Schlagwort-Archive: Think Tanks

Es ist angerichtet

Machen wir uns nichts vor. Es ist angerichtet. Die Zeit amerikanischer Zurückhaltung bei militärischen Operationen zur Sicherung der imperial-strategischen Interessen ist vorbei. Die Luftschläge gegen Syrien, bei denen noch die europäischen Allianz-Mächte Großbritannien und Frankreich mitmachen durften, waren nur ein kleines Präludium. Mit der Aufkündigung des Iran-Atom-Abkommens wird es richtig ernst. Dass nur zwei Tage nach dem Ausstieg durch Trump Israel seinerseits Militärschläge gegen iranische Stellungen in Syrien veranlasst, hat zwar seinen Grund, ist aber ein Zeichen dafür, dass Israel wusste, was in Washington längst gewiss ist. Kriegerische Akte im Zeichen des Adlers stehen kurz bevor.

Machen wir uns nichts vor. Es geht nie um Vernunft. Es geht um Geld, es geht um Macht. Dass die amerikanische Weltvorherrschaft ins Wanken geraten ist, hat mit mehreren Faktoren zu tun. Das ökonomische System der internationalen Aufgabenteilung mit den USA als Regie ist seit der Weltfinanzkrise brüchig geworden. Die Geldströme zur Wall Street als Pfand für das Imperium blieben aus. Gleichzeitig erstarkte China wirtschaftlich, in Bezug auf seine eigene Einflusszonen und militärisch. Der Kampf um die strategischen Ressourcen ist seitdem neu entbrannt. Jeder Kampf darum hat etwas zu tun mit dem Wettstreit um die Weltherrschaft. Und die Alternativen heißen im Moment entweder die USA oder China. Andere existieren nicht.

Die Mobilmachung gegen Russland ist kein Geplänkel. Sie resultiert aus einer sehr klaren Analyse seitens der amerikanischen Think Tanks. Wer Russland unter seiner Knute hat, der beherrscht aufgrund der immensen Landmasse und der dortigen Ressourcen die Welt. Das wussten alle Imperialisten, die nicht vor dem Krieg zurückschreckten. Das wusste Napoleon, das wusste Hitler und das glauben die Falken am Potomac zu wissen. Dass sich historisch alle bei dem versuchten Akt der Unternehmung den Leichenschmaus servierten, steht auf einem anderen Blatt.

Das Verhältnis der USA zu Europa ist ein anderes geworden als zu den Zeiten, als hier fleißig Waren hergestellt wurden, die unter US-Regie in der ganzen Welt versilbert wurden. Da die Regie nicht mehr funktioniert, ist jede Werkstätte auf dem alten Kontinent ein Konkurrenzunternehmen zu denen, die innerhalb der USA sind. Das sollte Europa endlich erkennen. Die USA taktieren dort zwischen dem Wunsch, die hiesigen Produktionsstätten zu vernichten, brauchen aber noch Allianzpartner für den geplanten Streich gegen Russland. Wer bei diesem Manöver mitmacht, der hat die Zeichen der Zeit nicht erkannt. Es geht um Weltherrschaft und da laufen reihenweise begriffsstutzige Provinzpolitiker durch Europa und schreien nach Moral. Welche Moral? Die des Erstschlages?

Den Globus in Gänze betrachtet, sieht es nicht gut aus für die USA. Je mehr es sich zuspitzt, desto größer die strategische Überdehnung derselben. Genau diesen Zustand wollte Obama verändern, indem er zunächst versuchte, mehr zu moderieren als selbst zuzuschlagen. Vorbei. Gescheitert. Trump steht bereits an der Rampe. Und mögen auch die nächsten Schläge noch lokal begrenzt sein, sicher ist, dass es irgendwann zu einem final Countdown kommen wird. 

Brillant hingegen die chinesische Zurückhaltung. Sie sollte nicht verwechselt werden mit Schläfrigkeit. Das Reich der Mitte ist bekannt dafür, dass dort in größeren Zeiträumen gedacht wird als im kurzatmigen Westen, der sich berauscht an der eigenen ständig sinkenden Halbwertzeit. Es ist angerichtet. Der Kampf um die Weltherrschaft tritt in ein neues Stadium. 

Werbeanzeigen

Der Kampf mit dem Reputationsverlust

Zunächst wurde alles kategorisch bestritten. Aber die Wucht der Auseinandersetzung hat anscheinend doch dazu geführt, dass sich die öffentlich-rechtlichen Medienanstalten seit den Krisenjahren 2014/15, in denen ein Umsturz in der Ukraine und ein Krieg in Syrien dafür sorgten, dass Weltbilder und Betrachtungsweisen aufeinanderprallten, nun mit ihrem Prestigeverlust befassen. Und die Position, die einige hierzulande renommierte Nachrichtensendungen in den beschriebenen Konflikten einnahmen, waren nicht das Ergebnis sorgfältiger journalistischer Recherche. Man hatte sich mit der Sicht der amtierenden Bundesregierung gemein gemacht. Etwas, wovor die Existenz dieser Institutionen dezidiert schützen soll. Und genau das ist in einer ersten Krisensituation nicht gelungen. Nicht bei der Ukraine, nicht bei den Migrantenbewegungen und auch nicht bei den alles andere als sympathischen Entwicklungen innerhalb der EU.

Diese teilweise einseitige Positionierung hat zu einem Reputationsverlust geführt, der teilweise als erheblich bezeichnet werden muss. Die Reaktion darauf ist immer noch unbeholfen, weil Nachrichtenredakteure immer von ihrem Handwerk sprechen, dass sie gelernt haben und dass es für sie unvorstellbar sei, dass irgend ein Politiker von Einfluss bei ihnen anrufe und sie bitte, über eine bestimmte Sache in einer besonderen Weise zu berichten. Wäre es nicht tatsächlich naiv, so könnte man zornig werden. Mit derartigen Formulierungen fährt auch der ZDF-Nachtportier Klaus Kleber über Land und befragt die Menschen, ob sie sich das so vorstellten. Dabei weiß er es selbst am besten: Dass die Think Tanks aus den USA, die mit Meetings und Reisen belohnen, die Foren sponsern und die Meinung bilden, hunderte von Mitgliedern aus dem öffentlich-rechtlichen Sektor haben. Und wenn man sich Klebers Position in der Ukraine ansieht, dann sieht man, was die Transatlantikbrücke dazu denkt. Recht schlicht, und auf Dauer sind es diese Analogien, die die öffentlich-rechtlichen Medien gefährden. Wie kann es sein, dass ein leitender Redakteur einer leitenden Nachrichtensendung in einem solchen Think Tank renommiertes Mitglied ist?

Seien wir nicht ungerecht und schütten wird das Kind nicht mit dem Bade aus! Wer sich öfters im Ausland aufhält und eine Ahnung davon hat, wie es sich anfühlt, wenn es keine öffentlich-rechtlichen Rundfunk- und Fernsehanstalten gibt, der weiß eine solche Institution zu schätzen. Der ganze, von Werbung durchsetzte Trash, der da auf die ungeschützten Individuen nieder hämmert, ist kaum zu ertragen und vermittelt das Gefühl, in einer Kulturwüste zu sein. Wer es nicht erlebt hat, mag es kaum glauben. Von morgens bis abends Triviales, das sich lediglich nach unten überbietet. So sieht es aus und hört es sich an, wenn die unsichtbare Hand des Marktes ihre wundervolle, so oft gepriesene Regie führt. Kaufaufforderungen bis zum Erbrechen, nichts Kritisches und nichts Erbauliches.

Die bestehende Form der öffentlich-rechtlichen Rundfunk- und Fernsehanstalten sind vor allem ein Erbe der britischen Besatzer. Sie hatten, analog zu ihrer eigenen BBC, die positive Erfahrung gemacht, dass gesellschaftliche Identität abgebildet werden kann, wenn sich eine politisch nicht beeinflussbare Interaktion zwischen Nachrichtenproduzenten und einer interessierten Öffentlichkeit bilden kann. Das ist ein historisches Erbe und ein hohes Gut. Umso verwerflicher ist es, wenn zugelassen wird, dass durch amerikanische U-Boote diese Institutionen nachhaltig beschädigt werden können. Das, und nicht diese blödsinnige Diskussion um eine Zwangsabgabe, sollte im Zentrum der Kritik stehen. Warum screent man nicht die Redaktionen auf die Mitgliedschaft in diesen demokratie-feindlichen Ideologieschmieden, in denen von Weltherrschaft und der Besetzung Russlands als Ressourcenlieferant geschwafelt wird. Das könnte alles ganz schnell gehen und zeigen, dass der Auftrag immer noch ernst gemeint ist.

Die Falken und die Nachrichten

Wer wählt die Sprache aus, wer setzt die Bilder? Bei dem, was in der Regel als ein Neutrum der Informationsübermittlung angesehen wird, handelt es sich um den gezielten Versuch, Beeinflussung vorzunehmen, wenn nicht Sprache und Bilder das Gegenteil belegen. Man kann von einer militärischen Konfrontation in einer mittelöstlichen Wüste sprechen, und versuchen, die jeweiligen Interessen zu beschreiben. Da steht sich ein Nationalstaat, der im eigenen Land deshalb Probleme hat, weil sich eine große, ethnisch differente Minderheit nicht so mir nichts dir nichts assimilieren lässt. Diese Minderheit verfügt in einem im Bürgerkrieg befindlichen Nachbarland ebenfalls über militärische Verbände. Diese wiederum sind jetzt Ziel eines Nationalstaates, der jetzt auf das Territorium des Nachbarstaats militärisch vorgedrungen ist, um die Verbände anzugreifen, die ethnisch zur eigenen nationalen Minderheit gehören.

Das Beschreiben, nicht das sofortige Bewerten, fördert oft bereits Erkenntnisse zu Tage, die bei der überschnellen Analyse verloren gehen. In dem hier angeführten Fall deutet die Beschreibung bereits an, wie hirnrissig die Operationen der Türkei in Syrien sind und verfolgte man die Geschichte in der Logik der Beschreibung weiter, dann käme man zu dem Ergebnis, dass die Komplexität des Konfliktes sehr viel mit archaischen Mordphantasien auf allen Seiten zu tun hat als mit einer rationalen Politik, die bereit ist, in Lösungskonzepte die unterschiedliche Interessenlage vieler einzubinden. Stattdessen herrschen die Messer und der Kuhhandel.

Um das zu beflügeln, kommen dann in die obige Beschreibung sehr gezielt die nötigen, bewertenden Beiworte, die das Gift in die Köpfe transportieren. Da sind dann schnell irgendwelche Heckenschützen zu Freiheitskämpfern erkoren, während andere Terroristen sind, da sind die Opfer der „anderen“ Seite in solider Regelmäßigkeit anonym, während die auf der „eigenen“ Seite ausschließlich aus Kindern, Frauen und Alten bestehen. Das ist alles so schön einfach: hier die reine Demokratie, dort der Despot. Und wer diese schlichte, allzu schlichte Dichotomie hinterfragt, der ist sehr schnell ein Sympathisant. Oder ein Putinversteher, oder ein Europahasser.

Dass sich der Journalismus auch in unserem Land in starkem Maße dieser Entwicklung untergeordnet hat, ist ein beklagenswerter Umstand, der noch besonders dramatisch wird, weil große Teile der Berichterstattung aus den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten sich dieser Tendenz ebenfalls verschrieben haben. Dass ist, in Bezug auf unsere Geschichte und die Rolle, die dort die Propaganda eingenommen hat, unverzeihlich. so, wie es aussieht, wird sich an diesen Verhältnissen nichts ändern. Was sich bereits geändert hat, ist eine kleine, nicht feine, aber zunehmend respektable Gegenwelt „im Netz“. Verbessern wird diese Gegenwelt die Verhältnisse alleine nicht, denn auch hier herrscht die Einsicht, dass nichts als die Politik die politischen Verhältnisse wird ändern können.

Das, was als Weltbild in vielen Journalen und Medien momentan produziert wird, stimmt in auffälliger Weise mit dem Bild überein, das in vielen, aus den USA heraus operierenden Think Tanks vorherrscht. Es ist bekannt, dass ein Gros der hiesigen Journalisten in den erwähnten Think Tanks auf den Mitgliederlisten stehen. Und es ist ein Fakt, dass letztendlich als Produkt dieser Mitgliedschaften eine Berichterstattung steht, die dem Weltbild amerikanischer Falken entspricht. Inklusive aller Feindbilder und Ressentiments.

Das Wissen um diesen Zusammenhang muss dazu führen, darüber aufzuklären und zumindest in öffentlich-rechtlichen Medien die gleichzeitige Arbeit für diese und eine Mitgliedschaft in einer dieser ideologischen Kriegswerkstätten anzuzweifeln.