der Macht. Das liegt trifft es nicht ganz, auch wenn es das auch ist. Es ist der Sadismus gelangweilter Monopolisten. 

Die reden dann auch schon mal von anderen Ligen, wo sie viel mehr Kohle und etwas mehr Kitztel erwarten. Wo sie sich treffen können mit ihresgleichen aus anderen Ländern. Mit denen, denen es wie ihnen gelungen ist, die Idee von einer sportlichen Auseinandersetzung zweier Mannschaften mit ungewissem Ausgang zu meucheln wie einen räudigen Hund. Sollen sie es machen, sollen sie ein Pantheon der Langeweile bauen. Mit Figuren wie dem ehemaligen Präsidenten des Staatsvereins und dem westfälischen Fleischbaron, der eine Ikone des Ruhrgebiets nachhaltig geschändet hat, wäre ein guter Anfang gemacht. Wenn der Schnee schmilzt, siehst du, wo die Kacke liegt.