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Empfohlene Lektüre für den Strandkorb

Simon Scarrow, Young Bloods. Revolution 1769 – 1795. Two Soldiers. One Destiny

In Zeiten, in denen es wichtiger denn je wäre, sich mit der Geschichte des eignen Kontinents zu befassen, um bestimmte bis heute anhaltende Verhaltensmuster zu verstehen und die Dynamik historischer Prozess erkennen zu können, ist es umso schlimmer, auf ein nahezu kollektives Desinteresse an Geschichte zu stossen. Wer sich mit dem Phänomen befasst, gilt bereits als Mensch auf Abwegen. Wenn, was die allgemeine Unwissenheit betrifft, zudem noch eine Aversion gegen die historischen Wissenschaften besteht, es sei denn, sie verhelfen zur Bestätigung des eigenen Handlungsmusters, dann kann es sinnvoll sein, den Zugang zu derartiger Materie in Form einer spannenden Erzählung zu schaffen.

Der Brite Simon Scarrow, der seinerseits Geschichte studiert hat, hat mit Romanreihen über römische Militärgeschichte bereits großen Erfolg gehabt. Auch wenn grundsätzlich eine gewisse Skepsis gegenüber dieser etwas reißerisch angelegten Literatur vorhanden ist, so erregte eine andere Serie desselben Autors dennoch ein gewisses Interesse in mir. Dabei geht es um die in Deutschland wieder einmal mit einer miserablen und vom Original abweichenden Titelauswahl so genannte Napoleon Saga. Abgesehen davon, dass vom Titel bis zum Oberbegriff alles falsch ist, was die vier Bücher bieten, eine Empfehlung, sie zu lesen, spreche ich nach dem ersten Band dennoch aus.

In der englischen Ausgabe handelt es sich dabei um Yong Bloods. Revolution 1769 – 1795. Wellington and Napoleon. Two Soldiers. One Destiny. (Deutsche, nicht schlimmer zu treffende Fassung:  Schlacht und Blut. Die Napoleon Saga 1769 – 1795).

Scarrow schildert die Entwicklung des jungen Korsen wie des in Dublin aufwachsenden Briten. Bei beiden ist klar, dass sie von vornherein nur auf die eigene Leistung gestellt sind, wenn sie aus ihrem Leben etwas machen wollen, denn einer kommt aus der Familie eines Verwaltungsangestellten und der andere wächst im Milieu des untersten Adels auf. Die politischen Verhältnisse, auf die die beiden hHeranwachsenden treffen, könnten unterschiedlicher und gleichzeitig gleicher nicht sein. Hier eine Monarchie, die kurz vor dem Fall steht und zudem die Heimat Korsika des jungen Napoleon okkupiert hat und dort ein Empire, dessen Weltherrschaft beginnt zu zerbröseln. In beiden Ländern herrschen auf der einen Seite die Blasiertheit des Ancien Regime und in beiden Ländern beginnen die revolutionären Gedanken der bürgerlichen Gesellschaft zu reifen. 

Die weiteren Entwicklungen beider Gesellschaften wie beider Figuren nehmen einen eigenen, unterschiedlichen Verlauf. Was beiden Figuren, deren Weg sich in der Geschichte mehrmals kreuzen wird, gemein ist, ist die Erfordernis, in politisch instabilen Zeiten die eigene Entwicklung, die von eigenen Wertvorstellungen geprägt ist, ausbalancieren zu müssen. Dabei geht es einerseits um das eigene Fortkommen, das oft deckungsgleich mit persönlicher Emanzipation ist, ohne sich zu prostituieren oder zu verkaufen und die Tendenz der Geschichte auszublenden. In beiden Fällen, bei Napoleon Bonaparte wie bei Arthur Wesley, bleibt nur der Weg der eigenen Leistung. Ihr Pfad zur Macht wird bestimmt sein durch die eigenen Fähigkeiten und Taten. Beide sind Militärs, und beide leben in Staaten, die sich als Feinde gegenüberstehen werden. 

Im ersten Band dieser Tetralogie ließen sich aus meiner Sicht keine Belege für eine markante Abweichung von den tatsächlichen historischen Ereignissen finden. Die Lektüre, die zu vielen Fragen verleitete, was den gesellschaftlichen Kontext individuellen Handelns betrifft, ist flüssig und sogar im Strandkorb machbar. Nichts spricht gegen sie. Also sei sie empfohlen.   


Produktinformation

  • ASIN ‏ : ‎ B002V092MO
  • Herausgeber ‏ : ‎ Review (4. September 2008)
  • Sprache ‏ : ‎ Englisch
  • Dateigröße ‏ : ‎ 2663 KB
  • Text-to-Speech (Vorlesemodus) ‏ : ‎ Aktiviert
  • Screenreader ‏ : ‎ Unterstützt
  • Verbesserter Schriftsatz ‏ : ‎ Aktiviert
  • X-Ray ‏ : ‎ Nicht aktiviert
  • Word Wise ‏ : ‎ Aktiviert
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 608 Seiten